Verrechnungssteuerreform: Darüber stimmen wir bei der Verrechnungssteuerreform ab

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VerrechnungssteuerreformDarüber stimmen wir bei der Verrechnungssteuerreform ab

Am Mittwoch haben die bürgerlichen Jungparteien symbolisch 200 Millionen auf den Bundesplatz gekarrt. Sie wollen die Verrechnungssteuer abschaffen. Doch worum geht es eigentlich?

von
Marino Walser
Daniel Graf
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Am Mittwoch warben die Präsidenten der Jungen SVP, David Trachsel, der FDP, Alec von Barnekow, und der GLP, Tobias Vögeli, auf dem Bundesplatz in Bern für ein Ja bei der Verrechnungssteuerreform. 

Am Mittwoch warben die Präsidenten der Jungen SVP, David Trachsel, der FDP, Alec von Barnekow, und der GLP, Tobias Vögeli, auf dem Bundesplatz in Bern für ein Ja bei der Verrechnungssteuerreform. 

20min/Ela Çelik
Tobias Vögeli, Co-Präsident Junge Grünliberale, sagt: «Für Personen und Anleger aus dem Ausland ist es aber oft kompliziert oder gar nicht möglich, die 35 Prozent Verrechnungssteuer zurückzufordern.» Deshalb sei ein Ja zur Verrechnungssteuerreform wichtig.

Tobias Vögeli, Co-Präsident Junge Grünliberale, sagt: «Für Personen und Anleger aus dem Ausland ist es aber oft kompliziert oder gar nicht möglich, die 35 Prozent Verrechnungssteuer zurückzufordern.» Deshalb sei ein Ja zur Verrechnungssteuerreform wichtig.

20min/Ela Çelik
Alle drei Jungparteien-Präsidenten sind sich einig: Wird die Reform angenommen, hat dies positive Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. «Um Geld aufzunehmen, geben viele Unternehmen ihre Obligationen in Ländern aus, in denen keine Verrechnungssteuer erhoben wird. Der Obligationenmarkt ist zu einem grossen Teil ins Ausland abgewandert. Würden sie das Geld in der Schweiz aufnehmen, könnte der Bund damit bis zu 200 Millionen an zusätzlichen Steuergeldern einnehmen, wie Berechnungen ergeben haben», sagt Vögeli.

Alle drei Jungparteien-Präsidenten sind sich einig: Wird die Reform angenommen, hat dies positive Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. «Um Geld aufzunehmen, geben viele Unternehmen ihre Obligationen in Ländern aus, in denen keine Verrechnungssteuer erhoben wird. Der Obligationenmarkt ist zu einem grossen Teil ins Ausland abgewandert. Würden sie das Geld in der Schweiz aufnehmen, könnte der Bund damit bis zu 200 Millionen an zusätzlichen Steuergeldern einnehmen, wie Berechnungen ergeben haben», sagt Vögeli.

20min/Ela Çelik

Darum gehts

Jungpolitiker von GLP, FDP und SVP karrten am Mittwoch symbolisch 200 Millionen Franken auf den Bundesplatz. Damit warben sie für ein Ja zur Abschaffung der Verrechnungssteuer am 25. September.

Um zu erklären, was eine Verrechnungssteuer ist, ein Beispiel: Angenommen, ein Spital will einen neuen Operationssaal bauen. Dieser kostet zehn Millionen Franken. Um an das benötigte Geld zu kommen, kann das Spital sogenannte Obligationen herausgeben: Anleger wie Banken, Pensionskassen oder Privatpersonen leihen dem Spital die zehn Millionen zu einem fixen Zins und einer fixen Laufzeit. Der Vorteil von Obligationen: Sie sind meist günstiger als Kredite. Nach zehn Jahren erhalten die Geldgeber also beispielsweise die zehn Millionen und 10’000 Franken Zins zurück.

Bund zwackt von den Zinsen auf Obligationen ab

Von diesem Zins bekommen die Geldgeber am Ende der Laufzeit jedoch nur 65 Prozent. Die anderen 35 Prozent werden direkt der Eidgenössischen Steuerverwaltung übergeben. Dies ist die sogenannte Verrechnungssteuer. In der Schweiz wohnende Privatpersonen und Anleger können diese zurückfordern, wenn sie die Zinsen in der Steuererklärung angeben. So soll dafür gesorgt werden, dass alle Kapitalerträge angegeben sind und korrekt Steuern bezahlt werden.

«Für Personen und Anleger aus dem Ausland ist es aber oft kompliziert oder gar nicht möglich, die 35 Prozent Verrechnungssteuer zurückzufordern», sagt Tobias Vögeli, Präsident der JGLP. Dies sei ein Nachteil für die Schweizer Wirtschaft. «Um Geld aufzunehmen, geben viele Unternehmen ihre Obligationen in Ländern aus, in denen keine Verrechnungssteuer erhoben wird. Der Obligationenmarkt ist zu einem grossen Teil ins Ausland abgewandert. Würden sie das Geld in der Schweiz aufnehmen, könnte der Bund damit bis zu 200 Millionen an zusätzlichen Steuergeldern einnehmen, wie Berechnungen ergeben haben.»

Ein weiterer positiver Faktor laut Vögeli: «Investieren ausländische Investoren wieder vermehrt in Schweizer Obligationen, generiert das hierzulande Arbeitsplätze. Die Arbeitnehmenden versteuern ihr Einkommen hier, was Bund und Kantonen zusätzliches Geld in die Kassen spült.»

«200 Millionen sind an den Haaren herbeigezogen»

Für Juso-Präsident Nicola Siegrist hingegen bringt die Verrechnungssteuer-Vorlage mehr Gefahr, Geld zu verlieren, als Chancen, Geld zu generieren. «Die Rechnung der 200 Millionen Franken ist an den Haaren herbeigezogen.» Auch der ehemalige Preisüberwacher Ruedi Strahm habe die Berechnungen der Befürworter als Voodoo-Ökonomie entlarvt. Siegrist sagt: «Die Verrechnungssteuer-Vorlage führt zu Steuerausfällen
von mehreren Hundert Millionen Franken pro Jahr. Bezahlen muss dies einmal mehr die Bevölkerung. Während die Verrechnungssteuer für Obligationen-Grossanleger abgeschafft wird, bleibt sie ausserdem für die Bevölkerung bestehen.»

Zudem profitiere der Bund im Moment davon, dass viele Grossanleger im Ausland die Verrechnungssteuer heute nur teilweise zurückfordern können: «Wenn wir die Vorlage annehmen, schenken wir ausländischen Grossanlegern direkt Hunderte Millionen Steuerfranken.»

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