Strafenflut am Spengler-Cup: «... dann können wir Unihockey spielen»
Aktualisiert

Strafenflut am Spengler-Cup«... dann können wir Unihockey spielen»

Die Rückkehr zur Nulltoleranz hat Folgen: Am Spengler-Cup hagelt es Strafen. HCD-Stürmer Samuel Walser findet, die Schiedsrichter seien zu streng.

von
Kai Müller
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Vorsicht mit dem Stock: Die Rückkehr zur Nulltoleranz zieht am Spengler-Cup zahlreiche Strafen wegen Stockschlags oder Hakens nach sich.

Vorsicht mit dem Stock: Die Rückkehr zur Nulltoleranz zieht am Spengler-Cup zahlreiche Strafen wegen Stockschlags oder Hakens nach sich.

Gian Ehrenzeller
77 Zwei-Minuten-Strafen wurden in den sechs Gruppenspielen verhängt.

77 Zwei-Minuten-Strafen wurden in den sechs Gruppenspielen verhängt.

Melanie Duchene
HCD-Stürmer Marc Wieser (r.) findet, die Schiedsrichter würden sich momentan zu sehr auf harmlose Vergehen konzentrieren.

HCD-Stürmer Marc Wieser (r.) findet, die Schiedsrichter würden sich momentan zu sehr auf harmlose Vergehen konzentrieren.

Gian Ehrenzeller

Manch ein Eishockey-Geniesser mag sich in diesen Tagen in Davos verwundert die Augen reiben: Da wandert Spieler um Spieler für Bagatellen auf die Strafbank, die auf hiesigen Eisfeldern jahrelang ungeahndet geblieben waren. Das Zauberwort heisst Nulltoleranz.

Schon 2005 hatte der Weltverband die Schiedsrichter dazu angehalten, Vergehen wie Stockschlag, Haken, Halten und Behinderung rigoros zu pfeifen, in der Schweiz rückte die Verschärfung der Regeln indes bald in den Hintergrund, ehe sie nun wieder zum Thema geworden ist.

Nationaltrainer Patrick Fischer und die Nationalliga-Sportchefs haben sich dafür eingesetzt, dass die Referees nach der Dezember-Länderspielpause eine strengere Linie verfolgen. Dies, weil sowohl die NLA-Clubs als auch die Landesauswahl auf internationaler Bühne – besonders an der WM im vergangenen Mai – zu oft dafür büssten, dass sie Gegner mit dem Stock bearbeiteten.

77 Strafen in sechs Spielen

Die Rückkehr zur Nulltoleranz führte in den vorweihnachtlichen Meisterschaftsrunden zu einer Strafenflut, am Spengler-Cup präsentiert sich dasselbe Bild. 77 kleine Strafen wurden in den sechs Gruppenspielen verhängt, 42 davon wegen Hakens oder Stockschlags. «Wenn ich ehrlich bin, ist es ein bisschen ein Seich, dies mitten in der Saison durchzusetzen», sagt HCD-Center Samuel Walser. «Man hätte genug Zeit gehabt, die Änderungen zum Meisterschaftsstart vorzunehmen.»

Auffallend ist, dass die Schiedsrichter im Bestreben, die Vorgaben gewissenhaft zu erfüllen, gelegentlich übers Ziel hinausschiessen. «So kleinlich wie nun bei uns wird an einer WM nie gepfiffen», sagt Walser, der deshalb etwas verunsichert ist. «Ich weiss nicht mehr genau, was ich darf und was nicht.» Der 24-Jährige findet es zwar richtig, dass etwa Schläge auf die Hände konsequent bestraft werden, «aber wenn man mit einer Hand am Stock den Gegner ein bisschen erwischt und dafür zwei Minuten kassiert, dann können wir anfangen, Unihockey zu spielen».

Wiesers Warnung

Teamkollege Marc Wieser erachtet die Annäherung an internationale Standards grundsätzlich als sinnvoll, gibt aber zu bedenken: «Wir müssen aufpassen, dass die wirklich krassen Vergehen wie Checks gegen den Kopf nicht übersehen werden. Ich habe das Gefühl, dass die Schiris momentan nur auf Halten und Stockschläge schauen.»

Walser und Wieser sind sich jedoch im Klaren darüber, dass die Umstellung auch für die Unparteiischen gross ist. «Es braucht halt Zeit, bis sie ihre Linie finden», sagt Walser, während Wieser glaubt, dass der Lernprozess bei den Spielern schnell einsetzen wird. «Wahrscheinlich muss einfach jeder zuerst zwei, drei solche Strafen erhalten.»

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