Lieber Phil Geld: Darf ich an die Beerdigung meines Opas?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldDarf ich an die Beerdigung meines Opas?

Kathrin (41) wollte ans Begräbnis ihres Grossvaters. Doch der Arbeitgeber gab ihr an diesem Tag nicht frei. Ist das zulässig?

Beim Tod eines Grosselternteils muss der Arbeitgeber dem betroffenen Angestellten freigeben.

Beim Tod eines Grosselternteils muss der Arbeitgeber dem betroffenen Angestellten freigeben.

Lieber Phil Geld

Kürzlich ist unser Grossvater gestorben. Ich habe vom Arbeitgeber für die Beerdigung nicht frei bekommen. Ist das korrekt?

Liebe Kathrin

Bei Familienereignissen, Wohnungswechsel, militärischen Inspektionen und ähnlichen Ereignissen hat der Arbeitnehmende Anspruch auf freie Stunden oder freie Tage. Als Familienereignisse gelten die Geburt eigener Kinder, schwere Erkrankung oder die Hochzeit naher Angehöriger und natürlich auch Todesfälle von Verwandten und engen Bekannten. Geregelt ist das im Art. 329 des Obligationenrechts: Dem Arbeitnehmer sind «die üblichen freien Stunden und Tage zu gewähren», heisst es dort. Dieser Gesetzesartikel über die sogenannten Kurzabsenzen ist leider wenig konkret. Die meisten Firmen schaffen darum in ihrem Betrieb Klarheit, indem sie in den Arbeitsverträgen oder auch in besonderen Mitarbeiter-Reglementen festhalten, was bei ihnen bei Kurzabsenzen gilt.

Auf der Website des Staatssekretariates für Wirtschaft Seco ist eine Liste publiziert, die einen groben Überblick über die Praxis bei Kurzabsenzen gibt.

Ich beschränke mich hier auf das Thema Todesfälle: Beim Tod des Ehepartners oder von Kindern, die im eigenen Haushalt lebten, haben Betroffene Anspruch auf drei Freitage. Bei Verwandten und näheren Bekannten ist es ein Tag. Bis zu drei Freitage – je nach Notwendigkeit – werden beim Tod von Familienangehörigen gewährt. Dazu zählen auch Grosseltern.

Wie beim Tod der Grosseltern vorzugehen ist, ist beispielsweise beschrieben im Reglement für die Unternehmen, die dem Verband Schweizer Holzbauunternehmungen angeschlossen sind: Zwei Freitage sind für dieses Ereignis vorgesehen. Ganze vier Freitage erhält das Personal der Gemeinde Lauterbrunnen.

Die effektive Praxis ist also in der Schweiz sehr unterschiedlich. Doch beim Tod des Grossvaters gar keine Kurzabsenz zu gewähren, widerspricht definitiv dem Obligationenrecht.

Zur Lohnzahlung während der Kurzabsenz sagt der erwähnte Artikel 329 des Obligationenrechts übrigens nichts. Die Gerichtspraxis in der Schweiz ist aber eindeutig: Mitarbeitende im Wochen- und Monatslohn erhalten während der Kurzferien den vollen Lohn. Auch die Auflage, die Zeit der Abwesenheit später zu kompensieren, wäre unzulässig. Stundenlöhner hingegen bekommen nur jene Stunden vergütet, in denen sie tatsächlich arbeiten – ausser es wurde im Arbeitsvertrag etwas anderes vereinbart.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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