Kochboxen: Darum abonnieren sich Schweizer den Znacht
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KochboxenDarum abonnieren sich Schweizer den Znacht

Nach Lidl will Coop mit «Betty bringts» ebenfalls eine sogenannte Kochbox auf den Markt bringen. Was hat es mit dem Trend auf sich?

von
Raphael Knecht
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Am 30. Oktober startet Betty Bossi die zweite Testphase für den Kochboxen-Service «Betty bringts». Das Prinzip: Kunden erhalten Rezepte und Zutaten zugestellt, sodass sie nur noch selbst kochen müssen.

Am 30. Oktober startet Betty Bossi die zweite Testphase für den Kochboxen-Service «Betty bringts». Das Prinzip: Kunden erhalten Rezepte und Zutaten zugestellt, sodass sie nur noch selbst kochen müssen.

Betty Bossi
Das Unternehmen testet das Konzept vorerst in Zürich.

Das Unternehmen testet das Konzept vorerst in Zürich.

Keystone/Walter Bieri
Sollte die zweite Testphase erfolgreich sein, ist geplant, «Betty bringts» 2018 definitiv einzuführen, wie Projektleiterin Fabienne Föhn zu 20 Minuten sagt. Langfristiges Ziel sei es, den Service in der ganzen Schweiz anzubieten.

Sollte die zweite Testphase erfolgreich sein, ist geplant, «Betty bringts» 2018 definitiv einzuführen, wie Projektleiterin Fabienne Föhn zu 20 Minuten sagt. Langfristiges Ziel sei es, den Service in der ganzen Schweiz anzubieten.

Keystone/Alessandro Della Bella

Am 30. Oktober startet Betty Bossi in Zürich die zweite Testphase für den Kochboxen-Service «Betty bringts». Das Prinzip: Kunden erhalten Rezepte und Zutaten zugestellt, sodass sie nur noch selbst kochen müssen. Sollte die zweite Testphase erfolgreich sein, ist geplant, «Betty bringts» 2018 definitiv einzuführen, wie Projektleiterin Fabienne Föhn zu 20 Minuten sagt. Langfristiges Ziel sei es, den Service in der ganzen Schweiz anzubieten.

Die Coop-Tochter nimmt es auf mit Konkurrenten wie Lidl, Juts und Hellofresh, die ebenfalls solche Kochboxen anbieten. Warum steigen immer mehr Händler in dieses Geschäft ein? 20 Minuten hat mit Experten gesprochen.

Warum bieten jetzt alle Kochboxen?

«Es muss immer schneller gehen, auch beim Essen», sagt Thomas Brunner, Professor für Konsumverhalten an der Berner Fachhochschule (BFH). Trotzdem würden die einen selber kochen wollen, was mit den Boxen möglich sei. «Solche Dienste eliminieren die mühsamen Aspekte und heben gleichzeitig das Kochen als Erlebnis hervor», so Brunner. Menschen mit wenig Erfahrung könnten die Boxen zudem als Einstieg oder eine Art Horizont-Erweiterung sehen, da man öfter etwas Neues probiere, sagt Christine Schäfer, Forscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI).

Warum wollen Konsumenten nicht mehr einkaufen gehen, sind aber bereit, selbst zu kochen?

Christina Hartmann, Dozentin für Consumer Behavior an der ETH Zürich, verweist auf den Ikea-Effekt. Dieser besagt, dass selbstgemachte Dinge als wertvoller angesehen werden. Selbst wenn sie den Aufwand scheuten, würden Konsumenten also selber kochen wollen, weil «Dinge, die man selbst hergestellt hat, besser schmecken», so Hartmann.

Wer nutzt so ein Angebot?

«Solange es bei den Boxen viele Anpassungsmöglichkeiten gibt, spricht dieses Angebot fast alle Konsumenten an, die keine Zeit für den Einkauf haben», sagt Christine Schäfer. Für viele Anbieter steht etwa Gesundheit im Zentrum, weiss Thomas Brunner: «Konsumenten, denen das wichtig ist, sind weniger preissensitiv und sind bereit, die höheren Kosten zu zahlen.»

Brunner glaubt, dass die Kochboxen vor allem in kleineren Haushalten genutzt werden. Der Grund: «Gerade dort ist es beim Einkaufen manchmal schwierig, passende Verpackungsgrössen zu finden.» Durch die genau abgemessenen Portionen werde das Verschwendungspotenzial reduziert.

Sind Kochboxen besonders nachhaltig?

Christina Hartmann, Dozentin für Consumer Behavior an der ETH Zürich, bezweifelt das. Verpackung und Transport seien Faktoren, die diesbezüglich ins Gewicht fallen könnten.

Was müssen Konsumenten bedenken?

Ein wichtiger Aspekt ist laut Brunner von der Berner Fachhochschule die Lieferzeit. Anbieter müssten sicherstellen, dass das Essen rechtzeitig und in gutem Zustand ankommt: «Wenn die Zutaten erstmal einen halben Tag im Briefkasten liegen, könnte das ein Problem sein.» Ebenfalls wichtig sei das Preis-Leistungs-Verhältnis, so Expertin Hartmann. Die Boxen seien nicht billig, da man für die Auswahl und Lieferung der Zutaten bezahlen müsse.

Gebe ich als Konsument Autonomie auf, wenn ich den eigenen Einkauf durch ein vergleichbar unflexibles Menü ersetze?

«Ja. Jemand anderes entscheidet für mich, was ich täglich esse», sagt Hartmann. Das könne aber auch eine Erleichterung für den Konsumenten sein, dem Entscheidungen abgenommen werden. Christine Schäfer vom GDI betont, dass es bei mehreren Anbietern viele Anpassungsmöglichkeiten gibt. Dass man ein Kochbox-Abo habe, heisse nicht, dass man deswegen nur diese Menüs zubereite, so Schäfer. Es sei primär ein Lösungsansatz für das Zeitproblem des Konsumenten.

Lidl stellte seine Kochboxen Ende August vor.

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