Lieber Phil Geld: Darf ich das Handy am Arbeitsplatz laden?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldDarf ich das Handy am Arbeitsplatz laden?

Anouk (20) fragt sich, ob sie am Arbeitsplatz ihr Handy aufladen darf. Ihr Kollege behauptet, das sei ein Grund für eine fristlose Entlassung.

Für eine fristlose Entlassung sind wichtige Gründe nötig. Das blosse Handyladen am Arbeitsplatz reicht nicht.

Für eine fristlose Entlassung sind wichtige Gründe nötig. Das blosse Handyladen am Arbeitsplatz reicht nicht.

Lieber Phil Geld

Neulich erzählte ich einem Kollegen beim Mittagessen, dass ich häufig mein Handy am Arbeitsplatz auflade. Er schaute mich schockiert an und sagte mir, dies sei ein fristloser Kündigungsgrund. Jetzt bin ich total verunsichert. Kann mir meine Firma fristlos kündigen, nur weil ich mein Handy am Arbeitsplatz auflade?

Liebe Anouk

Eine fristlose Entlassung ist ein gewaltiger Einschnitt. Ohne wichtige Gründe darf der Arbeitgeber gemäss Obligationenrecht Art. 337 das Arbeitsverhältnis nicht fristlos auflösen. Gewichtig bedeutet: Verfehlungen, die das Vertrauensverhältnis so dramatisch zerstören, dass eine Fortsetzung des Arbeitsvertrages nicht mehr zumutbar ist. Also etwa Diebstahl, Konkurrenzierung des Arbeitgebers, Tätlichkeiten oder in die Ferien verreisen trotz ausdrücklichem Verbot des Arbeitgebers wegen hohem Arbeitsanfall.

Bei vielen anderen Dingen – etwa mehrmaligem oder unentschuldigtem Zuspätkommen – braucht es erst eine bzw. mehrere Verwarnungen, bevor ein Arbeitgeber überhaupt daran denken darf, eine fristlose Kündigung auszusprechen. Manch ein Arbeitgeber hat sich beim Thema «fristlose Kündigung» schon aufs Glatteis begeben. Am berühmtesten ist wohl das juristische Nachspiel im Fall einer fristlos gekündigten Sekretärin, die vom Chefbuffet eine Frikadelle gegessen hatte.

Das Handy am Arbeitsplatz zu laden, ist nicht zu vergleichen mit diesen Fällen und führt daher ganz sicher nicht zu einer fristlosen Entlassung. Auch der Fall, der diesbezüglich in den Medien erschien, musste entsprechend revidiert werden.

Grundsätzlich darf ein Arbeitgeber nur in ganz bestimmten Situationen den Gebrauch von privaten Handys in der Arbeitszeit verbieten; etwa wenn die Leistung oder die Sicherheit im Betrieb gestört würden – bei Berufen mit Publikumskontakt, etwa im öffentlichen Dienst oder in Spitälern. Allerdings darf er seinen Angestellten nicht verbieten, das Handy in Pausen zu benützen. Logisch, dass das Handy da hin und wieder geladen werden muss.

Ohne anderslautendes Betriebsreglement dürfen Arbeitnehmende auch private Telefongespräche über das Firmentelefon während der Arbeit führen, wenn sie dies nicht übermässig tun. Regelt in einem Unternehmen kein Betriebsreglement die private Internetnutzung, dürfen die Angestellten davon ausgehen, dass beim Surfen und privaten Mailen die gleichen Regeln gelten wie beim privaten Telefonieren.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

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