Aktualisiert 15.10.2012 19:45

RundumschlagDarbellays Hass auf Präventions-Fundis

CVP-Präsident Christophe Darbellay holt zum Rundumschlag gegen Präventionsbefürworter aus - dafür muss er massive Kritik einstecken.

von
Till Hirsekorn
Er ist bekannt dafür, gerne mal ein gutes Glas Wein zu sich zu nehmen: CVP-Präsident Präsident der Schweizer Messe für heimische Genüsse Christophe Darbellay.

Er ist bekannt dafür, gerne mal ein gutes Glas Wein zu sich zu nehmen: CVP-Präsident Präsident der Schweizer Messe für heimische Genüsse Christophe Darbellay.

Christophe Darbellay, bekennender Walliser Weinliebhaber, holt zum Rundumschlag gegen Präventionsorganisationen aus. Die Schweizer Spirituosenproduzenten seien «Opfer der Präventionsextremisten», klagt der Präsident der Schweizer Messe für heimische Genüsse im Interview mit dem Infomagazin der Eidgenössischen Alkoholverwaltung. Mit «konsumreduzierenden Massnahmen» mache man ihnen das Leben schwer. Auf Anfrage legt der CVP-Präsident noch eins drauf: «Präventionsextremisten predigen eine Gesellschaft ohne Wein, Bier oder Zigarette. Ihre Organisationen werden meist von links regiert, kosten zu viel und produzieren viel Papier ohne grosse Wirkung».

Präventions-Befürworter wie SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer reagieren empört: «Das ist daneben! Als Lobbyist der Weinproduzenten erstaunen mich Herrn Darbellays Worte aber nicht. In der Alkoholprävention macht der Bund im Vergleich zum Tabak eher zu wenig.» Das Bundesamt für Gesundheit möchte zu Darbellays Äusserung nicht eingehen, weist aber auf die gravierenden Schäden hin, die Alkoholkonsum verursachen: 2000 Todesfälle und rund 5,2 Milliarden an sozialen Kosten jedes Jahr. Matthias Zeller vom Blauen Kreuz kritisiert Darbellay deshalb direkt: «Es zeigt, dass er die Volksdroge Alkohol und die Prävention zu wenig ernst nimmt».

Simon Frey der Präventionsstelle «Sucht Schweiz» betont, dass Präventionsprogramme durchaus Wirkung zeigen. «Die Einführung der 0,5-Promille-Grenze hat die Sicherheit im Strassenverkehr wesentlich erhöht», sagt er.

Mit Rudolf Horber, Ressortleiter beim Schweizerischen Gewerbeverband und Geschäftsführer der Allianz der Wirtschaft für eine massvolle Präventionspolitik hat Darbellay aber einen mächtigen Verbündeten. «Gut, dass Herr Darbellay Klartext spricht. Unverhältnismässige Präventionsmassnahmen werden wir auch in Zukunft konsequent bekämpfen, so wie wir das unnötige Präventionsgesetz gebodigt haben», versichert er.

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