02.08.2020 07:55

Tiefe Lagerbestände

Darum behauptete der Bund so lange, dass Masken nichts bringen

Interne Dokumente zeigen, wieso der Bund lange sagte, dass Masken kaum gegen die Verbreitung des Coronavirus helfen. Es lag offenbar an der fehlenden Verfügbarkeit.

von
Sven Forster

Ernste Lage: BAG-Chef Pascal Strupler.

Darum gehts

  • Im März und April gab es in der Schweiz zu wenige Masken.
  • Der Bund konnte auch deshalb wohl keine Maskenpflicht einführen.
  • Von Ämtern wurden fast eine Million Masken gehortet.

Masken wirkten in der breiten Bevölkerung nicht gegen das Coronavirus. Dies betonte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in den ersten Monaten der Pandemie immer wieder. Interne Protokolle, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, zeigen jetzt: Die Behörden kommunizierten wohl nur so, weil nicht genügend Masken für alle verfügbar waren.

Nachdem Österreich eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum einführte, hiess es in einem Protokoll der Corona-Taskforce: «Lagerbestände mit Hygienemasken sind zurzeit noch ungenügend. Im Moment kann keine Maskentragempfehlung der Bevölkerung ausgesprochen werden.» Dies zeigt laut der Zeitung, dass wohl nicht die Wirksamkeit, sondern die Verfügbarkeit der Masken, die Strategie des Bundes bestimmt hat.

Behörden horten Masken

Zur Kehrtwende kam es erst, als genügend Schutzmaterial da war. «Wir erwarten aktuell 1800 Paletten mit Waren, darunter 90 Millionen Masken», sagte Brigadier Markus Näf, vom Bund für die Beschaffung beauftragt, am 24. April. Eine Woche später wurde vom BAG zum Maskentragen aufgerufen. Die Mehrheit der Bevölkerung hielt sich jedoch nicht an diese Empfehlung, da zu lange kommuniziert wurde, dass die Masken nicht schützen. Es brauchte neue Weisungen. Mittlerweile gibt es im ÖV eine Maskenpflicht und in den Läden wird über eine Maskenpflicht diskutiert.

Wie die «SonntagsZeitung» weiter schreibt, haben die Behörden ausserdem Hunderttausende Masken gehortet, obwohl sie diese öffentlich als wirkungslos bezeichnet hatten. Die Zeitungen berufen sich dabei auf die Direktorenkonferenz des Bundesstabes für Bevölkerungsschutz (BSTB), deren Sitzungsprotokoll sie über das Öffentlichkeitsgesetz erhalten haben. Demnach hiess es vom Direktor des BAG Pascal Strupler im März, dass in den Ämtern Masken und Desinfektionsmittel gehortet würden. «Er ruft zur Vernunft auf und bittet die Ämter, alles Material zur Verfügung zu stellen», hiess es weiter. Bei einer Sammelaktion seien dann fast eine Million Masken zusammengekommen.

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Mit Maske einkaufen? Eine gute Idee, sagt jetzt der Bund.

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KEYSTONE
Das BAG fordert die Kantone zum Handeln auf.

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KEYSTONE
Im ÖV gibts bereits die Pflicht: Pendler tragen am Hauptbahnhof in Zürich Schutzmasken. (6. Juli 2020)

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Foto: Ennio Leanza/Keystone

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731 Kommentare
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TSCH

03.08.2020, 22:34

Der reale Nutzen der allgemeinen Maskenpflicht ist sehr beschränkt. Das Ausziehen und entsorgen der Maske ist bei weitem nicht so wie man es tun sollte und wie es das Spitalpersonal nach Kontakt mir Corona-Patienten macht. Viele Maskenträger verwenden die Einwegmaske mehrmals, manche über einige Tage. Diese Maskenträger werden dann echt gefährlich.

Amythis

03.08.2020, 22:15

BAG hat sich damals nicht einmal die Mühe gegeben, uns Fussvolk zu instruieren, wie man die Masken richtig trägt.

Amythis

03.08.2020, 22:12

Die Beamten haben im März auch den gesamten Lagerbestand der Privatwirtschaft an Schutzmasken direkt ab den grossen Lager der Firmen leergekauft, so dass wir das Fussvolk konsterniert vor leeren Apotheken und Fachgeschäften sowie Online-Shops standen, beschallt mit Masken-Nützen-Nichts-Propaganda von BAG-Koch.