Aktualisiert 31.03.2020 10:24

Coronavirus

Darf ich in der Corona-Krise Freunde einladen?

Das Zuhausebleiben fällt einigen Menschen schwer. Ein Infektiologe sagt, was geht und was nicht.

von
B. Zanni
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Wer im Homeoffice arbeiten kann, verlässt das Zuhause nur noch zum Einkaufen, Spazieren oder Joggen. Sobald die Decke auf den Kopf zu fallen droht, hadern Menschen mit dem Appell, zu Hause zu bleiben.

Wer im Homeoffice arbeiten kann, verlässt das Zuhause nur noch zum Einkaufen, Spazieren oder Joggen. Sobald die Decke auf den Kopf zu fallen droht, hadern Menschen mit dem Appell, zu Hause zu bleiben.

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Ich verlasse mein Zuhause nur noch zum Einkaufen und Spazieren. Meine Freunde machen das auch so. Kann ich sie zum Abendessen einladen?Nein. «Man kann nie ausschliessen, dass andere Personen die Massnahmen vielleicht doch nicht so konsequent umsetzen, wie sie behaupten», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

Ich verlasse mein Zuhause nur noch zum Einkaufen und Spazieren. Meine Freunde machen das auch so. Kann ich sie zum Abendessen einladen?Nein. «Man kann nie ausschliessen, dass andere Personen die Massnahmen vielleicht doch nicht so konsequent umsetzen, wie sie behaupten», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

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Kann ich noch mit meinem besten Freund joggen gehen?Ja. Zu zweit zu joggen, einen Spaziergang oder auch eine Velotour zu unternehmen, hält Günthard für machbar. «Wichtig ist aber auch hier, dass man den Abstand von zwei Metern einhält und sich vorher und nachher nicht umarmt bzw. die Hand gibt.»

Kann ich noch mit meinem besten Freund joggen gehen?Ja. Zu zweit zu joggen, einen Spaziergang oder auch eine Velotour zu unternehmen, hält Günthard für machbar. «Wichtig ist aber auch hier, dass man den Abstand von zwei Metern einhält und sich vorher und nachher nicht umarmt bzw. die Hand gibt.»

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Die Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus haben den Radius der meisten Menschen stark verkleinert. Wer im Homeoffice arbeiten kann, verlässt das Zuhause nur noch zum Einkaufen, Spazieren oder Joggen. Sobald die Decke auf den Kopf zu fallen droht, hadern Menschen mit dem Appell, zu Hause zu bleiben. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Ich verlasse mein Zuhause nur noch zum Einkaufen und Spazieren. Meine Freunde machen das auch so. Kann ich sie zum Abendessen einladen?

Nein. «Man kann nie ausschliessen, dass andere Personen die Massnahmen vielleicht doch nicht so konsequent umsetzen, wie sie behaupten», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich. Zudem bestehe immer das Risiko, dass sich jemand beim Einkaufen angesteckt habe. Auch könne man bei einem geselligen Anlass die Abstandsregeln weniger leicht unter Kontrolle haben. Laut Günthard müssen die Ansteckungszahlen dringend sinken. «Das geht nur, indem wir hart bleiben und die Kontakte auf ein Minimum reduzieren.»

Kann ich noch mit meinem besten Freund joggen gehen?

Ja. Zu zweit zu joggen, einen Spaziergang oder auch eine Velotour zu unternehmen, hält Günthard für machbar. «Wichtig ist aber auch hier, dass man den Abstand von zwei Metern einhält und sich vorher und nachher nicht umarmt bzw. die Hand gibt.»

Ist es problematisch, wenn sich die Leute im Freien tummeln?

«Das ist blöd und unverantwortlich. Es ist genau das, was man nicht will», sagt Günthard. Mit dem Ausschwärmen wie vor den Zeiten des Virus komme die Bevölkerung dem Ziel, die Kontakte zu reduzieren, nicht nach. Die Gefahr einer weiteren Verbreitung des Virus sei hoch. «Wenn nur jemand angesteckt ist und sich unter die Leute mischt, steckt er vielleicht gleich drei weitere Personen an.» In der Folge infizierten all diese Leute innert Kürze weitere Menschen. Um an die frische Luft zu gehen, empfiehlt Günthard, wenig frequentierte Orte zu wählen. «Das bedeutet manchmal auch, dort spazieren zu gehen, wo es nicht am schönsten ist.»

