Darkrooms: Prozess um Wildsaubar
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Darkrooms: Prozess um Wildsaubar

Betreibt ein 40-jähriger Wirt in Zürich einen Darkroom? Wurde er zu Recht gebüsst? Mit diesen Fragen hat sich am Montag das Zürcher Bezirksgericht beschäftigt.

Antworten erhalten die betroffenen Parteien zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich.

Der Wirt wehrte sich beim Beziksgericht gegen eine Bussenverfügung des Stadtrichteramtes. Dieses hatte ihm im November 2006 wegen Nichtaufrechterhaltens von Ordnung und guter Sitte durch Tolerieren von sexuellen Handlungen unter Lokalgästen eine Busse von 300 Franken sowie Nebenkosten von 281 Franken aufgebrummt.

Die Vorwürfe beziehen sich auf eine so genannte «Wildsaubar» in der Gaststätte des Beschuldigten. Dabei soll die Bar als Darkroom für homosexuelle Handlungen gedient haben. Als Trennwand setzte der Wirt ein Tarnnetz der Schweizer Armee ein. Nach zwei Kontrollen verzeigte ihn die Polizei.

Freispruch verlangt

Der Angeschuldigte verlangte einen Freispruch. Denn die Polizisten hätten ihm zunächst gar nicht gesagt, dass sexuelle Handlungen in der Bar verboten seien. Der Einzelrichter erinnerte ihn daran, dass weder bei der Abnahme des Restaurants noch beim Betriebskonzept von einem Darkroom die Rede gewesen sei.

Der Verteidiger sprach von einem «von der Polizei provozierten Pilotprozess». Dabei gehe es um die Legitimation von Darkrooms in Zürich. Er führte aus, dass die Polizei schon seit 15 Jahre die Einrichtung der Darkrooms toleriert habe. Nun wolle sie aber aus dem Buckel seines Mandanten rechtlich gegen diese vorgehen.

Regelung für Darkrooms

Vor knapp einem Monat hatten sich die Zürcher Stadtverwaltung und die Betreiber von Darkrooms auf Regeln geeinigt. So müssen Darkrooms visuell und akustisch von der restlichen Gewerbefläche eines Gastgewerbelokals abgetrennt sein.

Ausserdem müssen Darkrooms klar als solche beschriftet werden. Das Mindestalter für Darkroom-Besucher beträgt 18 Jahre. Prostitution und sexuelle Handlungen mit gewerblichem Hintergrund in Darkrooms sind verboten.

Betreiber von Darkrooms müssen die Präventionscharta vom Verein Gay-Betriebe Schweiz (VEGAS) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterschreiben und sich an die entsprechenden Richtlinien halten.

Um eine Regelung für den Betrieb von Darkrooms zu erarbeiten, wurden mehrere Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und verschiedenen Vertretern von Interessengruppen aus der Club- und Schwulenszene geführt. Im Vorfeld war immer wieder Kritik am Vorgehen der Stadtpolizei geäussert worden.

(sda)

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