Aktualisiert 11.03.2020 08:43

Penisverlängerung

«Dann sieht der Penis aus wie ein Kaktus»

Erektionsprobleme, Fettembolie oder Entstellungen: Chirurgen und Urologen warnen vor Penisvergrösserungen.

von
Jacqueline Straub
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«Ich wollte das Maximale rausholen. Der Penis ist halt ein Männlichkeitssymbol», sagt J. B. Deswegen liess er seinen Penis bei Dr. Deniel Kish operativ verlängern und verdicken.

«Ich wollte das Maximale rausholen. Der Penis ist halt ein Männlichkeitssymbol», sagt J. B. Deswegen liess er seinen Penis bei Dr. Deniel Kish operativ verlängern und verdicken.

20Min
Urologe Michael Kurz rät von Penisoperationen ab, da die Gefahr bestehe, die funktionierende Sexualität aufs Spiel zu setzen.

Urologe Michael Kurz rät von Penisoperationen ab, da die Gefahr bestehe, die funktionierende Sexualität aufs Spiel zu setzen.

Michael Kurz
«Die Pornoindustrie schafft falsche Vorstellungen von einem normalen Körper. Deshalb wird eine Penisvergrösserung auch nicht glücklicher machen.» Statt einer Operation sei mehr Aufklärung nötig, sagt der Urologe Michael Kurz. (Symbolbild)

«Die Pornoindustrie schafft falsche Vorstellungen von einem normalen Körper. Deshalb wird eine Penisvergrösserung auch nicht glücklicher machen.» Statt einer Operation sei mehr Aufklärung nötig, sagt der Urologe Michael Kurz. (Symbolbild)

Biserka Stojanovic

J. B. hat sich vor einigen Wochen in Zürich den Penis für rund 12'000 Franken um sechs Zentimeter verlängern lassen. «Ich fühle mich nun männlicher und selbstbewusster», sagte er zu 20 Minuten. Sein Arzt, der Schönheitschirurg Deniel Kish, verrät nicht, wie viele Operationen er jährlich durchführt. Er spricht aber von einem jährlichen Anstieg von 30 Prozent.

Der plastische Chirurg Yves Brühlmann aus Bern rät Männern von solchen Operationen ab. Bei der Penisvergrösserung durch die Fettunterspritzung könne es zu einer Fettembolie kommen, wenn Fetttröpfchen durch die Blutgefässe in die Lunge wandern. Ausserdem könne es zu Erektionsproblemen kommen. «Bei der Verlängerungsoperation rutscht durch das Durchtrennen der Halterbänder der Penis nach unten, was zu einer optischen Verlängerung führt. Dadurch kann die Stabilität beeinträchtigt werden», warnt Brühlmann. Zudem würden solche operativen Eingriffe der Fettunterspritzung auf Dauer oft nicht funktionieren. «Der Patient ist ein paar Wochen nach der OP eventuell zufrieden. Aber sobald sich das Fett abgebaut hat, kann es sein, dass der Penis wie ein Kaktus aussieht», erklärt der Chirurg. Es gäbe groteske Resultate.

«Eine Penisvergrösserung macht nicht glücklicher»

Urologe Michael Kurz aus Zürich erkennt, dass immer mehr junge Männer eine Unzufriedenheit spüren und gern einen grösseren Penis hätten, obwohl die überwiegende Mehrheit der Männer absolut in der Norm liegt. Von Operationen, für die es keine medizinischen Gründe gibt, rät er seinen Patienten ab: «Die Pornoindustrie schafft falsche Vorstellungen von einem normalen Körper. Deshalb wird eine Penisvergrösserung auch nicht in jedem Fall glücklicher machen.» Es bestehe sogar die Gefahr, eine funktionierende Sexualität aufs Spiel zu setzen. Statt einer Operation sei mehr Aufklärung nötig, sagt Kurz. Er sehe aber auch Männer mit einem Mikropenis, die extrem leiden. «Sie sind dadurch Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen ausgesetzt. Ihnen kann durchaus mit einer operativen Verlängerung geholfen werden.»

«Es werden nicht alle Probleme weggespritzt»

Hinter dem Schritt, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen, lägen meist andere Problem, sagt die Sexual- und Paarberaterin Andrea Burri. «Unter Umständen steckt dahinter eine Selbstwertkrise, die mit dem Alterungsprozess oder der damit verbundenen körperlichen und statusverändernden Situation zusammenhängen können», erklärt die Sexualwissenschaftlerin. «Man muss sich bewusst sein, man spritzt sich nicht alle anderen Probleme weg. Es ist lediglich ein ästhetischer Selbstwertboost», sagt Burri. So mache eine Penisoperation noch keinen besseren Liebhaber aus dem Mann. «Wer etwa zuvor schon Erektionsprobleme hatte, wird sie dadurch nicht verlieren», so Burri. Sie merkt an, dass Männer mit einem aussergewöhnlich grossen Penis sogar ein grösseres Risiko haben, Erektionsprobleme zu bekommen. «In Pornofilmen werden deswegen potenzfördernde Mittel in den Penis gespritzt», so Burri. Die Sexualberaterin appelliert, dass schon im Schulalter die körperliche Akzeptanz und das Selbstbild gefördert werden und empfiehlt jedem Mann, der einen normalen Penis hat, «die Finger von solchen chirurgischen Eingriff zulassen».

Nur wenige Penisoperationen

Laut einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen unterziehen sich 300 bis 400 Männer pro Jahr einer Penisoperation. Einzig die G-Punkt-Aufspritzung werde noch weniger gemacht als Penisoperationen. In der Schweiz gibt es noch keine verlässlichen Zahlen, so die Schweizerische Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.

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