Paul Burton: Das sagt der Chefarzt von Moderna zur Kinderimpfung und zu Corona
Publiziert

Paul BurtonDas sagt der Chefarzt von Moderna zur Kinderimpfung und zu Corona

Swissmedic lässt Modernas Covid-19-Impfstoff für Kinder von 6 bis 11 Jahren zu. Ob es die Impfung überhaupt noch braucht, sagt der Chief Medical Officer von Moderna, Paul Burton, im Interview.

von
Daniel Krähenbühl
1 / 5
Paul Burton ist Chief Medical Officer beim Impfstoffhersteller Moderna. 

Paul Burton ist Chief Medical Officer beim Impfstoffhersteller Moderna. 

Moderna
Im Herbst rechnet er in Europa wieder mit steigenden Zahlen. 

Im Herbst rechnet er in Europa wieder mit steigenden Zahlen. 

REUTERS
Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, sei es wichtig, sich impfen zu lassen, so Burton. 

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, sei es wichtig, sich impfen zu lassen, so Burton. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat das Vakzin von Moderna für Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren freigegeben. 

  • Das hat Swissmedic am Donnerstag bekanntgegeben.

  • Paul Burton, der Chief Medical Officer von Moderna, nimmt im Interview Bezug auf die Zulassung. 

  • Zudem sagt er, welche Auswirkungen der Omikron-Booster auf das Zusammenleben haben könnte. 

Herr Burton, haben sie die vierte Impfung schon erhalten?

Ja – den ersten Booster erhielt ich im Dezember, den zweiten im April. Ich rechne damit, dass es die nächste Impfung diesen Herbst brauchen wird. Das Virus entwickelt sich rasant weiter, gleichzeitig sinkt die Immunität in der Bevölkerung. Auch daher entwickeln wir derzeit einen Impfstoff, der spezifisch an Omikron angepasst ist.

In der Schweiz denkt kaum jemand noch an Covid-19, alle Einschränkungen sind gefallen. Braucht es den nächsten Booster überhaupt?

Wir alle wollen in einer Welt leben, in der das Virus endemisch wird. Leider spielt Covid-19 da nicht mit: In den USA sehen wir bereits jetzt wieder einen rasanten Anstieg von Neuansteckungen, auch in China sind die Fälle explosionsartig gestiegen. Im Frühling und Sommer ist diese Normalität sicher möglich, im Herbst müssen wir wieder vorsichtig und wachsam sein und ich denke, ein Booster wird auf jeden Fall helfen, uns im Winter
2022/2023 zu schützen.

«Im Frühling und Sommer ist diese Normalität sicher möglich, im Herbst müssen wir wieder vorsichtig und wachsam sein.»

Paul Burton

Selbst unser Bundespräsident Ignazio Cassis sagte kürzlich, das Virus sei mittlerweile harmlos. Ist dem nicht so?

Ich wünschte, es wäre so. Wir müssen auf die Wissenschaft und Medizin hören und entsprechende Vorkehrungen treffen. Weltweit sehen wir wieder eine Zunahme von Neuansteckungen. Omikron ist kein Virus, das man unterschätzen darf. Bei gewissen Gruppen können die Auswirkungen schwerwiegend sein. Daher sollte jeder von uns wachsam bleiben. Wir müssen alle selbst Verantwortung übernehmen.

In der Schweiz gibt es immer noch Menschen, die überzeugt sind, dass die Impfung gegen Covid-19 in ein paar Jahren irreversible Schäden hervorrufen könnte. Können Sie sie beruhigen?

Ja, das kann ich durchaus. Über 500 Millionen Menschen haben sich mit dem Moderna-Covid-Impfstoff geimpft – das ist einmalig in der Geschichte der Menschheit. Es gibt wahrscheinlich keine Nebenwirkung, die nicht bekannt ist, keine unbekannte Gefahr am Horizont, die lauert. Wir kennen jedes Detail und wir können sagen: Die Impfstoffe sind sehr sicher und extrem effektiv. Natürlich werden wir die Lage auch weiterhin verfolgen, aber die Angst vor irreversiblen Schäden sind unbegründet.

Gerade eben hat Swissmedic Ihren Impfstoff für Sechs- bis Elfjährige freigegeben. Brauchen diese überhaupt eine Impfung gegen Covid-19?

Ich habe zwei Kinder, 15- und 17-jährig. Beide sind geimpft und haben ihre Booster erhalten. Die Daten zeigen, dass eine Infektion mit der Omikron-Variante auch bei Kindern schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Zudem sind sie auch ein Reservoir für die Übertragung auf ältere Menschen. Um alle zu schützen, müssen sie geimpft werden.

Die Dosis bei der Moderna-Impfung für Erwachsene ist höher als jene beim Impfstoff von Biontech/Pfizer. Ist das auch bei der Kinderimpfung so?

Ja, das ist so. Bei der Moderna-Impfung für die jüngsten Kinder im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren wird eine mRNA-Dosis von rund 25 Mikrogramm verabreicht, bei Biontech/Pfizer sind es deren drei Mikrogramm. Aber wie bei Erwachsenen sehen wir bei Kindern nicht mehr oder schwerere Nebenwirkungen. Sie sind einander sehr ähnlich: Schmerzen an der Einstichstelle und etwas Fieber. Dass die Schutzwirkung gleichzeitig sehr hoch ist, zeigt uns, dass wir die Dosis richtig gewählt haben.

«In Zukunft muss wohl nicht mehr so häufig geimpft werden.»

Paul Burton

Bis wann wird der an Omikron angepasste Moderna-Impfstoff in der Schweiz verfügbar sein?

Derzeit laufen entsprechende Tests – auch beim Impfstoff für Kinder – und wir sollten spätestens im Herbst und Winter grosse Mengen davon produzieren können. Basierend auf ersten Daten sollte ein lang anhaltender Schutz erreicht werden, sodass in Zukunft nicht mehr so häufig geimpft werden muss. Das wird extrem wichtig sein, um wieder zurück in die Normalität zurückzukehren.

Werden Ihrer Einschätzung nach im Herbst erneute Corona-Einschränkungen nötig werden?

Da Omikron extrem schnell mutiert, ist es sehr wichtig, eine weitere Ausbreitung zu verhindern und einzudämmen. Wir müssen die medizinischen Daten auswerten, aber ich bin zuversichtlich, dass der Omikron-Booster zu einem sehr guten Schutz gegen diejenige Variante führen wird, die in den nächsten Monaten dominieren wird. Ich bin zuversichtlich, dass es im Herbst keine weiteren Einschränkungen geben wird.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Deine Meinung

12 Kommentare