Aktualisiert 11.05.2017 12:49

Absurde Reklamationen«Darf mein Nachbar nachts aufs WC gehen?»

Lauter Sex in der Mietwohnung ist okay, Trompetenspiel aber nicht. Ein Rechtsberater des Mieterverbands erzählt, was erlaubt ist und was nicht.

von
Laly Zanchi
1 / 11
Ruedi Spöndlin hat in seiner Funktion als Rechtsberater beim Schweizer Mieterverband schon mit vielen unzufriedenen Mietern zu tun gehabt. Er hat 20 Minuten von seinen skurrilsten Reklamationen erzählt und erklärt, welche Geräusche in einer Mietwohnung zulässig sind.

Ruedi Spöndlin hat in seiner Funktion als Rechtsberater beim Schweizer Mieterverband schon mit vielen unzufriedenen Mietern zu tun gehabt. Er hat 20 Minuten von seinen skurrilsten Reklamationen erzählt und erklärt, welche Geräusche in einer Mietwohnung zulässig sind.

Keystone/Christian Beutler
Fühlen sich Mieter von den Pinkel- oder Spülgeräuschen gestört, muss man damit leben. Spöndlin erinnert sich daran, wie ihn eine Mieterin verlegen gefragt habe, ob sie ihrem Nachbarn verbieten könne, nachts auf die Toilette zu gehen. «Natürlich mussten wir ihr sagen, dass das nicht geht.»

Fühlen sich Mieter von den Pinkel- oder Spülgeräuschen gestört, muss man damit leben. Spöndlin erinnert sich daran, wie ihn eine Mieterin verlegen gefragt habe, ob sie ihrem Nachbarn verbieten könne, nachts auf die Toilette zu gehen. «Natürlich mussten wir ihr sagen, dass das nicht geht.»

Auch wenn vielerorts zwischen 12 und 13 Uhr Ruhezeit gilt, dürfen Mieter das Geschirr über Mittag abwaschen. Spöndlin erinnert sich an einen verärgerten Mieter, der das Geräusch sogar auf einem Gerät aufgenommen hatte. Genützt hat ihm das nichts.

Auch wenn vielerorts zwischen 12 und 13 Uhr Ruhezeit gilt, dürfen Mieter das Geschirr über Mittag abwaschen. Spöndlin erinnert sich an einen verärgerten Mieter, der das Geräusch sogar auf einem Gerät aufgenommen hatte. Genützt hat ihm das nichts.

Keystone/Gaetan Bally

Wenn Menschen auf engem Raum mit ihren Nachbarn zusammenleben, kann jede Sekunde Ruhe kostbar werden. Da können beim kleinsten Geräusch schnell die Nerven blank liegen. Manche Vermieter versuchen sich mit extrem detaillierten Hausordnungen zu helfen und den Frieden im Wohnkomplex zu bewahren.

Ruedi Spöndlin hat in seiner Funktion als Rechtsberater beim Schweizer Mieterverband schon mit vielen unzufriedenen Mietern zu tun gehabt. Er hat 20 Minuten von seinen skurrilsten Reklamationen erzählt und erklärt, welche Geräusche in einer Mietwohnung zulässig sind.

Nachts aufs Klo

Fühlen sich Mieter von den Pinkel- oder Spülgeräuschen gestört oder werden sie gar davon geweckt, muss man damit leben. Spöndlin erinnert sich daran, wie ihn eine Mieterin verlegen gefragt habe, ob sie ihrem Nachbarn verbieten könne, nachts auf die Toilette zu gehen. «Natürlich mussten wir ihr sagen, dass dies nicht geht.»

Mittags Geschirr abwaschen

Auch wenn vielerorts zwischen 12 und 13 Uhr Ruhezeit ist, dürfen Mieter das Geschirr über Mittag abwaschen. Spöndlin erinnert sich an einen verärgerten Mieter, der das Geräusch sogar auf einem Gerät aufgenommen hatte. Genützt hat ihm das nichts.

