26.10.2017 08:36

Budget-BeratungDarauf musst du beim ersten Lohn achten

Für junge Arbeitnehmer gibt es Stolperfallen im Umgang mit ihrem Lohn. Wie können Lehr- und Studienabgänger das Budget in Balance halten?

von
R. Knecht
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Beim ersten Lohn denkt man womöglich nicht als Erstes an Rechnungen und Budget-Planung.

Beim ersten Lohn denkt man womöglich nicht als Erstes an Rechnungen und Budget-Planung.

Keystone/Alessandro Della Bella
Das sollte man aber, sagt Budget-Beraterin Andrea Schmid.

Das sollte man aber, sagt Budget-Beraterin Andrea Schmid.

Keystone/Christian Beutler
Die Kostenübersicht muss man dabei dem Lohn anpassen.

Die Kostenübersicht muss man dabei dem Lohn anpassen.

Keystone/Martin Ruetschi

Tausende junge Schweizer haben im Sommer das Studium oder die Lehre abgeschlossen. Sie treten jetzt ihren ersten Vollzeitjob an – und erhalten nach vielen finanziell mageren Jahren ihren ersten vollwertigen Monatslohn von mehreren tausend Franken.

Der neue Geldsegen erfordert aber auch einen neuen Umgang mit den eigenen Finanzen. 20 Minuten rechnet anhand von Budgetbeispielen der Budgetberatung Schweiz vor, was nach Abzug aller Kosten vom ersten Lohn noch übrig bleibt.

Was bleibt von 6000 Franken Lohn übrig?

Ein 26 Jahre alter Ingenieur verdient in seinem ersten Job nach dem Studium netto knapp 6000 Franken pro Monat. Auch ein 21-jähriger Maurer bekommt nach der Lehre gegen 6000 Franken. Der neue Lohn wirkt im Vergleich zu Nebenverdiensten oder dem Lehrlingslohn riesig. Wenn die Empfänger nun ausziehen und unabhängig leben wollen, kommen aber auch mehr Kosten dazu.

Am stärksten fallen die Wohnkosten ins Gewicht. 1500 Franken zahlen beide Berufseinsteiger monatlich für die Miete. Damit haben sie noch 4500 Franken übrig.

Steuern monatlich bezahlen

Den zweitgrössten Posten bilden die Steuern. Ingenieur und Maurer können den Betrag mit den fälligen Rechnern der eidgenössischen Steuerverwaltung bereits im Vorfeld ermitteln. Sie leben in einem Hochsteuerkanton, wo es in ihrem Lohnsegment rund 13'200 Franken im Jahr sind.

Laut Andrea Schmid, Beraterin und Vizepräsidentin von Budgetberatung Schweiz, ist es klug, Steuern der Steuerverwaltung in monatlichen Tranchen direkt zu überweisen. In Kantonen, in denen die direkte Überweisung nicht möglich ist, muss man eine Rückstellung vornehmen. Der Maurer und der Ingenieur müssen laut dem Beispielbudget im Schnitt je 1100 Franken pro Monat für Steuern einrechnen. Vom Nettolohn bleiben noch 3400 Franken.

Wer Mitte Jahr zu arbeiten beginnt, muss bei der nächsten Steuerrechnung noch wenig bezahlen, sagt Beraterin Schmid. Im Folgejahr könnte die Rechnung dann aber um ein Vielfaches höher ausfallen. Dessen müssen sich junge Arbeitnehmer bewusst sein.

Versicherungen nicht vergessen

Wenn bisher die Eltern die Versicherung übernommen haben, darf man diese Auslagen nicht unterschätzen. Krankenkasse, Hausrat- und Haftpflichtversicherung kosten den Ingenieur monatlich 440 Franken. Nach Abzug sämtlicher Fixkosten sind noch 2610 Franken vom Lohn übrig.

Wer auszieht, muss sich bewusst sein, was ein Haushalt kostet. Beim jungen Maurer schlägt er mit 650 Franken zu Buche. Nach diesem Abzug sind vom Lohn weniger als 2000 Franken übrig.

Rückstellungen für Unvorhergesehenes

Ebenfalls wichtig sind Rückstellungen. Budgetberatung Schweiz empfiehlt, dass man auf der Lohnstufe der beiden Berufseinsteiger 330 Franken für Unvorhergesehenes, Zahnarzt oder die Jahresfranchise zurückstellt. Damit bleiben noch 1630 Franken.

Es empfiehlt sich, für unregelmässige Rechnungen Rückstellungen auf ein separates Konto zu überweisen, so Schmid. Finanzielle Entscheidungen werden oft aufgrund des aktuellen Kontostands gefällt. Dabei wird vergessen, dass das Geld wegen der Rückstellungen gar nicht für anderes zur Verfügung steht.

350 Franken Taschengeld

Schliesslich gönnt sich der junge Ingenieur im Monat 350 Franken Taschengeld für die Freizeit. Dazu kommen noch die Kosten für Kleider und Schuhe, sodass die persönlichen Ausgaben bei insgesamt 500 Franken liegen.

Von den 6000 Franken pro Monat bleiben nach allen Abzügen noch 1130 Franken übrig. Diesen Betrag nutzt der Maurer für die Finanzierung des Autos sowie für den Unterhalt seines Haustiers und hofft, am Ende noch etwas für die Ferien sparen zu können.

Das Wichtigste ist laut Beraterin Schmid, dass eine Budgetplanung gemacht wird, bevor wichtige Entscheidungen gefällt werden. So wird schnell klar, wie viel die Wohnung oder die Ferien kosten dürfen. Wer Geld bewusst lenke, habe weniger psychischen Druck und lebe unbelasteter.

Was, wenn die Bilanz negativ ist?

Bei den persönlichen Auslagen gibt es laut Schmid viele Möglichkeiten zu sparen. Dies betrifft etwa Taschengeld, Kleider, Ausgang, Handy und Genussmittel. Ein Vorschlag wäre, teure Clubs zu meiden und stattdessen das Wochenende zu Hause mit Freunden zu verbringen.

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«Sparen ist immer billiger»

Budgetberaterin Andrea Schmid warnt vor Kreditaufnahme. Ein Kredit belastet später das Budget mit hohen Fixkosten, was den Entscheidungsspielraum unnötig einschränkt. Das behindert die Erfüllung neuer Bedürfnisse: Eine Weiter- oder Zweitausbildung, ein unbezahlter Urlaub oder die Familiengründung.

Man sollte etwa die Kosten eines geleasten Autos realistisch überschlagen. Sie verursachen in nur wenigen Jahren Tausende von Franken Mehrkosten gegenüber einem Auto, das erspart wurde.

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