Lieber Phil Geld: Darf der Arbeitgeber die Arbeitszeit erhöhen?
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Lieber Phil GeldDarf der Arbeitgeber die Arbeitszeit erhöhen?

Andreas (36) Arbeitgeber möchte die derzeit wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöhen. Darf er das?

Innerhalb der gesetzlichen Grenzen darf der Arbeitgeber die Arbeitszeit grundsätzlich beliebig verändern.

Innerhalb der gesetzlichen Grenzen darf der Arbeitgeber die Arbeitszeit grundsätzlich beliebig verändern.

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Lieber Phil Geld

Mein Chef möchte die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden auf 43 Stunden die Woche erhöhen. Falls ich damit nicht einverstanden bin beziehungsweise unterzeichne, wird mir gekündigt. Ist das erlaubt?

Liebe Andrea

Grundsätzlich gilt, was in deinem Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Er ist sowohl für dich als auch für deinen Arbeitgeber verbindlich. Der Arbeitsvertrag ist aber ein Dauervertrag. Darum kann er im Laufe der Zeit abgeändert werden – sowohl zu Gunsten als auch zu Ungunsten des Arbeitnehmers.

Für eine Abweichung vom bisherigen Arbeitsvertrag bedarf es einer Vertragsänderung. Eine Vertragsänderung ist allerdings nur dann möglich, wenn beide Parteien der Vertragsänderung zustimmen. Können sich die Vertragsparteien aber nicht über die zu ändernden Tatsachen einigen, kann der Arbeitgeber versuchen, eine Änderungskündigung durchzusetzen.

Bei einer Änderungskündigung wird der bestehende Arbeitsvertrag ordentlich unter Einhaltung der Kündigungsfristen aufgelöst. Zugleich wird mit der Kündigung ein neuer Arbeitsvertrag mit geänderten Bedingungen angeboten. Der neue Vertrag kann erst nach Ablauf der Kündigungsfrist des bisher geltenden Vertrages in Kraft treten.

Dem Arbeitnehmer steht es frei, den neuen Vertrag anzunehmen oder nicht. Ist der Arbeitnehmer mit dem neuen Arbeitsvertrag nicht einverstanden, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung. Das Arbeitsverhältnis wird nach Ablauf der Kündigungsfrist aufgelöst. Der Arbeitnehmer verliert seine Stelle.

Solche Änderungskündigungen sind durchaus zulässig – auch wenn sie zu Ungunsten des Arbeitnehmers ausfallen. Eine missbräuchliche oder zumindest problematische Änderungskündigung liegt nur vor, wenn keine sachlichen beziehungsweise betrieblichen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründe für eine Änderungskündigung vorliegen. Auch ist eine Änderungskündigung missbräuchlich, wenn die Kündigung als Druckmittel verwendet wird, um eine für den Arbeitnehmer belastende Vertragsänderung herbeizuführen, die sich sachlich nicht rechtfertigen lässt.

Zu prüfen wäre auch, ob dein Arbeitsverhältnis einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) untersteht. Denn in gewissen Branchen oder Unternehmen gibt es GAV, die einen «Krisenartikel» enthalten und regeln, unter welchen Voraussetzungen die Erhöhung der Arbeitszeit zulässig ist.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass aufgrund der im Schweizerischen Arbeitsrecht geltenden Vertragsfreiheit die Arbeitszeit grundsätzlich – innerhalb der durch das Arbeitsgesetz definierten Grenzen (vgl. Art. 9 ArG) – frei vereinbart beziehungsweise verändert werden kann. Bist du mit der Erhöhung der Arbeitszeit nicht einverstanden, kann dein Arbeitgeber diese mit einer korrekt durchgeführten Änderungskündigung dennoch durchsetzen. Du bist zwar nicht verpflichtet, den neuen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Allerdings kann dir dann dein Arbeitgeber wirksam kündigen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch (20 Minuten)

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