Lieber Phil Geld: Darf mich der Chef per Kamera überwachen?
Aktualisiert

Lieber Phil GeldDarf mich der Chef per Kamera überwachen?

Sabinas (35) Chef nutzt die Diebstahlüberwachungskameras zur Kontrolle der Angestellten. Ist das erlaubt?

Erlaubt ist eine Überwachungsanlage nur dann, wenn es für die Sicherheits- und Produktesteuerung notwendig ist. Aber auch dann dürfen Videokameras nicht beliebig eingesetzt werden.

Erlaubt ist eine Überwachungsanlage nur dann, wenn es für die Sicherheits- und Produktesteuerung notwendig ist. Aber auch dann dürfen Videokameras nicht beliebig eingesetzt werden.

Lieber Phil Geld

Bei uns im Geschäft gibt es Überwachungskameras, um Diebstähle zu verhindern. Die Kamerabilder werden zu unserem Chef nach Hause übertragen. Dieser ruft immer wieder an und gibt uns von dort aus Instruktionen. Faktisch heisst das, dass er uns mit den Kameras überwacht, was er allerdings bestreitet. Muss ich mir das gefallen lassen?

Liebe Sabina

Die von deinem Chef praktizierte (Fern-) Beobachtung des Betriebs durch die Videoanlage ist unzulässig. Die Mitarbeitenden in einem Umfeld arbeiten zu lassen, in dem sie sich permanent oder stichprobenmässig kontrolliert fühlen, verletzt den Persönlichkeitsschutz.

Der Arbeitgeber muss gemäss Obligationenrecht Art. 328die Integrität des Arbeitnehmers achten und schützen. Überwachungs- und Kontrollsysteme, die das Verhalten der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz überwachen sollen, sind verboten, präzisiert die Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz. Die Wegleitung zur Verordnung verbietet explizit Videoanlagen und Kameras, die aufnehmen, was die Arbeitnehmenden machen und wie sie das tun.

Erlaubt ist eine Überwachungsanlage nur dann, wenn es für die Sicherheits- und Produktesteuerung notwendig ist. Das kann also durchaus in eurem Geschäft der Fall sein. Aber auch dann dürfen Videokameras nicht beliebig eingesetzt werden. Angestellte permanent zu filmen – angeblich weil die Kasse geschützt werden muss – wäre unverhältnismässig. Wo Kameras wirklich nötig sind, müssen sie auf die Verkaufsgegenstände im Regal oder am Bankschalter auf die Kundenzone gerichtet sein, nicht aber auf das Personal.

Nun lässt sich nicht vermeiden, dass ein Mitarbeiter, der beispielsweise die Regale auffüllt, sich in einer überwachten Zone aufhält. Wie wird in einem solchen Fall sichergestellt, dass die Überwachung nur zur Diebstahlbekämpfung und nicht auch zur Personenüberwachung genutzt wird?

Coop löst das Problem so, dass für die Überwachung externe Personen eingesetzt werden oder interne Mitarbeiter, die hierarchisch nicht der Verkaufsstelle, sondern dem Sicherheitsdienst unterstellt sind. Aldi Suisse verzichtet aus Gründen des Mitarbeiterschutzes ganz auf den Einsatz von Kameras in ihren Filialen.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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