«Kein Rückgang der Schutzwirkung» - Darum empfiehlt der Bund keine Booster-Impfung
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«Kein Rückgang der Schutzwirkung»Darum empfiehlt der Bund keine Booster-Impfung

Laut dem obersten Impf-Chef Christoph Berger gebe es keinen Hinweis darauf, dass gesunde Geimpfte bereits jetzt Auffrischungsimpfungen benötigen.

von
Daniel Krähenbühl
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«Bei doppelt Geimpften ist kein Rückgang der Schutzwirkung gegen schwere Corona-Erkrankungen zu beobachten», sagt Christoph Berger, Präsident der Schweizer Impfkommission.

«Bei doppelt Geimpften ist kein Rückgang der Schutzwirkung gegen schwere Corona-Erkrankungen zu beobachten», sagt Christoph Berger, Präsident der Schweizer Impfkommission.

20min/Simon Glauser
In der Schweiz bekommen derzeit nur immunsupprimierte Personen, die bislang keine Antikörper gebildet haben, eine dritte Impfung.

In der Schweiz bekommen derzeit nur immunsupprimierte Personen, die bislang keine Antikörper gebildet haben, eine dritte Impfung.

20min/Marco Zangger
In Israel impft man bereits nach. Alle Personen über zwölf Jahren dürfen sich zum dritten Mal impfen lassen. Auch in anderen Staaten, etwa England oder den USA, stehen Booster-Impfungen an. 

In Israel impft man bereits nach. Alle Personen über zwölf Jahren dürfen sich zum dritten Mal impfen lassen. Auch in anderen Staaten, etwa England oder den USA, stehen Booster-Impfungen an.

REUTERS

Darum gehts

  • Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Impfkommission Ekif empfehlen vorerst noch keine Booster-Impfung.

  • Es zeige sich, dass der Schutz vollständig geimpfter Personen vor schweren Erkrankungen und Hospitalisationen anhalte, sagt Ekif-Chef Christoph Berger.

  • Auch eine Arbeitsgruppe internationaler Fachleute vertritt in der Fachzeitschrift «The Lancet» die Ansicht, dass Drittimpfungen für die meisten Menschen derzeit nicht angebracht seien.

In Israel erhalten alle Personen über zwölf Jahren eine Auffrischungsimpfung, in England Personen über 50 und auch in den USA sollen bald Booster-Shots verabreicht werden. Die Schweiz hält jedoch dagegen: Wie Christoph Berger, Präsident der Schweizer Impfkommission (EKIF), an der Medienkonferenz am Dienstag bekanntgab, sprechen die Behörden derzeit keine Empfehlung zu einer Drittimpfung aus.

Berger erklärt, dass Auffrischimpfungen das immunologische Gedächtnis reaktivieren und zur Auffrischung und Verlängerung des Impfschutzes führen würden. Mit der Gabe einer solchen Drittimpfung sollen schwere Krankheitsverläufe und eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden. Nur sei dies zurzeit gar nicht nötig: «Studien und Erfahrungen aus anderen Ländern wie auch der Schweiz zeigen, dass der Schutz vollständig geimpfter Personen vor schweren Erkrankungen und Hospitalisationen über die Zeit anhält», sagt Berger. Und dies auch mit vorherrschender Zirkulation der Delta-Variante: «Die grosse Mehrheit der hospitalisierten Covid-Patienten – rund 90 Prozent – ist ungeimpft.»

Schutz vor schwerer Erkrankung

Es sei wichtig, den Schutz der Geimpften vor Covid-19 differenzierter zu betrachten, so Berger: «Die im Blut oder in den Schleimhäuten vorhandenen neutralisierenden Antikörper dienen dem Schutz gegen milde Erkrankungen und bilden die erste Abwehr bei einem erneuten Kontakt.» Diese Antikörper nehmen laut Berger mit zunehmendem zeitlichen Abstand von der Impfung jedoch ab. «Milde Infektionen oder Übertragungen sind also noch möglich.»

Im Gegensatz dazu sei bei doppelt Geimpften kein Rückgang der Schutzwirkung gegen schwere Corona-Erkrankungen zu beobachten: «Hier bieten zusätzlich zu den Antikörpern auch die zellulären Immunantworten – das immunologische Gedächtnis mit B-Gedächtniszellen und T-Zellen – einen Schutz», sagt Berger. In der Zeit, in der das Virus von den oberen Atemwegen in die Lunge wandert, werde dieses Gedächtnis reaktiviert und verhindere so ein Eindringen in das Gewebe und so eine schwere Infektion.

Fachleute unterstützen Aufschub

Berger verwies unter anderem auf einen Bericht, der am Montag im angesehenen Fachmagazin «The Lancet» veröffentlicht wurde. Darin vertritt eine Arbeitsgruppe internationaler Fachleute um Ana-Maria Henao-Restrepo, Impfexpertin bei der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Ansicht, dass Drittimpfungen für die meisten Menschen derzeit nicht angebracht seien. Der Grund: Die Impfstoffe verhinderten – selbst bei der Delta-Variante – schwere Verläufe weiterhin so effektiv, dass eine Auffrischung zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie nicht angemessen sei.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass eine Drittimpfung bei Menschen mit Immunschwäche durchaus sinnvoll sein kann. Auch bei gesunden Personen könnte eine Booster-Impfung in Zukunft in Betracht gezogen werden – etwa, wenn der Immunschutz weiter nachlässt oder falls die Impfung gegen neue aufkommende Varianten deutlich weniger schützt.

Berger betont: Man stehe bereit, kurzfristig auf neue Daten zu reagieren. Er selbst gehe nicht davon aus, dass in den nächsten zwei Monaten anders entschieden wird. Wenn sich die Datenlage ändere, stünden das Bundesamt für Gesundheit und das Ekif bereit, eine neue Impfempfehlung auszusprechen. «Die Schweiz hat genügend mRNA-Impfdosen zur Verfügung, um breitflächige Auffrischimpfungen zu ermöglichen.»

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