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Muttermord«Dann wird sie endlich krepieren»

Eine 14-jährige Wienerin hat im Streit um die Internetnutzung ihre Mutter erstochen. Die Tat hatte das Mädchen in seinem Internet-Tagebuch schon lange angekündigt.

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Angelika D. gestand, ihre Mutter erstochen zu haben. (Bildausriss: heute.at)

Angelika D. gestand, ihre Mutter erstochen zu haben. (Bildausriss: heute.at)

Die 14-jährige Angelika D. gestand am Mittwoch, ihre Mutter erstochen zu haben. Die Minderjährige hatte während eines Streits ein Messer gezückt und mehrmals auf die 37-Jährige eingestochen. Als sie spätabends von der Polizei im Wienerwald aufgegriffen wurde, wirkte sie «völlig verstört». Sie sei «nur mit Jeans und einem Leibchen bekleidet umhergeirrt», erklärte Oberstleutnant Gerhard Winkler der Zeitung «heute». «Sie hat viel geweint – und war sehr froh, dass wir sie gefunden haben.» Die Tat habe sie bei der Einvernahme sofort gestanden, sagte aber aus, sie habe ihre Mutter nicht töten wollen.

Einträge aus dem Internet-Tagebuch der Tochter einer tschechischen Zuwandererfamilie zeichnen ein anderes Bild. Wie das Nachrichtenportal «oe24.at» berichtet, soll Angelika D. täglich bis zu 15 Einträge in ihren Blog geschrieben haben. Darin erzählte sie regelmässig von ihrer Wut und Verzweiflung.

«Dann wird sie endlich krepieren»

Am 10. November vergangenen Jahres habe D. klar den Mord an ihrer Mutter angekündigt: «Heute hab ich zu Hause wieder mit meiner Mutter gestritten. Sie wollte, dass ich meine Wäsche wasche, aber ich hatte keine Lust dazu. Ich wollte lieber im Internet surfen. (…) Später war sie schon so sauer, dass sie mir eine geschmiert hat und sie schrie mich wieder an... Dann habe auch ich angefangen, sie anzuschreien. Als ich sie angeschrien habe, riss sie mir mein Notebook aus den Händen, es fiel auf den Boden, sie machte es beinahe kaputt. Da wurde ich aggressiv und prügelte auf sie ein... lieber würde ich sie umbringen, wir haben uns dann ‚total' gehauen, ich habe sogar auf sie gespuckt.»

In mangelhaftem Tschechisch schrieb sich Angelika D. ihre Sorgen und Ängste von der Seele: «Echt schade, dass ich kein Messer genommen habe, um ihren Hals aufzuschlitzen. (…) Ich verstehe es einfach nicht, ich ignoriere meine Mutter und sie lässt mich nicht in Ruhe. Sie soll mich in Ruhe lassen, oder? Ehrlich, ich verspreche, dass wenn das nochmals passiert, dann nehme ich das Messer und schneide ihren Hals durch, dann wird sie endlich krepieren und ich werde total mega happy sein ...»

Dass die Beziehung Mutter-Tochter schwierig war, bezeugen auch Nachbarn im Haus. Immer wieder soll sich die Schülerin mit ihrer Mutter gestritten und sogar geprügelt haben. Auslöser war meistens, dass Angelika den ganzen Tag im Internet surfte. Polizeisprecher Roman Hahslinger bestätigte ebenfalls, dass es innerhalb der Familie und vor allem zwischen Mutter und Tochter oft Streit gegeben habe, der zum Teil auch handgreiflich verlaufen sei.

Stich in die Brust

Am Dienstagnachmittag eskalierte der Streit erneut in der Wohnung im Wiener Bezirk Margareten. Dabei seien die Auseinandersetzungen aus einem «sehr nebulösen, alltäglichen Grund» wieder aufgeflammt, erklärte der Polizeisprecher. Die Mutter soll dem Mädchen das Surfen im Internet verboten haben. Als sie während der Diskussion ins Bad ging, um sich abzukühlen, rannte ihre Tochter nach eigener Aussage «planlos» in die Küche, schnappte sich ein Messer und stürmte ins Bad.

Angelika D. rammte die Waffe sieben Mal in den Rücken der Mutter. Als sich diese umdrehte, stach die Tochter ein weiteres Mal zu – diesmal in die Brust. «Aber töten wollte ich sie nicht», versicherte sie bei der Einvernahme. Ihr drohen laut österreichischem Jugendstrafrecht ein bis 10 Jahre Haft.

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