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Sonne purDanke, September

Der diesjährige September spielte verrückt: Es gab Schnee bis auf 800 Meter, Hitzetage, Sonne satt und sogar Rekord-Niederschlagswerte. Nun droht uns das Wetter-Glück zu verlassen.

von
amc

Was haben wir diese Tage genossen. Spazieren, wandern oder einfach nochmals im Strassenkaffe sitzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Der September hat es wahrlich gut gemeint mit der Schweiz. Er begann mit einem Hoch und liess am 3. September das Quecksilber auf über 30 Grad steigen. In Allschwil gab es 32,4 Grad und in Chur 32,3 Grad. Eine Woche später zeigte das Thermometer in Sitten 32,3 Grad und in Binningen bei Basel 31,9 Grad. An einigen Orten kam es zu absoluten Septemberrekorden. So verzeichnete die Station Lugano nach Angaben von Meteo Schweiz den wärmsten September seit Beginn der Messungen 1864.

Der ausgedehnte Sommer bringt dem September 2011 einen Platz in der Geschichte: Er wird als deutlich zu warmer und leicht zu sonniger Monat in die Annalen eingehen, schreibt MeteoNews. Die Meteorologen verzeichneten einen «Temperaturüberschuss» im Flachland von rund zwei bis drei Grad, im Wallis und Tessin sogar etwas mehr. Doch was die Fachmänner einen Überschuss nennen, war für die Schweiz ein Segen: Die Kleider blieben kurz, das Gemüt sonnig und die Leute glücklich.

Dass der verlängerte Sommer keine Selbstverständlichkeit ist, liess uns der September 2011 aber auch wissen. Er wäre nicht der Monat der Extreme gewesen, wenn er uns nicht auch die andere Seite gezeigt hätte: den Winter. Förmlich über Nacht sank am 18. September die Schneefallgrenze von 3200 auf 1500 Meter. Am Tag darauf schneite es in Mittelbünden sogar bis auf 800 Meter. St. Moritz erwachte weiss wie im Winter und verzeichnete «offiziell 45 Zentimeter Neuschnee». Arosa bedeckten 39 Zentimeter – die zweitgrösste Schneehöhe im September seit Messbeginn. Wo es nicht schneite, goss es wie aus den berühmten Kübeln. Bilanz: Im Engadin fielen 150 Prozent mehr Niederschlag als normal im September. In Sta. Maria (Val Mustair) sogar 258 Prozent mehr.

Doppelt so viele Sommertage wie gewöhnlich

Nach dem Winterintemezzo setzte sich aber glücklicherweise der Altweibersommer durch. Das Ergebnis lässt sich aushalten: Die Schweiz genoss Sommertage satt. Magadino erlebte 20 Sommertage mit mehr als 25 Grad, normal wären fünf. Sitten kam bisher auf 15 Sommertage statt der üblichen vier. Selbst nördlich der Alpen gab es doppelt so viele Sommertage wie in andern Jahren.

Das sonnige und milde Wetter bleibt uns noch einige Tage erhalten. Wie MeteoNews prophezeit, können wir bis Dienstag sicher noch die Sonne geniessen – sofern sie sich gegen die Nebelfelder durchsetzt. Ob und wo der morgendliche Nebel verschwindet, lässt sich dabei gemäss den Meteorologen nicht vorhersagen. Die Lösung im Kampf gegen den Nebel ist allerdings so einfach wie schön: ab in die Berge. «Es herrscht perfektes Wanderwetter mit reichlich Sonne und ausgezeichneter Fernsicht», verspricht Sarina Scheidegger von MeteoNews. Das erste Oktober-Wochenende wird ein nettes Abschiedsgeschenk des schönen September-Wetters.

Der Oktober wird es wohl nicht ganz so gut mit der Schweiz meinen: Am Mittwoch rechnen die Meteorologen mit einem Wetterumschwung. Die Computermodelle der Meteorologen sind sich zwar nicht einig. Es scheint aber so, dass wir mit Niederschlag rechnen müssen – womöglich auch Schnee bis in mittlere Höhenlagen. Die Tage des Altweibersommers scheinen ab Mittwoch Geschichte zu sein.

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