René Weiler: «Darf einem Trainer nicht zu viel Bedeutung geben»

Aktualisiert

René Weiler«Darf einem Trainer nicht zu viel Bedeutung geben»

Mit René Weiler holt der FCL einen Trainer mit Ecken und Kanten. Wenn das im chronisch unruhigem Umfeld nur gut geht.

von
E. Tedesco
Luzern

FCL-Sportchef Remo Meyer präsentiert mit René Weiler den Medien seinen neuen Trainer. (Video: 20 Minuten)

René Weiler eilt ein Ruf voraus. Er sei kompromisslos. Ein unbequemer Arbeitnehmer, der nicht um den heissen Brei herumredet, sondern seine Meinung direkt und gerade heraus sagt. Er schere sich wenig um Konventionen und seine fordernde, selbstsichere Art ruft oft Missverständnisse hervor. Er soll Mühe bekunden, wenn ihm Geldgeber ohne fussballerische Kompetenz dreinreden.

In St. Gallen eckte er als Sportchef bei Edgar Oehler an. Den FC Aarau verliess er, weil ihm sein Bauchgefühl sagte, dass er dem Club nichts mehr geben kann. Die Medien warfen ihm danach vor, ein Egoist zu sein, weil er trotz laufendem Vertrag davonlief.

In Nürnberg und auch in Anderlecht hatte Weiler das Gefühl, als Spielball von Managern und Präsidenten benutzt zu werden. Er wehrte sich. Anderlecht verliess er trotz Vertrag bis 2019. Seinem Image waren solche Handlungen nicht immer dienlich – wenn man indes die Chance bekam, genau hinzuschauen, muss man auch festhalten: Weiler entscheidet so, weil er dem Erfolg alles unterordnet.

Harmonie und ähnliche Denkweise

Nun ist er also beim FC Luzern. Erste Gespräche gab es im Winter. Das Angebot der Zentralschweizer kam Weiler damals zu früh. Es kam zu keiner Einigung. Nach dem Abgang von Gerardo Seoane zu YB tat sich die nächste Gelegenheit auf, und diesmal klappte der «Transfercoup». «Ich habe sofort gespürt, dass eine Harmonie und eine ähnliche Denkweise vorhanden ist», sagt FCL-Sportchef Meyer. Er ist stolz, seinen Wunschtrainer verpflichtet zu haben. «Wir sind total überzeugt und wollen den Weg gemeinsam gehen.»

«Wir wollen zusammen eine Zeit prägen»

FCL-Sportchef Remo Meyer sagt, wie es zur Verpflichtung von René Weiler als Trainer kam und benennt die Gründe für den 3-Jahresvertrag. (Video: 20 Minuten)

Meyer benennt die Gründe für Weilers 3-Jahres-Vertrag. (Video: 20 Minuten)

Diese Überzeugung äussert sich in der Vertragsdauer. Weiler erhält in Luzern ein Arbeitspapier über 3 Jahre. Eine lange Zeit im Fussball, eine Ewigkeit im explosiven FCL-Umfeld mit seinen dauerpolternden Geldgebern. Dazu sagt Weiler: «Man darf einem Trainer nicht zu viel Bedeutung geben, auch wenn er ein wichtiger Angestellter ist.»

Der richtige Ort für Weiler

Warum aber tut sich Weiler das an? «Es gibt verschiede Gründe. Man muss als Trainer wissen, was auf dem Markt möglich ist, zudem habe ich auch noch eine Familie, die ich berücksichtigen muss. Nach den Gesprächen mit Remo Meyer habe ich aber gespürt, dass es harmoniert. Ich habe mich auch in der Ausbildung von jungen Spielern immer wohl gefühlt und so stimmte das Gesamtpaket. Ich freue mich, in die Schweiz zurückzukehren. Ich bin überzeugt, dass das der richtige Ort für mich ist. Es geht nicht immer um die Rangierung. Hier hat man alles: Gute Fans, eine schöne Stadt, einen guten Club.»

Nach seinen Engagments in Deutschland und Belgien kehrt Weiler als «kompletterer» Trainer aus dem Ausland zurück. Weiler ist verheiratet und hat zwei Söhne (17 und 5 Jahre alt). Ob er in Zürich wohnhaft bleibt oder in die Zentralschweiz zügelt, konnte der Winterthurer noch nicht beantworten. Man habe erst die Zelte in Anderlecht abgebrochen. «In der Schweiz lässt sich überall gut leben.»

Eine Medienlandschaft zum Haareraufen

Weiler leitete am Freitagnachmittag sein erstes Training in Luzern. Der Start in die Vorbereitung der Leuchten erfolgte schon vor einer Woche. Warum hat es so lange gedauert, zumal die Verpflichtung des 44-jährigen Trainers seit Tagen in den Medien Thema war?

«Die heutige Medienlandschaft ist haareraufend. Es ist keine Kritik an den Medien, aber am Lauf der Zeit. Jeder will der schnellste und spektakulärste sein», sagt Weiler. «Es hat so lange gedauert, weil ich bei Anderlecht noch unter Vertrag stand. Dieser musste zuerst aufgelöst werden. Heute ist alles unter Dach und Fach und ich bin da.» Aber wie lange? Weiler hat schon bewiesen, dass er erfolgreich arbeiten kann und hat deshalb in Luzern wenig zu verlieren. Bleibt die Frage: Wie viel kann er gewinnen?

«Jeder will der schnellste sein»

Der neue FCL-Trainer über seine zwiespältige Beziehung zu den Medien.» (Video: 20 Minuten)

Der neue FCL-Trainer über seine zwiespältige Beziehung zu den Medien.» (Video: 20 Minuten)

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