21.10.2020 21:04

LovelyMe«Dank Google wusste ich, dass ich Krebs habe»

Vor zwei Jahren erkrankte Karlo (25) an Lymphdrüsenkrebs. Nach mehreren Chemotherapien gilt er nun als geheilt.

von
Meret Steiger
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Karlo hatte einen unerträglichen Juckreiz  und Nachtschweiss. Diverse Ärzte haben Allergietests oder andere Abklärungen vorgenommen – ergebnislos.

Karlo hatte einen unerträglichen Juckreiz und Nachtschweiss. Diverse Ärzte haben Allergietests oder andere Abklärungen vorgenommen – ergebnislos.

privat
Erst durch Selbstdiagnose mit Google kam der junge Mann zu einem Ergebnis: «Ich habe Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom) im Endstadium»

Erst durch Selbstdiagnose mit Google kam der junge Mann zu einem Ergebnis: «Ich habe Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom) im Endstadium»

privat
Dann wurde er endlich ernstgenommen. Die Diagnose hat Karlo nur kurz mitgenommen: «Ich habe erstmal kurz geweint, mich aber sehr schnell wieder gefangen und beschlossen, diese Erkrankung so positiv wie nur möglich anzugehen»

Dann wurde er endlich ernstgenommen. Die Diagnose hat Karlo nur kurz mitgenommen: «Ich habe erstmal kurz geweint, mich aber sehr schnell wieder gefangen und beschlossen, diese Erkrankung so positiv wie nur möglich anzugehen»

privat

Darum gehts

  • Karlo ist 25 Jahre alt und hat Lymphdrüsenkrebs besiegt.

  • Zur Diagnose war es ein langer Weg: Der junge Mann wurde lange nicht ernst genommen.

  • Eine Selbstdiagnose mit Google hat ihm gezeigt, dass seine Symptome für Lymphdrüsenkrebs sprechen.

  • Nach mehreren Chemotherapien gilt der heute 25-Jährige als geheilt.

Karlo, was ist dir passiert?

Ich habe 2018, mit 23 Jahren, die Diagnose Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom) bekommen. Bis zur Diagnose war es aber ein langer Weg: Angefangen hat es mit einem geschwollenen Lymphknoten an der Leiste. Ich dachte erst an einen Leistenbruch, das war es aber nicht. Die Ärzte schienen sich keine Sorgen zu machen und haben mich heimgeschickt. Dann bekam ich andere Symptome: Ich hatte einen wahnsinnig starken Juckreiz, wie bei einem Bienenstich, aber am ganzen Körper. Ich habe mich manchmal mit einer Gabel gekratzt! Die Ärzte haben mir eine Salbe verschrieben, die aber nicht wirklich half. Wenig später kam der Nachtschweiss hinzu: so schlimm, dass das Bett am Morgen jeweils getränkt war. Irgendwann habe ich meine Symptome gegoogelt – und Google sagte, ich habe Krebs.

Meine Freunde meinten, ich solle mich nicht selbst diagnostizieren, aber ich habe es dann dem Arzt gesagt. Die haben trotzdem noch Allergietests gemacht und mir gesagt, ich sei zu jung für Krebs. Schliesslich habe ich endlich ein CT, einen Ultraschall und einen Biopsie-Termin bekommen. Das war am Mittwoch – am Freitag sollten die Ergebnisse da sein. Es waren die zwei längsten Tage meines Lebens. Dann die Diagnose: Ich habe Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Lymphom) im Endstadium.

Wie bist du damit umgegangen?

Es war ein Riesenschock. Ich habe erstmal kurz geweint, mich aber sehr schnell wieder gefangen und beschlossen, diese Erkrankung so positiv wie nur möglich anzugehen. Ich habe mir immer gesagt: ‹Ich werde das überstehen›. Aber es war nicht leicht, gerade auch während der Chemotherapie, die ganze sechs Runden lang ging.

Wie hat dich dein Umfeld unterstützt?

Meine Familie, meine Freunde und meine damalige Freundin standen immer hinter mir, haben mich oft besucht und viele Sachen mit mir unternommen. Das war so wichtig, weil sich bei mir halt vieles nur noch um die Krankheit gedreht hat. Und bei den Ausflügen mit Familien und Freunden konnte ich einfach mal vergessen, dass ich Krebs habe.

Was war die härteste Zeit?

Die ganze Zeit war wahnsinnig hart. Aber das Schlimmste war die Ungewissheit vor der Diagnose! Die Chemotherapie war auch schlimm, nach der ersten Runde hatte ich so starke Nebenwirkungen, dass ich im Spital eine Woche isoliert wurde. Aber die Chemo ist immerhin der Kampf gegen die Krankheit. Und der Juckreiz am Anfang, der war auch richtig ätzend.

Wurdest du auf der Strasse angesprochen?

Nein, die Leute haben einfach gestarrt. Mir hat man die Krankheit irgendwann schon deutlich angesehen, aber es war mir egal, was die Leute denken. Drinnen bleiben und deprimiert sein war für mich schlicht keine Option.

Was war der beste Moment?

Das war definitiv, als der Krebs endlich besiegt war. Ich habe zwar immer versucht, alles positiv zu sehen, aber die Bestätigung, dass ich krebsfrei bin, war so unglaublich befreiend. Es geht nur noch bergauf, und ich habe das überstanden.

Wie geht es dir heute?

Ich höre viel mehr auf meine innere Stimme, ich lebe, was mich begeistert. Ich habe Spass gefunden an meinem inneren Weg, zu lernen, zu verstehen, auch wenn es manchmal schmerzt. Ich habe vor zwei Monaten die Rekrutenschule in Sion bei der Militärpolizei beendet und bin jetzt im Durchdiener. Bei der Rekrutierung wurde mir gesagt, ich sei «gesund und fit» – und genauso fühle ich mich heute auch.

Was ist das Hodgkin-Lymphom?

Das Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems. Die Erkrankung macht sich durch schmerzlose Schwellungen von verschiedenen Lymphknoten (Hals, Achsel, Leiste, Brustkorb und Bauchraum) bemerkbar. Weitere Symptome sind Juckreiz, Nachtschweiss, Fieber oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust. Die Behandlung besteht aus einer Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung. Die Heilungsaussichten sind vor allem bei Kindern gut bis sehr gut.

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