Fussball-Fieber: Darf ich bei der Arbeit WM-Spiele streamen?
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Fussball-FieberDarf ich bei der Arbeit WM-Spiele streamen?

Wer kein WM-Spiel verpassen will, greift tagsüber im Job auf Streaming-Dienste oder das Handy zurück. Unternehmen gehen damit unterschiedlich um.

von
Dominic Benz
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Viele WM-Spiele finden unter der Woche am Nachmittag statt. So etwa auch das Spiel Portugal gegen Marokko. Doch zu dieser Zeit sitzen noch viele Schweizer im Büro. Ihnen bleibt oft nur das Streamen der Spiele auf dem Computer übrig.

Viele WM-Spiele finden unter der Woche am Nachmittag statt. So etwa auch das Spiel Portugal gegen Marokko. Doch zu dieser Zeit sitzen noch viele Schweizer im Büro. Ihnen bleibt oft nur das Streamen der Spiele auf dem Computer übrig.

AP/Victor Caivano
Auch Frankreich gegen Peru lief nachmittags.

Auch Frankreich gegen Peru lief nachmittags.

AP/Natacha Pisarenko
Beim Brasilien-Knüller war das weniger ein Problem. Der Match begann erst um 20 Uhr.

Beim Brasilien-Knüller war das weniger ein Problem. Der Match begann erst um 20 Uhr.

AP/Felipe Dana

Eingefleischte Fussballfans verzichten nur ungern auf einzelne WM-Spiele. Doch leider laufen viele der Matchs am Nachmittag – also dann, wenn die meisten noch im Büro sitzen. Da gibts nur eines: Am Computer im Büro den Livestream des Spiels starten. So verpasst man auch während der Arbeit nicht die Goals von Ronaldo oder die vermeintlich gemeinen Fouls an Neymar.

Doch scheinbar haben gewisse Unternehmen Massnahmen ergriffen, damit sich ihre Mitarbeiter die Spiele nicht am Computer anschauen können. Wie ein Leser von 20 Minuten berichtet, hat etwa die Credit Suisse (CS) genau auf die WM hin das Streamen blockiert. «An meinem Computer konnte ich nicht mal ab und zu in ein Spiel reinschauen», sagt der CS-Mitarbeiter.

Ist das Streamen von Live-Events bei Ihnen im Büro verboten? Wenn ja, nervt Sie das gerade jetzt während der WM besonders? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen.

Angst vor System-Kollaps

Die CS winkt jedoch ab. «Wir haben keine Sperrungen veranlasst, um das Streamen während der WM zu unterbinden», sagt ein Konzernsprecher. Streaming-Portale wie etwa Zattoo seien zugänglich. Auch bei der Konkurrentin UBS sind offenbar Streaming-Dienste nicht blockiert. Die Bank macht aber bei Grossanlässen wie der WM die Mitarbeiter jeweils darauf aufmerksam, dass keine Arbeitsgeräte für Livestreams benutzt werden sollen. «Damit möchten wir sicherstellen, dass die internen Systeme nicht überlastet werden», erklärt eine Sprecherin.

Generell geben sich die Unternehmen nicht als Spassbremsen. Die Post etwa teilt mit, dass ein Blick in den Computer während eines WM-Spiels niemandem verwehrt werde. Aber: «Die Arbeit darf darunter natürlich nicht leiden und hat Vorrang.» In manchen Pausenräumen würden zudem Bildschirme für die WM-Spiele bereitstehen.

Blockiert wird das Streamen auch bei der Swisscom nicht. Man setze auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, so der Telekomkonzern. Ähnlich klingt es bei der SBB. Sie drückt offenbar gerade während der WM-Zeit ein Auge zu: «Wir sind sicher, dass während eines Spiels der Nati der eine oder andere Fernseher im Hintergrund mitlaufen wird.»

Bei Migros sind Streaming-Dienste gesperrt

Die Unternehmen betonen, dass Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitsmodellen auch mal früher aus dem Büro gehen oder mal länger eine Pause machen könnten. Die verlorene Arbeitszeit müssten sie dann kompensieren.

Das ist auch bei der Migros so. Allerdings stellt die Detailhändlerin klar: «Das Anschauen von WM-Spielen erfolgt in der Freizeit und wird nicht als Arbeitszeit betrachtet. Allfällige Zusatzregelungen in diesem Zusammenhang trifft jedes Migros-Unternehmen autonom», so ein Sprecher. Generell seien im Migros-Genossenschafts-Bund Streamingdienste wie Zattoo oder Wilmaa aber gesperrt und könnten auch während der Fussball-WM nicht genutzt werden.

Vorsicht beim Streamen mit dem Handy

Sind Streaming-Plattformen vom Arbeitgeber gesperrt, bleibt immer noch der Griff zum Smartphone, um kein WM-Goal zu verpassen. Ob das aus rechtlicher Sicht zulässig ist, erklärt Rechtsanwalt Martin Steiger: «Es gibt kein ausdrückliches Verbot für private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz, wenn der Arbeitgeber kein solches Verbot erlassen hat», sagt er zu 20 Minuten.

Dennoch rät er Arbeitnehmern zur Vorsicht: «Es ist empfehlenswert, die Arbeitszeit als solche zu nutzen.» Dafür würden die Arbeitnehmer ja letztlich entschädigt. «Für private Angelegenheiten, die nicht dringlich sind, gibt es Pausen und vor allem die Freizeit.»

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