Rätsel gelöst: Darum bewegen sich diese Kaninchen im Handstand fort
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Rätsel gelöstDarum bewegen sich diese Kaninchen im Handstand fort

Gefragt, wie sich Kaninchen fortbewegen, würde wohl jeder «Hoppeln» sagen. In der Regel stimmt das auch – ausser bei Vertretern der Art Sauteur-d’Alfort. Die sind, wenn es schnell gehen muss, anders unterwegs.

von
Fee Anabelle Riebeling

Dieser Handstand hat mit Artistik nichts zu tun: Die Sauteur-d’Alfort-Kaninchen können sich nicht anders fortbewegen.

Video: 20M/Carneiro M et al., 2021, Plos Genetics

Darum gehts

  • Sauteur-d’Alfort-Kaninchen sind etwas ganz Besonderes.

  • Anders als andere Kaninchenarten hoppeln sie nicht, wenn es schnell gehen muss, sondern laufen Handstand.

  • Jetzt haben Forscher nachgewiesen, woran das liegt.

Auf alle Fälle ungewöhnlich: So lässt sich die Fortbewegung der Sauteur-d’Alfort-Kaninchen wohl am besten beschreiben. Die seltenen Zuchtkaninchen hoppeln nämlich nicht, sondern sind oft auf den Vorderbeinen unterwegs, zumindest, wenn es schnell gehen soll: Sobald sie Tempo aufnehmen wollen, heben sie ihr Hinterteil in die Luft und laufen im Handstand. Sind sie langsam unterwegs, unterscheiden sie sich nicht von Vertretern anderer Rassen.

Warum das so ist, war bislang unklar. Fest stand nur: Um eine Zuchtabsicht handelt es sich dabei nicht. Um was also dann?

Es liegt ihnen im Gen

Die Antwort auf diese Frage liefern nun Forschende um Miguel Carneiro von der Universidade do Porto in Portugal und Leif Andersson von der schwedischen Universität Uppsala: Die Sauteur-d’Alfort-Kaninchen machen es so, weil sie gar nicht anders können, so das Team im Fachjournal «Plos Genetics».

Verantwortlich für ihr Unvermögen ist eine Genmutation: «Mit einer Kombination aus experimentellen Kreuzungen und Genomsequenzierungen konnten wir zeigen, dass eine einzelne Mutation des RORB-Gens den atypischen Gang dieser Kaninchen erklärt», heisst es in der Studie (siehe Box).

So kamen die Forschenden der Mutation auf die Schliche

Für die Studie kreuzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Sateur-d’Alfort-Kaninchen mit normalen Hauskaninchen. Daraus gingen 52 Enkel hervor. Von diesen konnten 40 normal hoppeln, zwölf dagegen liefen im Handstand. Anhand von Blutproben analysierten die Forschenden das vollständige Genom aller Tiere. Dabei zeigte sich: Alle Handstand-Kaninchen hatten eine Mutation im RORB-Gen. Dieses Gen codiert für einen Rezeptor, der vor allem im Gehirn und in den peripheren Nerven vorkommt. Die Mutation sorgt dafür, dass Sauteur-d’Alfort-Kaninchen weniger funktionsfähige Rezeptoren im Rückenmark haben.

Aufgrund der Mutation können bestimmte Signale, die für die Koordination der Beine beim Hoppeln verantwortlich sind, nicht korrekt verarbeitet und weitergeleitet werden, so die Forschenden: Statt wie Vertreter anderer Kaninchenarten mit beiden Hinterbeinen abzuspringen, bewegen die Sateur-d’Alfort-Kaninchen ihre Hinterbeine unkoordiniert zur falschen Zeit, um schnell voranzukommen. Darum recken sie ihr Hinterteil in die Luft und gehen in den Handstand.

Auch bei anderen Tierarten spielt das RORB-Gen eine Rolle beim Fortbewegen. Von Mäusen ist bekannt, dass sie watscheln, wenn eine Mutation in diesem Gen vorliegt. «In Übereinstimmung mit früheren Studien an Mäusen unterstreicht unsere Studie die Bedeutung des RORB-Gens für die Verdrahtung des Rückenmarks», so das Team um Carneiro und Andersson. Die Forschenden gehen davon aus, dass eine entsprechende Mutation auch bei Kängurus und Hasen dazu führen könnte, dass sie nicht mehr springen können.

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Wer an Kaninchen denkt, denkt an Tiere, die über die Wiesen hoppeln. Doch es gibt Ausnahmen. 

Wer an Kaninchen denkt, denkt an Tiere, die über die Wiesen hoppeln. Doch es gibt Ausnahmen.

Getty Images/EyeEm
Dies, weil sie nicht anders können: Aufgrund einer Genmutation bewegen sie ihre Hinterbeine unkoordiniert zur falschen Zeit. 

Dies, weil sie nicht anders können: Aufgrund einer Genmutation bewegen sie ihre Hinterbeine unkoordiniert zur falschen Zeit.

Screenshot Youtube/Science News
Um zügig von A nach B zu kommen, gehen Sauteur-d’Alfort-Kaninchen in den Handstand. 

Um zügig von A nach B zu kommen, gehen Sauteur-d’Alfort-Kaninchen in den Handstand.

Carneiro M et al., 2021, Plos Genetics

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Deine Meinung

31 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Der Aufrechte

03.04.2021, 16:36

War bei uns ja auch so. Plötzlich kamen wir auf die völlig verrückte Idee nur noch aufrecht auf den Hinterbeinen zu gehen anstatt auf allen Vieren wie es sich für einen Primaten gehört. Die Rückenprobleme kamen fast gleichzeitig, das Erdöl, das Auto und der Atomstrom kurz danach. Also alles ziemlich schlimm. Hört auf damit!

Nachdenkender

03.04.2021, 14:02

Wenn ich gut drauf bin, kann ich sogar auf meinem 3.Bein gehen. Will einer, der sonst nichts zu tun hat, ein Foto davon machen.

Kurt II

02.04.2021, 13:22

ein Hoch auf die Gentechnik: Der Mensch ist drauf und dran die Perversion zu perfektionieren....