Mehr Grün für alle: Dank Superampel müssen alle weniger lang warten
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Mehr Grün für alleDank Superampel müssen alle weniger lang warten

Das dürfte alle Verkehrsteilnehmer freuen: In Luzern wurde eine neue Ampelsteuerung getestet. Fazit: Alle kommen schneller durch den Verkehr.

von
Gianni Walther
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Die Stadt Luzern hat in einem Pilotversuch ein neues Ampelsteuerungssystem getestet.

Die Stadt Luzern hat in einem Pilotversuch ein neues Ampelsteuerungssystem getestet.

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Mit der sogenannten Selbststeuerung sollten Busse und Notfallfahrzeuge priorisiert werden, ohne dass es für Fussgänger zu längeren Wartezeiten kommt.

Mit der sogenannten Selbststeuerung sollten Busse und Notfallfahrzeuge priorisiert werden, ohne dass es für Fussgänger zu längeren Wartezeiten kommt.

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Fazit: Für alle Verkehrsteilnehmer kam es zu kürzeren Wartezeiten.

Fazit: Für alle Verkehrsteilnehmer kam es zu kürzeren Wartezeiten.

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Darum gehts

  • Im schweizweit ersten Pilotversuch hat die Stadt Luzern ein Ampelsteuerungssystem getestet, das flexibler auf das Verkehrsaufkommen reagiert als gewöhnliche Systeme.

  • Ziel war es, die Busse zu priorisieren. Gleichzeitig sollten die Wartezeiten für andere Verkehrsteilnehmer möglichst kurz bleiben.

  • Das Fazit: Der Verkehrsfluss konnte verbessert werden. Alle Verkehrsteilnehmer müssen weniger lang warten.

  • Das Interesse in anderen Städten und im Ausland am neuen System ist gross.

Warten an der Ampel – das kennen alle Verkehrsteilnehmer. Gerade wenn man es eilig hat, kann das frustrierend sein. Die Stadt Luzern hat nun in einem Pilotversuch an der Tribschenstrasse an zwei Verkehrsknoten eine schweizweit neue Ampelsteuerung getestet: «Das System kann noch flexibler reagieren als Ampeln mit einem definierten Phasenablauf», sagt Projektleiter Thomas Karrer von der Stadt Luzern. Denn: Gewöhnliche Ampeln können zwar Grünzeiten verlängern oder tauschen und Busse oder Notfallfahrzeuge priorisieren, bei einem dichten Fahrplan könne die Priorisierung der Busse jedoch lange Wartezeiten für Fussgänger verursachen.

Im Algorithmus des neuen Systems sind laut Karrer aber nur wenige Faktoren zur Steuerung des Verkehrs fix definiert: «Je weniger man definiert, umso flexibler ist der Algorithmus beim Abbau des anfallenden Verkehrs», sagt Karrer. «Das System erfasst Fahrzeuge bereits bevor sie an der Ampel angekommen sind.» So könne die sogenannte Selbststeuerung flexibel reagieren und wartenden Verkehrsteilnehmern grünes Licht geben, bevor andere Fahrzeuge an der Ampel angekommen sind. Bei gewöhnlichen Ampeln müssten diese bis zur nächsten definierten Grünphase warten.

Mehr Verkehrssicherheit dank Superampel

Mit Erfolg: Am Knoten Tribschen-/Kellerstrasse wurde beispielsweise die durchschnittliche Wartezeit für Fussgänger um 29 Prozent von 31 Sekunden auf 22 Sekunden reduziert. Längere Wartezeiten als eine Minute konnte man um 86 Prozent reduzieren. Wartezeiten von mehr 90 Sekunden wurden sogar um 96 Prozent reduziert.

Auch die durchschnittliche Wartezeit für den ÖV konnte man an diesem Knoten minim reduzieren, nämlich von vier auf drei Sekunden. Für den motorisierten Individualverkehr (MIV) sank die Wartezeit um 18 Prozent von 35 auf 29 Sekunden. Zudem wurden dort sogenannte harte Grünabbrüche – davon spricht man, wenn ein Auto auf eine grüne Ampel zufährt und von der Rotphase überrascht wird – um 29 Prozent reduziert.

«An allen Wochentagen konnten für alle Verkehrsteilnehmende kürzere Wartezeiten ohne Einbussen für den ÖV erreicht werden», sagt Karrer. Dies habe während der Haupt- und auch der Nebenverkehrszeiten geklappt. Dank der Steuerung werde auch die Verkehrssicherheit erhöht. Denn: Die Akzeptanz, bei Rot zu warten und nicht einfach über die Strasse zu laufen, sei besonders bei Fussgängern erhöht worden.

Interesse bei anderen Kantonen und im Ausland gross

«Wir prüfen nun weitere mögliche Standort für das System», sagt Karrer. Als Beispiele etwa die Gebiete Schlossberg oder Paulusplatz. Im Stadtzentrum komme die Superampel aber nicht zum Einsatz: «Dort sind die Ampelphasen der verschiedenen Knoten aufeinander abgestimmt.»

Neben den beiden Verkehrsknoten in Luzern sind bisher in Dresden zwei Verkehrsknoten mit einer Selbststeuerung installiert. Dementsprechend gross ist laut Karrer das Interesse. So hätten etwa andere Kantone und Städte oder Vertreter deutscher Städte das System begutachtet. Auch das Bundesamt für Strassen (Astra) sei am System interessiert.

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