Abfindungs-Hammer: «... dann kann sich Minder bei Vasella bedanken»
Aktualisiert

Abfindungs-Hammer«... dann kann sich Minder bei Vasella bedanken»

Es ist eine ganz schwarze Woche für die Gegner von Thomas Minder. Zuerst die Kontroverse um den Economiesuisse-Spot, dann Daniel Vasellas Monster-Abfindung. Politologe Georg Lutz zu den Folgen.

von
J.Büchi
Verhilft Daniel Vasella (rechts) Thomas Minder (links) zu einem Erfolg an der Urne?

Verhilft Daniel Vasella (rechts) Thomas Minder (links) zu einem Erfolg an der Urne?

Der scheidende Novartis-Präsident Daniel Vasella hat bestätigt, dass er nach seinem Abgang eine Abfindung von 72 Millionen Franken bekommt. Was bedeutet diese Mega-Zahlung für die Abstimmung über die Abzocker-Initiative vom 3. März?

Georg Lutz: Diese Nachricht schlägt natürlich ein wie eine Bombe! Ich kann mir gut vorstellen, dass sie für manch einen Unentschlossenen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. 72 Millionen sind eine exorbitante Summe – wofür man so viel Geld bekommen soll, kann sich wohl niemand vorstellen. Der eine oder andere Stimmbürger dürfte in der Folge zum Schluss gekommen sein, dass man diesem Treiben einen Riegel schieben muss.

Man kann also davon ausgehen, dass Thomas Minder nun nochmals Aufwind bekommt durch diese Sache? Steht der Gewinner der Abstimmung am Ende schon fest?

Die Frage ist natürlich, wie gross das Ausmass des Effekts ist. Das ist äusserst schwierig zu beurteilen. Aber falls die Abzocker-Initiative am 3. März mit einem knappen Resultat angenommen wird, kann sich Nationalrat Minder sicher bei Daniel Vasella bedanken. Ich würde sagen: Wenn ein Ereignis während des Wahlkampfs Unentschlossene zu einer Entscheidung brachte oder Stimmbürger mobilisierte, die sonst nicht abgestimmt hätten, dann dieses.

Da war ja auch noch die Kontroverse um den Spot von Regisseur Michael Steiner, der von Economiesuisse als Teil der Gegenkampagne in Auftrag gegeben wurde, dann aber doch nicht ausgestrahlt wurde, weil er als zu provokant eingestuft wurde. Noch ein Trumpf für Thomas Minder?

Da sprechen wir von ganz anderen Dimensionen. Vermutlich ist dieses Hickhack bei einigen Leuten auch schlecht angekommen, es hat natürlich aber nie eine solche Breitenwirkung wie die Nachricht von Vasellas goldenem Fallschirm.

Unia Abzocker

Jetzt sind es noch gut zwei Wochen bis zur Abstimmung – wie viel dürfte sich bis dahin an den Meinungen der Stimmberechtigten noch ändern?

Vermutlich nicht mehr viel. Bei einer Initiative ist es erfahrungsgemäss so, dass die Meinungsumfragen bei einem hohen Ja-Anteil starten und dieser dann sukzessive schrumpft. Das dürfte auch bei der Abzocker-Initiative so sein. Allerdings könnten die jüngsten Ereignisse dieses Schwinden der Befürworterseite verlangsamen. Die Frage ist nun, wo der Ja-Anteil stehen bleibt.

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