Unnötige Behandlung: Darmkrankheit entpuppt sich als Ketchup-Tütchen

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Unnötige BehandlungDarmkrankheit entpuppt sich als Ketchup-Tütchen

Sechs Jahre lang behandelten die Ärzte bei einer 41-Jährigen die Darmkrankheit Morbus Crohn. Das Problem: Die Frau litt nie darunter.

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Die Patientin hatte sechs Jahre lang Magenschmerzen gehabt, bevor die Ursache des Problems gefunden wurde. Anders als von ihren Ärzten vermutet war nicht etwa die entzündliche Darmkrankheit Morbus Crohn der Auslöser, ...

Die Patientin hatte sechs Jahre lang Magenschmerzen gehabt, bevor die Ursache des Problems gefunden wurde. Anders als von ihren Ärzten vermutet war nicht etwa die entzündliche Darmkrankheit Morbus Crohn der Auslöser, ...

British Medical Journal
... sondern zwei kleine Plastikstücken, die in ihrem Dünndarm steckten und auf denen das Logo der Marke Heinz zu erkennen war.

... sondern zwei kleine Plastikstücken, die in ihrem Dünndarm steckten und auf denen das Logo der Marke Heinz zu erkennen war.

British Medical Journal
Sie stammen wohl von einem Ketchup-Tütchen, wie man es oft in britischen Restaurants serviert bekommt. Nachdem die Ärzte die Kunststoffteile entfernt hatten, verschwanden auch die Symptome der Frau.

Sie stammen wohl von einem Ketchup-Tütchen, wie man es oft in britischen Restaurants serviert bekommt. Nachdem die Ärzte die Kunststoffteile entfernt hatten, verschwanden auch die Symptome der Frau.

Flickr.com/Aslak Raanes/CC BY 2.0

Vor mehr als sechs Jahren ging eine Britin mit heftigen Darmbeschwerden zum Arzt. Krampfartige Bauchschmerzen, krankhafte Blähungen, die tagelang dauerten, und Durchfall machten ihr das Leben schwer.

Für die Mediziner eine klare Sache: Auslöser konnte aus ihrer Sicht nur Morbus Crohn sein, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (siehe Box). Deshalb behandelten sie ihre Patientin entsprechend.

Nichts hilft

Dass die Frau zunächst nicht auf die Behandlungsmethoden reagierte, irritierte ihre Ärzte nicht. Sie verschrieben kurzerhand andere Medikamente. Als auch die keine Besserung bewirkten, blieb den Ärzten nur eines: Operation.

Bei der Bauchspiegelung kam dann die Überraschung: Der Entzündungsherd befand sich im Dünndarm der Britin. Ebenso der Auslöser: zwei kleine Plastikstückchen, auf denen das Logo der Marke Heinz zu erkennen war. Sie stammten wohl von einem Ketchup-Tütchen, wie man es oft in britischen Restaurants serviert bekommt.

Plötzlich geheilt

Nachdem die Ärzte die Kunststoffteile entfernt hatten, verschwanden auch die Symptome der Frau, wie es im «British Medical Journal» heisst. Auch heute, fünf Monate nach der Operation, ist sie beschwerdefrei.

Laut den Ärzten ist es das erste Mal, dass ein verschlucktes Stück Plastik die Symptome von Morbus Crohn hervorruft.

Was ist Morbus Crohn?

Dabei handelt es sich um eine Entzündung, die im gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum After auftreten kann. Bevorzugt befallen sind der untere Dünn- und der Dickdarm, seltener die Speiseröhre und der Mund. Das Problem: Das Immunsystem erkennt körpereigenes Gewebe nicht als solches und greift es an.

Durch die Entzündungen werden die Schleimschichten abgestossen, die eigentlich die Verdauungsorgane schützen. Die Organe sind den Verdauungssäften schutzlos ausgeliefert und werden mit der Zeit immer stärker beschädigt. Morbus Crohn kommt in Schüben, wobei die unterschiedlich stark ausfallen können.

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