Watt ZH: Dank mutigen Teenies überführt

Aktualisiert

Watt ZHDank mutigen Teenies überführt

Ein arbeitsloser Chauffeur und seine Nachbarin aus Watt wollten nach einem Selbstunfall die Justiz narren. Allerdings hatte das Duo die Rechnung ohne zwei aufmerksame Schülerinnen gemacht.

von
Attila Szenogrady

Laut Anklage begab sich ein heute 49-jähriger IV-Bezüger aus Watt zusammen mit einer jüngeren Nachbarin am 1. April 2010 nach Hinwil. Obwohl der arbeitslose Chauffeur über keinen gültigen Führerausweis verfügte, lenkte er den Jeep seiner verheirateten Kollegin, die den Geländewagen von ihrem Ehemann ausgeliehen hatte.

Nach Parkschaden das Weite gesucht

Gemäss Staatsanwalt trafen die beiden Beschuldigten um die Mittagszeit in Hinwil ein. Kurz darauf fuhr der Schweizer rückwärts aus einem Parkfeld heraus und übersah dabei ein parkiertes Fahrzeug. Er krachte in dieses hinein und stieg zunächst aus. Dann stritt er sich mit seiner Begleiterin herum und suchte mit ihr kurz darauf das Weite.

Das Paar war sich einig, den angerichteten Schaden nicht zu melden. Allerdings hatte es die Rechnung ohne zwei Schülerinnen aus Hinwil gemacht. Die beiden 15-jährigen Teenies hatten den Unfall von einer Sitzbank aus beobachtet und sogleich wie kaltschnäuzige Detektivinnen reagiert. Sie tippten die Kennzeichen des Tatfahrzeugs in ihr Handy und benachrichtigten die Polizei.

In Hinwil noch freigesprochen

Der Regensdorfer Besitzer des Jeeps erhielt schon wenig später ein Telefonat von der Polizei und erklärte, dass seine Frau mit dem Wagen unterwegs sei. Zum Erstaunen des ermittelnden Polizeibeamten. So hatte er von den beiden Kronzeuginnen erfahren, dass ein Mann den Jeep gefahren habe.

Fest steht, dass sich die ausfindig gemachte Frau zusammen mit ihrem Kollegen die Polizei aufsuchte und die Schuld am Unfall wahrheitswidrig auf sich nahm. Alles um ihren Begleiter vor einer Strafverfolgung zu schützen.

Zum Schluss den Schülerinnen geglaubt

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland klagte beide Zürcher Unterländer ein. Den Mann wegen Fahrens trotz Entzug, Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall. Die Frau wegen Irreführung der Rechtspflege sowie versuchter Begünstigung.

Allerdings hatten die beiden nicht geständigen Beschuldigten zunächst Glück. Sie wurden im Mai 2011 vom Bezirksgericht Hinwil freigesprochen. Das Gericht schloss aufgrund der Korpulenz beider Angeklagten eine Verwechslung nicht aus. Zudem verwies es auf die Sehschwäche einer Zeugin.

Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und verlangte am Dienstag vor Obergericht Schuldsprüche. Diesmal mit Erfolg. So stuften die Oberrichter die Belastungen der Schülerinnen als übereinstimmend,, differenziert und glaubhaft ein. Beide Zeuginnen hätten klar ausgesagt, dass ein breiter Mann den Jeep gelenkt habe, sagte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess. Zum sichtlichen Ärger der verurteilten Angeschuldigten. Der IV-Rentner erhielt eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 400 Franken Busse. Seine heute 36-jährige Komplizin eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken. Die beiden Verteidiger hatten vergeblich volle Freisprüche gefordert.

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