Tierheim Basel: Darum darf nicht jeder einen Hund adoptieren
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Tierheim BaselDarum darf nicht jeder einen Hund adoptieren

Wie schwierig es manchmal sein kann, seinen Wunsch-Hund aus dem Tierheim zu holen, zeigt der Fall einer Baslerin. Wir haben uns den Anforderungskatalog mal genauer angeschaut.

von
sis
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Psychologin Cornelia Harig wurde vorerst die Adoption einer Hündin (im Bild) aus dem Tierheim Beider Basel verweigert. Angeblich auch, weil sie Flipflops («ungeeignetes Schuhwerk») trug.

Psychologin Cornelia Harig wurde vorerst die Adoption einer Hündin (im Bild) aus dem Tierheim Beider Basel verweigert. Angeblich auch, weil sie Flipflops («ungeeignetes Schuhwerk») trug.

Screenshot Telebasel/Plätzli gsuecht
Das postete die 37-Jährige am Donnerstag auf die Facebook-Pinnwand des Tierheims.

Das postete die 37-Jährige am Donnerstag auf die Facebook-Pinnwand des Tierheims.

Screenshot Facebook
Sie sei frustriert, weil sie zu dem Tier bereits eine enge Beziehung aufgebaut habe.

Sie sei frustriert, weil sie zu dem Tier bereits eine enge Beziehung aufgebaut habe.

Screenshot Facebook

Psychologin Cornelia Harig wurde die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim Beider Basel (TBB) verweigert – zumindest vorerst. Einer der genannten Gründe ist für sie vorgeschoben: «Man kreidete mir an, dass ich an einem heissen Tag in Flipflops gekommen sei. Ein anderes Mal sei aufgefallen, dass ich Absatzschuhe anhatte. Dies sei kein adäquates Schuhwerk für einen Hundespaziergang», schreibt sie auf Facebook.

Viele Stunden sei sie mit der Schäferhündin spazieren gegangen und habe dabei eine gute Beziehung zu ihr aufbauen können. Trotzdem sei ihr mitgeteilt worden, man habe den Eindruck, sie habe keinen guten Umgang mit dem Tier. «Dabei hat mich bislang kein Mitarbeiter auf einem Spaziergang begleitet», erklärt die 37-Jährige.

Individuelle Platzierungskriterien

Béatrice Kirn, Leiterin des Tierheims, will sich aus Datenschutzgründen nicht zum Fall äussern. Klar sei jedoch, «dass wir Interessenten nicht allein wegen ungeeignetem Schuhwerk die Adoption eines Hundes verweigern. Vielmehr würden wir in einem solchen Fall zunächst das Gespräch suchen.»

Für den vorläufig negativen Bescheid an Frau Harig gebe es andere Gründe. «Für jedes Tier gibt es individuelle, aber auch allgemeine Platzierungskriterien. Ob eine Person diese erfüllt, entscheiden unsere Mitarbeiter, die mit den Hunden und ihren Bedürfnissen sehr gut vertraut sind», so Kirn.

Berufstätigkeit und Einkommen

Diese Kriterien würden durch das Fachpersonal des Tierheims festgelegt. «Grundsätzlich platzieren wir keinen Hund, wenn der neue Besitzer 100% berufstätig ist», steht auf der Webseite des Tierheims. Dieses Argument sei jedoch nicht in Stein gemeisselt: «Wenn von Beginn weg eine für das Tier tragbare und geeignete Lösung vorhanden ist, darf der Hund adoptiert werden», erläutert Kirn.

Auch muss niemand über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen, wenn er einen Vierbeiner aus dem Tierheim holen möchte. «Wir müssen aber sicher sein, dass jemand die normalen Fixkosten für den Hund, etwa für Futter, Steuer oder kleinere Beträge beim Tierarzt, tragen kann.» Das kläre man in einem Gespräch ab. Einen Bonitätsauszug verlangt das Tierheim nicht. «Wir vertrauen auf die Aussage der Interessenten», so Kirn.

Bei unerwartet höheren Augaben wie etwa einem Schicksalsschlag nach der Adoption kann die Person laut der Leiterin einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen.

Freizeitverhalten und Wohnort

Auch beim Freizeitverhalten und dem Wohnort werden die Anforderungskriterien individuell auf Hund und Interessent abgestimmt. Listenhunde zum Beispiel dürfen nur mit einer behördlichen Bewilligung in der Stadt platziert werden; sie seien auf dem Land in der Regel besser aufgehoben. Generell beurteile man das Wesen und die Vorgeschichte des Tieres.

«Viele Leute denken, ‹einen Chihuahua kann ich zehn Minuten um den Block führen und danach in die Tasche stecken.› Das ist nicht so. Auch so ein kleiner Hund läuft sehr gerne, auch im Wald, und gehört nicht in eine Tasche», sagt Kirn.

Wohl des Tieres im Vordergrund

Im Tierheim sei man sich bewusst, dass man nicht alle Interessenten glücklich machen kann – eben weil die Anforderungen so individuell und komplex sind. «Es werden aber auch mal Kompromisse eingegangen», sagt Kirn – immer unter der Bedingung, dass es dem Tier gut geht.

Frau Harig könne die Hündin eventuell doch noch adoptieren. Sie wurde vom Tierheim zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Ein Happy End ist also nicht ausgeschlossen.

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