Yahoo-CEO Mayer: Darf eine Chefin so posieren?
Aktualisiert

Yahoo-CEO MayerDarf eine Chefin so posieren?

Sie posiert nicht etwa nackt, sondern in einem hochgeschlossenen Kleid. Dennoch löst ein Bild von Yahoo-Chefin Marissa Mayer in der «Vogue» eine neue Sexismus-Debatte aus.

von
jbu

Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist eine der mächtigsten Frauen der Welt. In den Ranglisten bedeutsamer Wirtschafsleader taucht sie regelmässig ganz vorne auf. 2012 verdiente sie gemäss Wikipedia für ein halbes Jahr Arbeit 37 Millionen Dollar.

Eine, die es geschafft hat, könnte man meinen. Ein Vorbild für alle selbstbestimmten Frauen. Doch die Feministinnen dieser Welt haben im Moment gar keine Freude an der 38-Jährigen. Der Grund: Ein doppelseitiges Porträt der Yahoo-Chefin in der aktuellen Ausgabe der US-Modezeitschrift «Vogue».

Die Lippen rot geschminkt, liegt Mayer in einem blauen Etuikleid und Stilettos auf einer Gartenliege, den Kopf am Fussende. Die Haare fallen fliessend über den weissen Kunststoff, in der Hand hält die Yahoo-Chefin ein Portrait von sich selber.

Schuhe als «Fesselvorrichtungen»

So weit die Fakten. Nun zum Streit um die Symbolik und die Interpretation des Bildes: Mayer zeige sich devot, trage High Heels, die an Fesselvorrichtungen erinnerten und lasse sich zu einem Sexobjekt degradieren, so die Vorwürfe von Frauenrechtlerinnen und Kolumnistinnen. «Zu sexy für einen CEO?», fragt der «Advertiser», eine «Times»-Kolumnistin befürchtet, das nachfolgende Interview mit Mayer im Modeblatt gehe angesichts des aufsehenerregenden Fotos komplett unter.

Männliche CEOs liessen sich nie in solchen Posen ablichten, lautet ein weiteres Argument. Auf Twitter bemühen im Zusammenhang mit dem «Vogue»-Artikel verschiedene User(innen) den Hashtag #Aufschrei, der Anfang Jahr im Zuge einer Sexismus-Debatte in Deutschland so gross in Mode gekommen ist.

Doch auch die Gegenstimmen lassen nicht auf sich warten. «Darf eine erfolgreiche Frau und Mutter so posieren?», fragt eine Kommentatorin auf Stern Online. «Ja, verflixt, warum denn nicht?», beantwortet die Journalistin die rhetorische Frage gleich selber – bevor sie sie sich über die «immer wiederkehrende, so unfassbar öde Fragestellung» auslässt.

Auf Twitter staunen viele Nutzer über die Aufregung über ein so «unspektakuläres» Foto und geben zu bedenken, dass Mayer die «Vogue» gleich aufkaufen könnte, wenn sie es wollte. «Kann doch nicht sein, dass die einfach Fotos von sich machen lässt, die ihr gefallen», spottet ein weiterer Twitterer – und setzt auch gleich noch einen #Aufschrei oben drauf.

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