Lieber Phil Geld: Darf mein Chef meine Stelle ausschreiben?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldDarf mein Chef meine Stelle ausschreiben?

Nathalie (29) ist krankgeschrieben und findet ihre eigene Stelle ausgeschrieben. Darf ihr Chef das, ohne sie zu informieren? Und kann er ihr kündigen, während sie krank ist?

Ein Arbeitgeber darf Ihre Arbeitsstelle jederzeit ausschreiben und braucht Sie vorher grundsätzlich nicht darüber zu informieren.

Ein Arbeitgeber darf Ihre Arbeitsstelle jederzeit ausschreiben und braucht Sie vorher grundsätzlich nicht darüber zu informieren.

Lieber Phil Geld

Ich arbeite seit Dezember 2013 in einer Firma und bin seit Mitte August 2014 wegen eines Unfalls krankgeschrieben. Kurz zuvor musste ich fast zwei Wochen zuhause bleiben, weil mein Sohn krank war. Mein Chef war über meine erneute Abwesenheit natürlich nicht erfreut. Wenn ich ihn anrufe, antwortet er nicht. Nun habe ich auf den Hinweis einer Freundin hin Jobplattformen besucht und dabei meine Stelle ausgeschrieben gefunden. Darf mein Chef meine Stelle ausschreiben, ohne mich vorher darüber zu informieren? Und darf er mir kündigen, obwohl ich im Moment arbeitsunfähig bin?

Liebe Nathalie

So verletzend es für den einzelnen Menschen sein kann - ein Arbeitgeber darf jederzeit deine Arbeitsstelle ausschreiben und braucht dich vorher grundsätzlich nicht zu informieren. Allenfalls könnte aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers heraus Art. 328 OR eine gewisse Informationspflicht des Arbeitgebers bestehen. Nach Ablauf der Probezeit sind die Sperrfisten zu beachten. Wenn du mit einem Arztzeugnis krankgeschrieben bist, darf er dir während einer bestimmten Frist nicht kündigen (Art. 336c OR). Diese Sperrfist beträgt im ersten Dienstjahr 30 Tage, vom zweiten bis fünften Dienstjahr 90 Tage und danach 180 Tage. Fehlt eine Person an der Arbeit kurz hintereinander wegen zwei voneinander unabhängigen Ereignissen (das heisst unterschiedlichen Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit und auch keinen eindeutig daraus resultierenden Folgeursachen), wie das die Krankheit deines Sohnes und dein Unfall sind, so beginnt mit dem zweiten Ereignis eine neue Sperrfrist zu laufen. Fehlst du wegen desselben Unfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder am Arbeitsplatz oder allenfalls wegen einer klaren Folgeursache, so löst das grundsätzlich keine neue Sperrfist aus. Problematisch kann allenfalls die Beweisbarkeit einer klar neuen Folgeursache sein.

Welche Sperrfrist in deinem Fall angewendet werden muss, ist abhängig davon, in welchem Dienstjahr sich der Sachverhalt abgespielt hat. Dein Arbeitsbeginn war am 1. Dezember 2013. Seit dem 13. August 2014 bist du krankgeschrieben. Mit der Sperrfrist von 30 Tagen darf dir somit ab dem 12. September 2014 gekündigt werden. Da normalerweise auf Ende eines Monats gekündigt wird, läuft dein Arbeitsvertrag mit einer Kündigungsfrist von einem Monat bis Ende Oktober 2014, bei zwei Monaten bis Ende November 2014. Damit endet das Arbeitsverhältnis innerhalb des ersten Dienstjahres. Solltest du nun aber eine Kündigungsfrist von drei Monaten haben, so würde die Kündigungsfrist erst im zweiten Dienstjahr ablaufen. Damit verlängert sich die Sperrfrist auf 90 Tage und die reguläre Kündigungsfrist beginnt erst ab Ende Oktober 2014 zu laufen. Das Arbeitsverhältnis würde somit Ende Februar 2015 enden.

Sobald du wieder gesund bist, sind die Sperrfristen hinfällig und eine Kündigung kann jederzeit ausgesprochen werden.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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