Sonderzug zu G20-Gipfel: «Dann haben wir wenigstens in Bern Ruhe»
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Sonderzug zu G20-Gipfel«Dann haben wir wenigstens in Bern Ruhe»

Die Reitschule ruft Linksautonome dazu auf, an den G20-Protesten in Hamburg teilzunehmen. SVP-Nationalrat Erich Hess spricht von einem «Skandal».

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jen
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In Hamburg treffen sich am 7. und 8. Juli beim G20-Gipfel die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Linke Organisationen rufen zu Gegenproteste auf. Darunter auch die Berner Reitschule.

In Hamburg treffen sich am 7. und 8. Juli beim G20-Gipfel die zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Linke Organisationen rufen zu Gegenproteste auf. Darunter auch die Berner Reitschule.

Keystone/Lukas Lehmann
SVP-Nationalrat und Reitschulgegner Erich Hess findet den Aufruf der Reitschule «eine Sauerei». Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: «Dass die Reitschule, die ein Kulturlokal sein soll und von öffentlicher Hand mitfinanziert wird, zu einer solch politischen Aktionen aufruft, ist ein Skandal.»

SVP-Nationalrat und Reitschulgegner Erich Hess findet den Aufruf der Reitschule «eine Sauerei». Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: «Dass die Reitschule, die ein Kulturlokal sein soll und von öffentlicher Hand mitfinanziert wird, zu einer solch politischen Aktionen aufruft, ist ein Skandal.»

Keystone/Peter Schneider
Bereits am 1. Mai protestierten Linksautonome in Hamburg gegen den G20-Gipfel.

Bereits am 1. Mai protestierten Linksautonome in Hamburg gegen den G20-Gipfel.

Keystone/Markus Scholz/DPA

In Hamburg treffen sich am 7. und 8. Juli beim G20-Gipfel die Spitzenpolitiker der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Linke Organisationen rufen zu Gegenproteste auf. Die Sicherheitsbehörden sind besorgt: In Hamburg werde sich «ein Grossteil der gewaltbereiten linksextremistischen Klientel aus der Bundesrepublik» zusammenfinden –«unterstützt durch Linksextremisten aus dem benachbarten Ausland», so die Hamburger Polizei.

Auch die Berner Reitschule mobilisiert derzeit Leute aus der Schweiz für die Protestkundgebungen in Hamburg, bei denen mehrere zehntausend Personen erwartet werden – und bleibt während des G20-Gipfels geschlossen. «Die Reitschule versteht sich als Teil einer breiten Bewegung, welche die herrschenden Verhältnisse grundlegend in Frage stellt und sich nach Alternativen sehnt», schrieb die Mediengruppe in einer Mitteilung.

«Eine Sauerei»

Ein Sonderzug soll die Protestteilnehmer aus der Schweiz am 5. Juli vom Badischen Bahnhof in Basel nach Hamburg bringen. Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat Kenntnis davon, hält sich aber bezüglich ihrem Vorgehen bedeckt: «Wir beobachten die Situation», sagt ein Sprecher auf Anfrage.

SVP-Nationalrat Erich Hess findet den Aufruf der Reitschule «eine Sauerei». «Dass die Reitschule, die ein Kulturlokal sein soll und von öffentlicher Hand mitfinanziert wird, zu einer solch politischen Aktionen aufruft, ist ein Skandal.»

«Dann haben wir dieses Wochenende wenigstens in Bern Ruhe»

Er sei überzeugt, dass die «Randalebrüder, die in Bern bestens bekannt sind, auch in Hamburg ein hohes Gewaltpotenzial zeigen werden». Etwas Positives gewinnt Hess der Aktion aber ab: «Dann haben wir dieses Wochenende wenigstens in Bern Ruhe.»

Ein Parteikollege von Hess, Stadtrat Henri Beuchat, hat zum Thema einen Vorstoss eingereicht, der derzeit noch beim Gemeinderat hängig ist. Beuchat will wissen, ob eine öffentlich geförderte Institution ihre Angestellten «einfach im Ausland (bei Extremisten) an einer höchst fragwürdigen Demonstration teilnehmen lassen darf». Zudem fragt der SVP-Parlamentarier, wer den Sonderzug nach Hamburg finanziert und ob ausgeschlossen werden könne, dass dafür Subventionsgelder verwendet werden und ob eine öffentliche Institution mit Leistungsauftrag nach Belieben schliessen darf.

«Es könnten 30 bis 40, aber auch 500 mobilisiert werden»

Linksextremismusexperte Adrian Oertli kann sich durchaus vorstellen, dass Demonstranten aus der Schweiz nach Hamburg reisen, die ein hohes Gewaltpotenzial haben: «Es wird sicher Leute haben, die dort hingehen, um eine Eskalation herbeizuführen.» Laut Oertli wird das aber nur eine Minderheit sein: «Die meisten wollen gewaltfrei ihre politische Sichtweise kundtun, weil sie begreifen, dass sie so viel effektiver Widerstand leisten können.»

Wie viele Demonstranten aus der Schweiz nach Hamburg reisen, ist laut dem Experten schwierig einzuschätzen: «Es könnten 30 bis 40 sein, aber vielleicht werden auch 500 mobilisiert.»

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