Weko-Untersuchung gefordert - Darum bleibt der Sprit trotz sinkendem Ölpreis teuer

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Weko-Untersuchung gefordertDarum bleibt der Sprit trotz sinkendem Ölpreis teuer

Ölmultis stehen im Verdacht, unter einer Decke zu stecken und die Benzinpreise künstlich hoch zu halten. Nun soll die Weko die Preise prüfen.

von
Fabian Pöschl
Marcel Urech
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Die Benzinpreise in der Schweiz sind im Hoch.

Die Benzinpreise in der Schweiz sind im Hoch.

20min/Taddeo Cerletti
Sie sinken kaum, obwohl der Rohölpreis schon wieder tiefer liegt.

Sie sinken kaum, obwohl der Rohölpreis schon wieder tiefer liegt.

REUTERS
Zockt jemand die Autofahrerinnen und Autofahrer ab?

Zockt jemand die Autofahrerinnen und Autofahrer ab?

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

Im Februar ist der Ölpreis nach oben geknallt. Mit dem Ukraine-Krieg kam es zum höchsten Stand seit 2014. Tanken kostet seither immer mehr. Doch der Preis fürs Rohöl ist danach wieder gesunken, von über 130 Dollar für 159 Liter auf unter 100 Dollar. Trotzdem bleibt der Sprit teuer.

Jetzt stehen die Ölkonzerne im Verdacht, Preisabsprachen zu tätigen, damit sie die Preise künstlich hoch halten können. Der deutsche Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat deshalb am Mittwoch das Bundeskartellamt um eine Prüfung der Situation gebeten.

In der Schweiz wird die Wettbewerbskommission (Weko) hingegen noch nicht tätig. Wenn es Anzeichen für Preisabsprachen gäbe, würde die Weko diesen nachgehen, «aber wir haben keine Hinweise», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Politiker fordern Weko-Untersuchung

Einen politischen Vorstoss für eine solche Untersuchung gibt es noch nicht. Jetzt werden aber Stimmen aus der Politik laut. Mitte-Nationalrat Philipp Kutter hat einen Verdacht für Preisabsprachen und ist für eine Weko-Untersuchung, sagt er zu 20 Minuten. Seine Parteikollegin und Ständerätin Marianne Maret findet eine solche Prüfung «dringend erforderlich»

Auch Grüne-Nationalrätin Marionna Schlatter fände es richtig, wenn die Weko hinschaut. Gar kein Verständnis für die Untätigkeit der Weko hat SP-Nationalrätin Samira Marti. Es sei der Job der Weko, sicherzustellen, dass solche Kartelle die Haushalte nicht unnötig belasten.

Tankstellen sprechen Preise nicht ab

Dass Tankstellen die Preise absichtlich hochhalten wollen, bestätigt Stefan Legge, Ökonom an der Uni St. Gallen. Plumpe Preisabsprachen gebe es aber keine: «Tankstellen werden nicht einfach den Preis frei festlegen, die haben ein Preismodell.» 

Allerdings werden die Anbieter berücksichtigen, welche Preise die Konkurrenz verlangt. «Ob das rechtlich in Ordnung ist, müsste die Weko prüfen», so Legge.

Der Benzinpreis an der Tankstelle hat sich in den vergangenen Jahren ähnlich entwickelt wie der Rohölpreis.

Der Benzinpreis an der Tankstelle hat sich in den vergangenen Jahren ähnlich entwickelt wie der Rohölpreis.

Stefan Legge, Universität St. Gallen. Mit Daten von Statista, fred.stlouisfed.org und dem Bundesamt für Statistik. 

Die Tankstellen seien am Ende der Kette und müssten ihre Preise den aktuellen Marktpreisen anpassen. Bemerkenswert sei, dass sich der Ölpreis seit 2002 etwa vervierfacht habe, von 25 auf 100 US-Dollar. Der Benzinpreis ist aber dank des starken Schweizer Frankens bloss von 1.20 auf rund 2 Franken gestiegen.

Anders sieht das ZHAW-Ökonom Tilman Slembeck: «Dass diese Preise kurzfristig auseinandergehen ist kein Beweis für Preisabsprachen.» Der Markt sorge dafür, dass der Preis bei allen Tankstellen etwa gleich hoch sei. Der Hauptgrund dafür sei, dass es nur wenige Anbieter gebe: «Die Tankstellen verdienen vor allem mit ihren Shops Geld und nicht mit dem hohen Benzinpreis.»

Zudem reagiert der Preis an der Tankstelle meist verzögert auf die Preisänderungen des Rohöls, sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Hinter der Preissteigerung stecke ein komplexes System mit langen Transportwegen.

So entsteht der Benzinpreis

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