Aktualisiert 11.03.2014 11:02

Kampf gegen DrogenDank Scheinkäufen 90 Dealer geschnappt

Die Stadtpolizei Zürich durfte 2013 nach vier Jahren Unterbruch wieder Scheinkäufe tätigen, um Drogenhändler zu überführen. Dafür musste sie weniger Wegweisungen aussprechen.

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blu
Während der vier Jahre, in denen die Zürcher Stadtpolizei keine Scheinkäufe mehr tätigen durfte, ist die Zahl der Chügelidealer gestiegen.

Während der vier Jahre, in denen die Zürcher Stadtpolizei keine Scheinkäufe mehr tätigen durfte, ist die Zahl der Chügelidealer gestiegen.

Ein Bundesgerichtsurteil verbot es der Stadtpolizei Zürich von 2008 bis 2012, Drogenhändler mit Scheinkäufen zu überführen. Stattdessen griffen die Beamten vermehrt auf das Mittel der Wegweisungen zurück: Über 5000 Mal hatte die Stadtpolizei zum Beispiel im Jahr 2012 Leute wegen Belästigung von einem bestimmten Ort vertrieben und ihnen für 24 Stunden verboten, dorthin zurückzukehren.

Auf diese hohe Zahl und einen damit verbundenen mutmasslichen Missstand machte Daniel Leupi (Grüne), damaliger Polizeivorsteher, leicht schockiert aufmerksam. Seine Bedenken waren, dass Stadtpolizisten «das rechte Augenmass etwas verloren haben könnten».

Kaum hatte Leupi gegen das neue Machtmittel der Wegweisungen interveniert, halbierte sich die Zahl gleich um die Hälfte: Im Jahr 2013 waren es nur noch 2572 Fälle. Die Polizei habe Wegweisungen «zurückhaltender» angewendet. Vor allem Dealer und Drögeler wurden fortgeschickt.

Dealer schlucken Kokain-Päckchen

Während die Zahl der Wegweisungen um die Hälfte sank, stieg die Zahl der wieder erlaubten Scheinkäufe letztes Jahr von null auf 90 – in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres kamen nochmals 30 dazu, wie die Stadtpolizei gegenüber dem «Landboten» mitteilte.

Dabei handelte es sich in neun von zehn Fällen um kleinere Strassenhändler, um sogenannte Chügelidealer, die in der Langstrassen-Gegend Kokain verkauften. Die Dealer, meist Nigerianer und andere Westafrikaner, versteckten die kleinen Päckchen mit dem weissen Pulver in ihrem Mund, was den Polizisten die Kontrollen erschwerte. Sie konnten auffällige Personen zwar kontrollieren, wurden die Päckchen jedoch verschluckt, war nichts mehr nachweisbar. Ohne Beweismittel keine Strafe. Um Drogenhändler festnehmen zu können, mussten die Polizisten einen Deal beobachten und gleich zuschlagen.

Ansonsten half nur die Wegweisung, die aber nicht immer fruchtete. Oft musste die Polizei dieselben Leute mehrmals wegweisen. Während der vier Jahre, in denen keine Scheinkäufe mehr getätigt werden durften, ist die Zahl der Chügelidealer gestiegen.

Verdeckte Ermittler unterwegs

Bei einem Scheinkauf geben sich verdeckte Ermittler der Stadtpolizei an der Langstrasse als Drogenkonsumenten aus und versuchen, mutmasslichen Drogenhändlern etwas abzukaufen. Dies tun sie auch bei Leuten, bei denen kein konkreter Verdacht vorliegt. Funktioniert das Geschäft, wird der Verkäufer auf der Stelle festgenommen.

Wer zum ersten Mal beim Handel mit Drogen erwischt wird, kassiert in der Regel eine bedingte Geldstrafe von 15 bis 30 Tagessätzen, deren Höhe von der finanziellen Lage des Täters abhängt. Wie sich die neuen Regeln auf den Kampf gegen den Drogenhandel in Zürich auswirken, sei schwer zu sagen. In zwei Wochen dürfte die Kriminalstatistik mehr Informationen dazu liefern.

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