Die Über-Weltraum-Soap: Darth Vader kann einpacken
Aktualisiert

Die Über-Weltraum-SoapDarth Vader kann einpacken

«Star Wars» ist von gestern: Die Reaper aus «Mass Effect 3» sind die fieseren Bösewichte. Das Action-Rollenspiel erneuert das Science-Fiction-Genre.

von
Jan Graber

Möchten Sie tausend Jahre leben? Ich ja. Nicht dass die Menschen bis dann alle Probleme der Erde gelöst hätten. Ziemlich sicher aber dürften sie bis dahin die Reise zu den Sternen angetreten haben. Nicht erst seit Jules Vernes und der Erfindung von «Star Trek» oder «Star Wars» träumen wir Menschen davon, die Tiefen des Weltraums mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben.

Im Videospieluniversum wurden diese Träume bisher selten sinnvoll umgesetzt. Abgesehen von spielbaren Varianten von SciFi-Filmen und einer Reihe Weltraumstrategie- und Multiplayer-Rollenspielen beschränkten sich die meisten Science-Fiction-Spiele darauf, die übliche Killeraction auf einen fremden Planeten irgendwann in einer fernen Zukunft zu versetzen. Mit «Mass Effect» trat jedoch eine Spielreihe in die Sphäre des Gameuniversums, die die Sehnsucht nach den Sternen erneut zu wecken vermochte. Nun ist der dritte, abschliessende und beste Teil der Trilogie erschienen.

Unbezwingbare Feinde

Nicht dass das Universum von «Mass Effect 3» ein gemütliches wäre: Die Reaper, eine massiv überlegene Spezies, droht das gesamte organische Leben des Weltraums auszulöschen. Der Legende nach tun sie dies unausweichlich alle 50 000 Jahre. Die einzige Chance, sie zu besiegen, sehen visionäre Führer in einem Zusammenschluss der Rassen.

Auftritt Commander Shepard. Der charismatische Krieger und Kapitän des Raumschiffs «Normandy» hatte schon früh vor der übermächtigen Bedrohung gewarnt. Zu sehr waren die Rassen aber in ihre Feindschaften, Machtspiele und Eigeninteressen verstrickt, sie ignorierten die Warnungen. Nach vernichtenden Angriffen der Reaper auf die Erde und weitere bewohnte Planeten hören sie aber plötzlich auf Shepard und sehen in ihm den Helden, der die Mächtigen der verschiedenen Rassen und Völker an einen Tisch bringen kann.

Bis ins Letzte durchdacht

Dies alles wäre nichts Neues: Dass ein einzelner Protagonist gegen einen übermächtigen Feind antritt, gehört zum Grundprinzip eines Grossteils der Videospiele. Was «Mass Effect 3» vom Rest abhebt, sind jedoch die Spieltiefe und die bis ins letzte Detail durchdachte, dichtgewobene Hintergrundgeschichte.

Wer «Mass Effect 3» im Rollenspielmodus spielt (im Gegensatz zum Actionmodus oder Storymodus, siehe Video), kann sich neben unzähligen Missionen, Miniaufgaben und adrenalinhaltigen Gefechten mit herausragenden Rollenspielmomenten vergnügen. Die Dialoge, die der Spieler in der Rolle von Commander Shepard führt, geben Einblicke in die psychologischen, familiären und machtrelevanten Verstrickungen der nicht spielbaren Figuren - darunter auch zahlreiche Gesichter, die «Mass Effect»-Fans aus den beiden ersten Teilen kennen.

Ein ganzes Universum

Die persönlichen Schicksale sind eingebettet in ein Universum voller faszinierender Völker, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ebenso wie bei «Star Trek» und «Star Wars» liegt die Stärke in der Stimmigkeit – die Rassen haben eine Geschichte, die ihre Freund- und Feindschaften definiert. Sie verfügen über Mentalitäten, Verhaltensweisen und Eigenheiten, welche sie einzigartig machen.

Im Zentrum all dessen steht aber Commander Shepard und die Möglichkeit für Spieler, ihn nach eigenem Gutdünken zu gestalten und sich verhalten zu lassen. Dazu gehören die individuellen Upgrade-Möglichkeiten für den Helden, seine Begleiter und das Waffenarsenal zu entscheiden. Je nachdem wird der Held zu einer anderen Person und seine Gefährten verhalten sich anders.

Fazit: Enorme Spieltiefe

«Mass Effect 3» vereinnahmt durch die Möglichkeit, den Helden Shepard auf höchst individuelle Weise zu spielen und wartet mit einer enormen Spieltiefe auf. Die Action findet in einem vorstellbaren zukünftigen Universum statt, das in seiner Ausgestaltung den Vergleich mit klassischen epischen Weltraum-Storys nicht fürchten muss. Im Gegenteil: «Mass Effect 3» führt den Traum dort weiter, wo «Star Wars» wie eine Saga von gestern wirkt.

Die drei Schwierigkeitsgrade von «Mass Effect 3»

(Quelle: GameStar/YouTube)

Gametrailer «Mass Effect 3: Against all Odds

So spielt sich «Mass Effect 3»

Als 2007 das Action-Rollenspiel «Mass Effect» aus dem Hause Bioware erschien, stellte das Game in der Folge alles in den Schatten, was zuvor an spielbaren Weltraum-Soaps erschienen war. «Mass Effect» war gross. Noch grösser war «Mass Effect 2», weil nicht nur die Story dichter gewoben und die Charaktere tiefer gezeichnet sondern auch die Action ausbalancierter programmiert waren als im ersten Teil. Mit «Mass Effect 3» setzt Bioware nochmals eins oben drauf.

Je nach der Wahl eines der drei Spielmodi Action, Rollenspiel und Story (siehe Video) haben Spieler die Möglichkeit, ihren eigenen Commander zu gestalten, der neu auch eine Frau sein kann. Die tiefste Spielerfahrung liefert der Rollenspielmodus: Hier bieten sich Spielern ausführliche Dialoge, die über die Entwicklung ihres Helden bestimmen. In Gefechten, entscheidet der Spieler, welche Spezialangriffe Shepard oder einer seiner beiden Begleiter zu einem bestimmten Zeitpunkt ausführen. Auch über die Upgrades von Waffen und Helden bestimmen Spieler im Rollenspielmodus selbst.

Neben der Hauptmission sind es vor allen die vielen Nebenmissionen, die eine Vielfalt von Spielmöglichkeiten bieten. Jede Nebenmission belohnt den Spieler jedoch mit Waffenupgrades, Credits und nimmt auch Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Manche Nebenmissionen fallen zudem weg, sobald sich die Ausgangslage ändert.

«Mass Effect 3» für PS3, Xbox 360, PC.

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