Nachts Möbel umstellen

Ab und zu beschweren sich laut Spöndlin Leute darüber, dass ihre Nachbarn nachts ummöblieren würden. Dies ist nicht erlaubt. «Bei solchen Reklamationen stellt sich dann aber oft heraus, dass der Nachbar bloss ein paar Mal von seinem Stuhl aufgestanden ist.»

Haben Sie auch schon eine absurde Reklamation von einem Nachbarn bekommen? Erzählen Sie uns davon.

Nächtliche Unterhaltungen

Auch in der Nacht sind nicht alle Geräusche absolut verboten. Während der Nachtruhe gilt laut Spöndlin ‹Zimmerlautstärke›. «Das heisst, dass man so laut reden und Musik hören darf, dass man es im gleichen Zimmer versteht.» Auf einem Balkon gelte «ab Eintritt der Nachtruhe ‹Tischlautstärke›, so dass man es nur noch am gleichen Tisch versteht.»

Lauter Sex

Hörbaren Sex in der Mietwohnung zu haben ist nicht verboten. «Sogenannte ‹Lustgeräusche› gehören zu den normalen Lebensgeräuschen dazu», sagt Spöndlin.

Schreiende Babys

Babygeschrei ist unvermeidbar und muss von den Nachbarn toleriert werden. Ältere Kinder haben auch das Recht, in der Wohnung tagsüber zu spielen. Nachts sollten Kinder aber nicht laut toben oder schreien. «Wenn ein Kind einen nächtlichen Tobsuchtsanfall hat, können die Eltern auch nicht immer etwas dagegen tun», sagt Spöndlin. Wer in der Nähe von Familien lebt, müsse mit solchen Geräuschen rechnen.

Musizieren

Reklamationen wegen Klavierspiel würden immer wieder bei der Beratungsstelle eingehen. «Zwei bis drei Stunden am Tag ein Instrument zu spielen, ist aber völlig akzeptabel», sagt Spöndlin. Sehr laute Instrumente wie Schlagzeug oder Trompete solle man aber nicht in einer Mietwohnung üben.

Laut Musik hören oder fernsehen

Übermässig lautes Musikhören oder Fernsehen sollte aus Respekt gegenüber den Nachbarn vermieden werden. «Man erlebt manchmal junge Mieter mit null Wohnkompetenz, die zu später Stunde noch laut Musik hören und aggressiv reagieren, wenn man sie darauf anspricht», sagt Spöndlin. Es komme aber auch vor, dass ältere Bewohner zu laut fernsehen, weil sie nicht mehr gut hören.

Was, wenn der Nachbar dauernd reklamiert?

Wenn ein Mieter mit ungerechtfertigten Lärmreklamationen Psychoterror macht, habe der andere Mieter oft das Nachsehen. Laut Spöndlin hat der Mieter, der zuerst reklamiert, die Verwaltung meist für sich eingenommen. «Hat der Vermieter Grund zur Annahme, dass ihm der Reklamierer zu viele Mieter vertreibt, kann eine Kündigung durchaus gerechtfertigt sein», sagt Spöndlin. Das sei aber schwierig zu beweisen, und man versuche in der Regel, zwischen den Mietern zu vermitteln. «Sonst raten wir meist dem anderen Mieter, sich eine neue Wohnung zu suchen. In so einem Haus wird man auf Dauer nicht glücklich.»

Die Dauerreklamierer sind laut Annekäthi Krebs vom Hauseigentümerverband auch für Vermieter eine schwierige Situation. «Solche Mieter wird es immer geben, man muss als Vermieter lernen einzustufen, ob sie die Lebensqualität der anderen Mieter einschränken und angemessen handeln.» Dass der Mieter, der zuerst eine Reklamation macht, von der Verwaltung bevorzugt behandelt wird, kann Krebs nicht bestätigen. «Reklamiert ein Mieter sehr häufig, riskiert er im Gegenteil, nicht mehr glaubwürdig zu sein, und verdirbt es sich allenfalls mit der Verwaltung.» Reklamiere er hingegen in zehn Jahren einmal, werde ihm viel mehr Glauben geschenkt.

Haben Sie auch schon eine absurde Reklamation von einem Nachbarn bekommen? Erzählen Sie uns davon!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.