Schweizer Radios: Darf man Jacksons Musik jetzt noch spielen?
Aktualisiert

Schweizer RadiosDarf man Jacksons Musik jetzt noch spielen?

Nach der kontroversen Dokumentation «Leaving Neverland» stellt sich Fans und Radios die Frage: Ist es noch okay, Michael Jacksons Musik zu spielen und zu hören?

von
Martin Fischer
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Michael Jackson ist eine Ikone der Popmusik und hat zahlreiche zeitlose Hits geschrieben. Die Songs sind bei Musikhörern wie Radiostationen auch zehn Jahre nach dessen Tod beliebt.

Michael Jackson ist eine Ikone der Popmusik und hat zahlreiche zeitlose Hits geschrieben. Die Songs sind bei Musikhörern wie Radiostationen auch zehn Jahre nach dessen Tod beliebt.

AP/Rusty Kennedy
In Anbetracht der Schwere der Anschuldigungen gegen den King of Pop haben sich mehrere ausländische Radiosender entschieden, keine Jackson-Songs mehr zu spielen – zumindest vorübergehend. Schweizer Radios spielen seine Musik weiterhin.

In Anbetracht der Schwere der Anschuldigungen gegen den King of Pop haben sich mehrere ausländische Radiosender entschieden, keine Jackson-Songs mehr zu spielen – zumindest vorübergehend. Schweizer Radios spielen seine Musik weiterhin.

WENN
US-Musiker R. Kelly ist derzeit wegen sexuellem Missbrauch angeklagt. Im Fernsehen beteuerte er unter Tränen seine Unschuld. Seine Musik wird auf Radiosendern zurzeit kaum gespielt.

US-Musiker R. Kelly ist derzeit wegen sexuellem Missbrauch angeklagt. Im Fernsehen beteuerte er unter Tränen seine Unschuld. Seine Musik wird auf Radiosendern zurzeit kaum gespielt.

Screenshot CBS

Die Ausgangslage

In «Leaving Neverland», einer vierstündigen Dokumentation über zwei Männer, die mutmasslich als Kinder von Michael Jackson missbraucht worden sind, bringen die beiden Protagonisten happige Vorwürfe gegen die Popikone vor. Der US-Sender HBO hat die Doku diese Woche in zwei Teilen ausgestrahlt. Wie viel daran wahr ist, wird sich wohl nie abschliessend klären lassen.

Die ersten Reaktionen

Im Zuge der aktuellen Anschuldigungen stellt sich die Frage, ob Jacksons Musik noch unbefangen gehört und ohne Vorbehalte gespielt werden kann.

Norwegens Rundfunk spielt zwei Wochen lang keine Musik von Jackson mehr. In Kanada streichen ebenfalls mehrere grosse Sender die Songs des King of Pop «bis auf Weiteres» aus dem Programm.

Radios streichen Michael-Jackson-Songs

Die erschütternden Anschuldigungen von Michael Jacksons angeblichen Missbrauchsopfern in der Dokumentation «Leaving Neverland» zieht weite Kreise. Unter anderem die britische BBC hat die Songs des 2009 verstorbenen King of Pop nun aus dem Programm genommen. <i>(Video: Vizzr/Tamedia)</i>

«Leaving Neverland» beherrscht zurzeit die Schlagzeilen. (Video: Vizzr/Tamedia)

Was macht Radio SRF?

Wie gehen Schweizer Radios mit dem musikalischen Erbe des zweifelsohne grossen, aber umstrittenen Künstlers um? Bei SRF verfolge man die aktuelle Diskussion, sagt Musikchef Michael Schuler – und wartet vorerst ab. «Wir entscheiden zu einem späteren Zeitpunkt, ob wir Songs von Michael Jackson weiterhin im Programm spielen werden.»

Wie sehen es die privaten Radiosender?

Diese Herangehensweise teilen die grossen Schweizer Privatsender. Die Doku ist Thema in den Redaktionen. Aber: «Ein Verzicht auf die Songs von Michael Jackson kommt für uns nicht in Frage. Wir wissen, dass unserer Hörerinnen und Hörer das musikalische Werk von Michael Jackson sehr mögen und schätzen», erklärt Christian Jäckli im Namen der Radiosender von CH Media, zu denen unter anderem Radio 24, Radio Argovia und Radio Pilatus gehören.

Daniel Wüthrich, Musik-Chef bei Radio 1, verweist auf den Umstand, dass Jackson nie verurteilt worden sei. «Michael Jackson ist im Jahr 2005 in sämtlichen zehn Anklagepunkten von den Geschworenen einstimmig freigesprochen worden. Und 1994 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs eingestellt.»

Beschweren sich Zuhörer?

Die von 20 Minuten angefragten Sender SRF, Radio NRJ, Radio 1, Radio 24 und Radio Pilatus haben bisher keine Rückmeldungen von Hörern erhalten, die sich an Jackson-Songs im Programm stören.

Was sagen Opferstellen zur Situation?

Bei Castagna, der Zürcher Beratungsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder und Jugendliche, schätzt man den Jackson-Boykott ausländischer Radios als «konsequent» und als «klares Statement gegen sexuelle Gewalt an Kindern». Lilian Schaad, Sozialarbeiterin bei Castagna, sagt: «Für uns und Betroffene von sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter ist es unverständlich, weshalb Schweizer Radiosender ‹diese Seite› von Michael Jackson ausblenden.»

Was macht Spotify?

Spotify ging das Problem mit der Musik umstrittener Künstler schon Anfang Jahr an. Der weltweit grösste Streaming-Anbieter bietet die Option, einzelne Künstler gezielt zu blockieren. Dazu muss man lediglich das Profil des Künstler aufrufen und gelangt mit einem Klick zur Auswahl «Diesen Künstler nicht spielen».

Und was ist mit R. Kelly?

Gemäss Airplay.ch spielen zurzeit nur vier Sender in der Schweiz Musik des US-Künstlers R. Kelly (52), dem ebenfalls sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen wird. Die Plays beschränken sich auf 20 innert eines Monats, mehr als die Hälfte geht auf das Konto von Radio Basilisk.

Im Gegensatz zu Michael Jacksons Musik sind Kellys Songs aber musikhistorisch weit weniger gewichtig. «R. Kelly läuft schon lange nicht mehr in unserem Programm, seine Songs erfreuen sich bei unseren Hörern keiner relevanten Beliebtheit», sagt Roger Spillmann, Radio-Chef bei NRJ.

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