Aktualisiert 22.03.2012 15:12

Lieber gut gegartDarmkrebs durch Viren im Rindfleisch?

Sogenannte TT-Viren in Steaks tragen zu einem gesteigerten Darmkrebs-Risiko bei. Davon ist ein deutscher Nobelpreisträger überzeugt. Ein Indiz: Afrika und Indien haben tiefere Darmkrebsraten.

von
rre

Sollen wir das Steak im Restaurant zukünftig nur noch gut durchgebraten essen? Unbedingt – zumindest, wenn es nach Harald zur Hausen geht. Der Mediziner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg äusserte gegenüber dem Magazin «Focus» den dringenden Verdacht, dass sogenannte TT-Viren das Darmkrebs-Risiko deutlich erhöhen.

TT-Viren finden sich - so zur Hausen - besonders häufig bei Rindern. Selbst nach der Schlachtung überlebten die infektiösen Partikel im Fleisch. Gefährlich seien sie für den Menschen, da sie Temperaturen von bis zu 70 Grad standhielten. Ein Problem, insbesondere für Karnivore, die ihr Steak blutig mögen: Hier erreicht die Zubereitungstemperatur nur zwischen 40 bis maximal 70 Grad.

Ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko

Der deutsche Nobelpreisträger wäre kein Wissenschaftler, wenn er sich bei seinen Behauptungen nicht auf empirische Daten stützen würde. Für seine Einschätzung zog der Forscher mehr als 1000 Bevölkerungs-Studien heran. «Die Ergebnisse besagen, dass das Darmkrebsrisiko um 20 bis 30 Prozent steigt, wenn man rotes Rindfleisch verzehrt», sagt zur Hausen und verweist darauf, dass es in der westlichen Welt üblich sei, das Fleisch medium, also nicht ganz durchgegart, zu essen.

Im Vergleich zu gewissen Teilen Afrikas und Indiens, in denen gar kein oder wenig Rindfleisch gegessen werde, sei die Darmkrebsrate bei uns sehr hoch.

Seit Jahren stehen Acrylamid und andere Stoffe, die beim Grillieren oder Braten entstehen, in Verdacht, krebserregend zu sein. Doch das sei nur ein Teil des Problems, davon ist zur Hausen überzeugt: «Diese Stoffe sind nicht alleine an der Krebsentstehung beteiligt», betont er. Sie könnten aber - gemeinsam mit den Viren - das Tumorwachstum begünstigen.

Harald zur Hausen will anhand eines Zellversuchs seine TT-Virus-Theorie beweisen. Im Jahr 2008 erhielt er den Nobelpreis für Medizin, nachdem er nachweisen konnte, dass Papillomviren Gebärmutterhalskrebs auslösen.

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