Angst vor grossem Chaos: Darum belastet die amerikanische TV-Debatte unsere Börse
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Angst vor grossem ChaosDarum belastet die amerikanische TV-Debatte unsere Börse

Nach dem ersten TV-Duell von US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden ziehen sich Anleger an den europäischen Aktienmärkten zurück. Auch die Schweizer Kurse notieren tiefer.

Die Highlights der ersten TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden.

Darum gehts

  • Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden belastet die europäischen Aktienmärkte.
  • Unter den Investoren wächst die Angst, dass auch die Wahl vom 3. November im Chaos enden könnte.
  • Einen eindeutigen Sieger des TV-Duells konnten Börsianer nicht ausmachen.

Eine teilweise chaotisch verlaufene erste TV-Debatte im US-Wahlkampf hat Europas Anleger am Mittwoch verunsichert. Der Dax fiel um 0,5 Prozent auf 12’760 Punkte. Der Eurostoxx50 lag bei Börsenschluss um 17.30 Uhr bei einem Minus von 0,32 Prozent. Auch in der Schweiz belastet das TV-Duell die Aktienkurse. Der Schweizer Leitindex SMI notierte zu Börsenschluss rund 0,41 Prozent tiefer.

Der Schlagabtausch zwischen Präsident Donald Trump und seinem Rivalen Joe Biden in der Nacht zu Mittwoch war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen. «Es war nicht schön anzusehen, beide Kontrahenten nahezu die gesamte Zeit gleichzeitig reden zu hören. Nun wird schon darüber spekuliert, ob es vielleicht die letzte TV-Debatte gewesen sein könnte», sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Angst vor dem grossen Chaos

Trump liess erneut offen, ob er eine Niederlage am 3. November ohne weiteres hinnehmen werde, und warnte vor massivem Wahlbetrug bei der Briefwahl. «Damit wächst unter den Investoren zunehmend die Angst, dass auch die Wahl selbst im Chaos enden könnte, falls Trump eine eventuelle Niederlage nicht akzeptieren sollte», sagte Stratege Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Dann fürchten Investoren eine Auseinandersetzung vor Gericht und eine wochenlange politische Hängepartie in der grössten Volkswirtschaft der Welt, die das gerade diskutierte Konjunkturpaket immer weiter verzögern könnte.

Einen eindeutigen Sieger des TV-Duells konnten Börsianer nicht ausmachen. «Wenn das der Versuch war, die Meinung von jemanden zu ändern, der unentschlossen ist, glaube ich nicht, dass diese Debatte, wie sie genannt wird, das hinbekommen hat. Sie war ausser Kontrolle», sagte Quincy Crosby, Chefmarktstratege von Prudential Financial.

Davon abgesehen wären weitere vier Jahre Trump manchem Börsianer nur recht. Denn Analysten gehen davon aus, dass Herausforderer Biden die Steuern erhöhen dürfte, was die Gewinne der Firmen schmälern würde.

Auch Corona-Angst und Brexit spielen mit hinein

Als weiteren Belastungsfaktor für die Märkte nannten Börsianer die steigenden Corona-Neuinfektionen und damit einhergehende Befürchtungen, dass weitere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie die Wirtschaft belasten könnten.

Zudem sorgten die in einer kritischen Phase steckenden Brexit-Verhandlungen für Verunsicherung. Das britische Unterhaus hat ungeachtet aller Warnungen der EU das umstrittene Binnenmarktgesetz von Premierminister Boris Johnson verabschiedet. Das Pfund gab auf 1,2832 Dollar nach.

Händlern zufolge hatten sich Investoren bereits auf grünes Licht für das Gesetz vorbereitet, weswegen sich die Verluste in Grenzen hielten. Das Gesetz soll der Regierung in London die Möglichkeit geben, die im Brexit-Vertrag festgeschriebene Regelung auszuhebeln, nach der im britischen Nordirland auch künftig EU-Zoll-Regeln gelten sollen. Die EU spricht von einer Verletzung des Vertrags und hat mit juristischen Schritten gedroht.

(REUTERS)

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