Auf meinem Spaziergang erblicke ich eine Gruppe beim Bräteln. Soll ich dies der Polizei melden?

Etwa die Stadtpolizei Zürich ruft dazu auf, konkrete Beobachtungen von Menschenansammlungen zu melden. Huldrych Günthard empfiehlt, Augenmass walten zu lassen. «Man darf nicht vergessen, dass es auch sogenannte Infektionsgemeinschaften gibt», sagt er. Dabei handle es sich um Personen, die im selben Haushalt wohnen.

Das Kind kann nicht mehr in die Kita, Homeoffice ist für die Eltern unmöglich. Kann ich für die Kinderbetreuung mit jemandem eine Infektionsgemeinschaft bilden?

«Eine Infektionsgemeinschaft aufzubauen, ist sehr heikel, weil man die anderen Personen wirklich sehr gut kennen muss», warnt Günthard. Als Beispiel erwähnt er seine Familie. Da seine Frau und er als Spitalmitarbeiter kein Homeoffice machen könnten, liessen sie ihre Tochter von einer befreundeten Familie betreuen. «Das machen wir aber nur, weil wir zu 100 Prozent davon ausgehen können, dass sich die Familie gleich abgeschottet hat wie wir.» Die befreundete Mutter arbeite ebenfalls im Spital und sei sehr vorsichtig, der Vater mache Homeoffice und die Kinder seien zu Hause.

Manche Leute setzen die Massnahmen pragmatisch um. Tun sie das Richtige?

Nein. «Das finde ich dumm», sagt Günthard. Wer die Massnahmen nicht konsequent umsetze, denke nur an sich selbst. «Junge Leute haben das Gefühl, es treffe sie sowieso nicht oder nur milde. Das ist schön und gut für sie.» Sie dürften aber nicht vergessen, dass sie Risikopersonen anstecken könnten und selbst auch nicht vor dem Virus gefeit seien. «Es gibt auch junge Leute, die daran sterben.» Auch das Verhalten der jungen Menschen trage massgeblich dazu bei, dass das Gesundheitssystem nicht zusammenbreche.

Wie wahrscheinlich ist eine Ausgangssperre?

Die nächsten zwei Wochen werden laut Günthard zeigen, ob die Massnahmen erfolgreich sind. «Wenn nicht, droht ein Shutdown», vermutet der Infektiologe.

Darum fällt das Zuhausebleiben so schwer

In den eigenen vier Wänden mangelt es an nichts. Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, während der Corona-Krise zu Hause zu bleiben. Typisch für unsere beschleunigte Gesellschaft sei, dass viele Menschen wie mit Scheuklappen durch das eigene Leben rennen würden, sagt Mark Riklin, Soziologe an der FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Soll man zu Hause bleiben, ist man auf sich selber zurückgeworfen und muss sich selber aushalten. Das fällt manch einem schwer.» Plötzlich kämen die wesentlichen Fragen des Lebens an die Oberfläche. «Die bequemste Variante ist immer, die Ablenkung im Äussern zu suchen.» In diesem Sinne ist die Quarantäne laut Riklin eine Chance, zu sich selber zu kommen.

Der aufgezwungene Rückzug in die eigenen vier Wände könne auch eine Chance für Neuanfänge sein. Die gewonnene Zeit biete Gelegenheit, die eigenen Leidenschaften besser wahrnehmen und sich neu zu entdecken. «Kinder können das unglaublich gut. Sie geniessen es, Freiräume zu haben und ihre eigenen Ziele zu setzen.» Starteten auch die Erwachsenen Selbstversuche, entdeckten sie vielleicht Dinge, die über diese Krise hinaus Bedeutung haben könnten. «Ich zum Beispiel habe angefangen, mit drei Keulen zu jonglieren.»

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