Aktualisiert 27.10.2009 18:43

Glimpflich davon gekommenDank Sozialhilfe milder bestraft

Ein Adliker Reiseunternehmer hat diverse Touristen um hohe Geldbeträge geprellt. Heute lebt der Täter von der Sozialhilfe und kommt deshalb mit einer milden Strafe davon.

von
Attila Szenogrady

Beim Gerichtsfall um den gescheiterten Reiseunternehmer aus Adlikon-Regensdorf könnte es sich um eine kleine Anleitung eines Niccolo Machiavelli für besonders kluge Wirtschaftskriminelle handeln. Das Vorgehen des heute 42-jährigen Angeklagten war einfach, aber sehr wirkungsvoll: Der aus Brasilien stammende Ostschweizer Doppelbürger gründete vor wenigen Jahren in Zürich ein Reiseunternehmen und vermittelte diversen Südamerikanern günstige Flüge nach Übersee.

Diverse Touristen geprellt

Sicher ist, dass der Angeschuldigte bereits Ende 2007 in massive finanzielle Engpässe geraten war. Worauf er nicht davor zurückschreckte, zwecks Tilgung seiner hohen Schulden diverse Kunden hinters Licht zu führen. Es handelte sich dabei vorwiegend um gutgläubige Touristen, die beim Zürcher Unterländer Angeklagten Flugtickets nach Brasilien gekauft hatten. Viele von ihnen erlebten danach den Alptraum eines jeden Flugtouristen. So erfuhren sie jeweils am Flughafen Kloten erst kurz vor dem Einchecken, dass sie ihre Billette wertlos waren und nichts reserviert war. Der Angeklagte hatte jeweils die Gelder in die eigenen Taschen gesteckt.

370 000 Franken Schaden angerichtet

Als die Firma des Angeklagten Ende 2008 den Konkurs seiner Reisefirma vermelden musste, war es für die zahlreichen Geschädigten zu spät. Sie hatten insgesamt ein Vermögen von rund 370 000 Franken verloren. Allerdings reichten nur acht Opfer eine Strafanzeige ein. Wobei sich damit der strafrechtlich relevante Deliktsbetrag auf noch rund 40 000 Franken reduzierte. Alleine die Hälfte davon verlor eine junge Kauffrau aus Brasilien. Sie hatte dem Unternehmer rund 20 000 Franken anvertraut. Auf Nimmerwiedersehen.

Hohe Geldstrafe gefordert

Im letzten Februar erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl Anklage wegen mehrfacher Veruntreuung. Mit 150 Tagessätzen zu 60 Franken sowie 1000 Franken Busse verlangte die Anklagebehörde eine verhältnismässig hohe Geldstrafe. Zudem forderten alle Geschädigten einen Schadenersatz. Ein Opfer, das einen Flug nach Brasilien verpasst hatte, beanspruchte gar ein zusätzliches Schmerzensgeld von 900 Franken. Rechtlich gesehen ein Novum.

Im letzten Frühling foutierte sich der Angeklagte um den Strafprozess und blieb der Verhandlung unentschuldigt fern.

Rettende Sozialhilfe

In dem am Dienstag eröffneten Urteil ist der Angeklagte aus Adlikon glimpflich davon gekommen. Dabei kam ihm ausgerechnet der Umstand zugute, dass der Familienvater heute von der Sozialhilfe lebt und monatlich Fürsorgegelder von 4 300 Franken pro Monat erhält. Mit der Folge, dass das Gericht wegen des neuen Recht die Geldstrafe massiv senken musste. Auf noch 180 Tagessätze zu 30 Franken auf Bewährung. Statt 9 000 Franken schlugen jetzt nur noch 5 400 Franken zu Buche. Was verblieb, ist die Busse von 1000 Franken.

Allerdings lehnte das Gericht die Ausrichtung eines Schmerzensgeldes ab. So seien die persönlichen Verhältnisse des Geschädigten nicht derart schwer verletzt worden, steht im Urteil. Anders hätte es womöglich bei einer verpassten Beerdigung oder Hochzeit ausgesehen, schrieb der zuständige Richter.

Der Angeklagte wurde verpflichtet, den Klägern Schadenersatz zu leisten. Ob diese aber jemals ihr verlorenes Geld sehen werden, ist mehr als fraglich.

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