Boykott-Aufruf der Juso: Darf man in der Türkei noch Ferien machen?
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Boykott-Aufruf der JusoDarf man in der Türkei noch Ferien machen?

Die Juso ruft wegen der Rolle der Türkei im Syrien-Krieg dazu auf, den Tourismus im Land zu boykottieren.

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daw/nk
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Der Bundesrat soll offiziell dazu aufrufen, den Tourismus in der Türkei zu boykottieren. Das fordert die Juso als eine von zahlreichen Sofortmassnahme gegen den Krieg in Syrien.

Der Bundesrat soll offiziell dazu aufrufen, den Tourismus in der Türkei zu boykottieren. Das fordert die Juso als eine von zahlreichen Sofortmassnahme gegen den Krieg in Syrien.

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Wer in Antalya oder Bodrum am Strand liege und die türkische Wirtschaft ankurble, helfe der Erdogan-Regierung, sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello.

Wer in Antalya oder Bodrum am Strand liege und die türkische Wirtschaft ankurble, helfe der Erdogan-Regierung, sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello.

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«Ich bin kein Moralapostel. Aber man muss sich vor Augen führen, dass man als Tourist einen Typen unterstützt, der wie ein Diktator herrscht und eine aggressive Expansionspolitik betreibt, wie das Vorrücken in Afrin zeigt», sagt Funiciello.

«Ich bin kein Moralapostel. Aber man muss sich vor Augen führen, dass man als Tourist einen Typen unterstützt, der wie ein Diktator herrscht und eine aggressive Expansionspolitik betreibt, wie das Vorrücken in Afrin zeigt», sagt Funiciello.

Keystone/Peter Klaunzer

Jüngst meldeten Schweizer Reiseveranstalter, dass die Buchungen für die Türkei nach Terroranschlägen und dem Putschversuch im Juli 2016 wieder anziehen. So erleben etwa Badeorte wie Antalya eine Steigerung um 200% gegenüber 2017, wie das Buchungsportal ebookers am Montag meldete.

Just in diesem Moment fordert die Juso die Schweizer Regierung auf, zum Boykott des Tourismus in der Türkei aufzurufen – als eine von zahlreichen Sofortmassnahmen gegen den Krieg in Syrien (siehe Box).

Wer in Antalya oder Bodrum am Strand liege und die türkische Wirtschaft ankurble, helfe der Erdogan-Regierung, sagt Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Indirekt würden so auch Erdogans kriegerische Aktionen in Syrien unterstützt. Die türkische Armee ist in Nordsyrien in die kurdische Stadt Afrin einmarschiert.

«Aggressive Expansionspolitik»

«Ich bin kein Moralapostel. Aber man muss sich vor Augen führen, dass man als Tourist einen Typen unterstützt, der wie ein Diktator herrscht und eine aggressive Expansionspolitik betreibt, wie das Vorrücken in Afrin zeigt», sagt Funiciello. Das kurdische Volk werde massakriert. Die internationale Gemeinschaft schaue wie der Bundesrat weg, da man nicht wolle, dass Erdogan die Flüchtlinge wieder nach Europa lasse. «Mit einem Tourismus-Boykott kann man auf individueller Ebene ein Zeichen setzen.»

Für Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, ist das eine unnötige Provokation: «Unter dem Tourismus-Boykott würde die Bevölkerung leiden. Man schlägt den Hund und meint den Meister – solche Sanktionen sind kontraproduktiv.» Verzichte man auf Türkei-Ferien, würde dies Fundamentalisten bloss Nahrung geben, um den Hass auf den Westen zu schüren. Würde gar der Bundesrat zum Boykott aufrufen, sei eine diplomatische Krise programmiert: «Nur eine neutrale Schweiz kann als Förderin des Friedens zwischen den Konfliktparteien vermitteln.»

«Blockaden bewirken meist das Gegenteil»

Auch Serif Yildiz, Vizepräsident von Müsiad Switzerland, dem Schweizer Ableger des türkischen Unternehmerverbands, hält einen Boykott für den falschen Weg: «Blockaden bringen meistens nichts, sondern bewirken gerade das Gegenteil.» Er stehe für einen sachlichen Dialog ein, sagt er. So werde der Verband auch mit der Juso Kontakt aufnehmen: «Wir wollen sie bitten, vom Boykottaufruf abzusehen.»

Der Verband wolle auch einen demokratischen Rechtsstaat in der Türkei und seine Mitglieder seien keine Erdogan-Jünger, so Yildiz. «Doch er hatte seine Gründe für den Einmarsch in Afrin, in ein Gebiet, aus dem täglich Bomben in die Türkei geflogen sind.»

Sofortmassnahmen gegen Syrien-Krieg

Neben dem Tourismus-Boykott fordert die Juso-Geschäftsleitung den Bundesrat in einem Papier auf, bis Ende Mai sieben weitere Sofortmassnahmen gegen den Krieg in Syrien umzusetzen. Die Jungpartei verlangt unter anderem einem Stopp aller Waffenlieferungen in die ganze Region.

Auch soll die Schweiz kein Öl mehr von Ländern wie Iran, Irak oder Saudiarabien kaufen und Öllieferungen von türkischen Mittelmeerhäfen meiden. Sollten «Kriegstreiber» aus dem Erdogan-Umfeld Bankkonti in der Schweiz haben, müssten diese eingefroren werden. Zudem verlangt die Juso die Aufnahme von 100'000 Flüchtlingen direkt aus Syrien.

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