Sexueller Missbrauch: «Dann tue ich es halt, damit das Gerede aufhört»

Aktualisiert

Sexueller Missbrauch«Dann tue ich es halt, damit das Gerede aufhört»

Das Bezirksgericht Frauenfeld hat einen 42-Jährigen wegen sexueller Handlung an seiner Tochter zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Rechtfertigung ist fragwürdig.

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taw
Das Bezirksgericht in Frauenfeld TG.

Das Bezirksgericht in Frauenfeld TG.

Nachdem sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung aufs Strafmass geeinigt hatten, fand die Verhandlung am Montag am Bezirksgericht Frauenfeld im abgekürzten Verfahren statt. Der Angeklagte war geständig.

Das Urteil: 24 Monate bedingt - abzüglich der Untersuchungshaft von 20 Tagen. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Zudem muss der 42-Jährige seiner heute 12-jährigen Tochter Genugtuung von 6000 Franken sowie Untersuchungs-, Verfahrens- und Anwaltskosten in der Höhe von 19'263 Franken bezahlen.

Strafmass an unterer Grenze

Der Richter machte, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, deutlich, dass das Strafmass «absolut an der unteren Grenze» sei.

Bei einem ordentlichen Strafverfahren wäre das Urteil laut dem Richter wahrscheinlich höher ausgefallen.

Für den Beschuldigten sprach, dass der Fall drei Jahre lang bei der Staatsanwaltschaft liegen blieb. «Die Staatsanwaltschaft hat gewisse Ressourcen zur Verfügung, diese müssen eingesetzt werden, um alle Fälle zu bearbeiten», so Jonas Bruderer, Thurgauer Staatsanwalt, gegenüber TVO. Dieser Umstand habe es nicht zugelassen, das Verfahren schneller zu bearbeiten.

In dieser Zeit hat der Angeklagte eine Therapie abgeschlossen. Laut Gericht war die Therapie zwar «eher kurz», doch gemäss dem Beschuldigten, habe es für ihn «gestimmt».

Nahaufnahmen, Küsse, Berührungen

Die Taten, die dem Beschuldigten zur Last gelegt werden, sind happig. Im Dezember 2009 soll er Bilder auf seinen Computer kopiert haben, bei denen vorpubertäre Mädchen in eindeutigen Stellungen beziehungsweise entblösst zu sehen waren. Ein halbes Jahr später verging er sich auch an seiner Tochter. Er fotografierte das nackte Mädchen mit dem Mobiltelefon und berührte es unsittlich, wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt.

«Mir ist das Gerede auf den Sack gegangen!»

Der Beschuldigte war in jedem Punkt geständig. Seine Begründung für die Handlungen ist allerdings fragwürdig. Zuvor sei er immer wieder des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden, obwohl er nie etwas getan habe. Da habe er sich dann halt gedacht, okay, dann tue ich es halt, «damit das Gerede aufhört».

Diese Logik war für den Richter wenig verständlich: «Das klingt für mich so, wie wenn jemand eines Mordes beschuldigt wird und dann absichtlich einen Mord begeht, nur damit das Gerede aufhört.»

Der Angeklagte wehrte sich: «Mir ist das Gerede auf den Sack gegangen!» Auf die Frage des Richters, ob er seine Aussage im Lichte seiner Taten nicht als «widersinnig» empfinde, erklärte der Mann nur, dass er es gewohnt sei, dass bei den Untersuchungsbehörden nicht ankomme, was man zu sagen habe.

Jack Würgler, Verteidiger des Anklagten, hält die Aussagen seines Mandaten für vertretbar. Wie er gegenüber TVO sagte, müsse sich der Angeklagte in der Gesellschaft bewähren, das habe er mit der Therapie angegangen. Es bestehen laut Würgler deshalb berechtigte Hoffnungen, dass der 42-Jährige geheilt ist.

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