Aktualisiert 10.01.2014 08:25

Ausländer-Rekord

Dank Mundart-Kurs «richtig dazugehören»

Noch nie wollten so viele Schweizerdeutsch lernen wie im letzten Jahr. Und es sind nicht mehr nur Deutsche. Ein Grund für den Boom ist die hohe Zuwanderung.

von
Deborah Onnis

Von der richtigen Aussprache von «Grüezi» bis zu «I hätt gärn zwöi Weggli»: Die Zahl der Ausländer und fremdsprachigen Schweizer, die Mundart lernen wollen, steigt. 896 Personen lernten letztes Jahr in der Deutschschweiz in der Migros Klubschule einen Dialekt. Das ist Rekord, wie Mediensprecherin Ariane Lang sagt. Auch im Kurs von Alfred Egli in Zürich haben sich letztes Jahr mehr Personen angemeldet als je zuvor.

Grund für die allgemeine steigende Nachfrage ist laut Fiammetta Jahreiss, Vize-Präsidentin vom Forum für die Integration von Migranten und Migrantinnen (Fimm), die starke Einwanderung von qualifizierten Ausländern, die häufig bereits über Deutschkenntnisse verfügen. Laut den jüngsten Zahlen sind letztes Jahr rund 80'000 Personen mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Zudem zeigen die Daten des Staatssekretariats für Wirtschaft, dass gerade Einwanderer aus EU-Staaten häufig besser ausgebildet sind als der Durchschnitt der Arbeitnehmer in der Schweiz.

Durch die Schweizerdeutsch-Kurse erhoffen sich laut Sprachlehrer Alfred Egli viele der Teilnehmer, besser integriert zu werden: «Sie haben das Bedürfnis, einfach richtig dazuzugehören.» Nora Sommer von der Migros Klubschule der Genossenschaft Aargau, Bern und Solothurn ergänzt: «Die meisten wollen für die Kommunikation mit den Einheimischen sprachliche Sicherheit gewinnen.»

Schweizerdeutsch ein Muss?

Nahmen lange vor allem Deutsche an den Kursen teil, sind mittlerweile fast alle Nationalitäten vertreten. «Heute sind die Teilnehmergruppen sehr heterogen», beobachtet Sommer. Bei allen ist die grösste Hürde der «Mission Schwiizerdütsch» die Aussprache. «Jede Nationalität kämpft da mit anderen Problemen», sagt Egli. Während Chinesen sich richtig ins Zeug legen müssen, um das «R» «lichtig» auszusprechen, tun sich die Deutschen vor allem mit dem Umlaut «Ä» schwer. Englischsprechende kommen hingegen wegen des «U» nur schwer zur «Rühe».

Ist das Beherrschen des Schweizerdeutschen wirklich ein Muss für eine erfolgreiche Integration? «Nein, notwendig ist es auf keinen Fall», sagt Integrationsexpertin Jahreiss. Sie wisse allerdings aus eigener Erfahrung, dass viele Schweizer nicht begeistert sind, wenn sie hochdeutsch sprechen müssen, weil ihr Gegenüber keine Mundart versteht. Ob dieser auf Schweizer- oder Hochdeutsch antworte, spiele indes weniger eine Rolle.

Hier können Sie testen, ob sie den Dialekt ihrer Region richtig sprechen.

«Ich verstehe die Schweizer jetzt besser»

Frau Palomé, warum besuchen Sie einen Züritüütsch-Kurs?

Sìlvia Palomé: Ich will über die Sprache auch die Schweizer Kultur besser kennenlernen und verstehen. Ich habe bereist in Deutschland Hochdeutsch gelernt, aber hier in der Schweiz spricht man einfach eine andere Sprache.

Wie viel hat Ihnen der Schweizerdeutsch-Kurs schon gebracht?

Bereits nach drei Monaten habe ich gemerkt, dass ich nicht nur Züritüütsch, sondern allgemein die Schweizer Kultur besser verstehe. Ich kann jetzt auch gut Worte differenzieren und verstehe die Sprache auch schon viel besser.

Fühlen Sie sich jetzt besser akzeptiert?

Noch kann ich selbst kein Schweizerdeutsch. Meine Freunde können jetzt aber Schweizerdeutsch mir mit sprechen. Das ist für sie bequemer.

Sìlvia Palomé (35) stammt aus Barcelona. Sie ist diplomierter Business-Coach und wohnt seit 2006 in Zürich.

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