Studie löst Rätsel - Darum erkranken Raucherinnen und Raucher seltener an Covid-19
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Studie löst Rätsel Darum erkranken Raucherinnen und Raucher seltener an Covid-19

Im vergangenen Jahr sorgten mehrere Studien für Erstaunen. Sie zeigten, dass Rauchende seltener an Covid-19 erkranken als Nichtrauchende. Nun ist klar, was sie schützt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Rauchen könnte die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 im Körper hemmen. 

Rauchen könnte die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 im Körper hemmen.

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Das zeigten bereits vergangenes Jahr Berichte aus Deutschland, Frankreich und Israel. 

Das zeigten bereits vergangenes Jahr Berichte aus Deutschland, Frankreich und Israel.

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Unklar war bisher, welcher Mechanismus dahinter steht. 

Unklar war bisher, welcher Mechanismus dahinter steht.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Rauchende infizieren sich seltener mit dem Coronavirus Sars-CoV-2.

  • Unklar war bislang, warum das so ist.

  • Erste Studien tippten auf eine positive Wirkung des Nikotins.

  • Nun haben japanische Forschende eine weitere Substanz ausgemacht: PAK.

  • Eigentlich krebserregend halten sie nun das Coronavirus vom Eindringen in die Zellen ab.

Die Aussage, dass Rauchende seltener an Corona erkranken, schlug vergangenes Jahr ein wie eine Bombe. Während Erfahrungsberichte und Studien zeigten, dass Rauchende ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben, gab es auch Schilderungen, laut denen die Zahl der Covid-19-Fälle bei Rauchenden geringer ist als bei Nichtrauchenden. Sie stammten aus Deutschland, Frankreich und Israel. Walisische Ärzte überlegten sogar deshalb, Nikotinpflaster einzusetzen. Die genauen Hintergründe für die Schutzwirkung von Zigaretten waren jedoch bislang unklar.

Licht ins Dunkle bringen nun Forschende um Keiji Tanimoto von der Universität Hiroshima in Japan. Ihnen zufolge schützen ausgerechnet krebserregende Schadstoffe, die in den Zigaretten enthalten sind, die Rauchenden vor der Infektion. Ihre Studie ist im Fachjournal «Scientific Reports» erschienen.

Ausgerechnet Schadstoff hilft

Bei den im Zusammenhang mit Corona hilfreichen Problemstoffen handelt es sich um sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK.

Was sind PAK?

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe sind krebserregende Substanzen, die durch unvollständige Verbrennungsprozesse von organischem Materialien (Holz, Kohle, Benzin, Öl, Tabak, Abfälle) oder Lebensmitteln (Grillen, Braten, Räuchern, Trocknen) entstehen. PAK sind feste, meist farblose, Verbindungen.

Laut Tanimoto und seinen Kolleginnen und Kollegen unterdrücken die PAK über ein weiteres Molekül die Bildung von sogenannten ACE2-Rezeptoren in den körpereigenen Zellen. Für Sars-CoV-2 kommt das einem Todesurteil gleich. Denn das Coronavirus braucht diese Rezeptoren, um in den menschlichen Körper eindringen und die körpereigenen Zellen befallen zu können.

Studie soll zu Medikament führen

Die Forschenden wollen nun ein Medikament entwickeln, mit dessen Hilfe die ACE2-Rezeptoren blockiert werden. Und das ohne die schädlichen Folgen des Rauchens, sowohl ohne die generellen als auch die coronaspezifischen. Denn: «Wir müssen betonen, dass es starke Beweise dafür gibt, dass Rauchen den Schweregrad von Covid-19 erhöht», so Tanimoto. Er bezieht sich dabei auf mehrere Studien, die das zeigen. Angesichts dieser Beobachtungen rieten einige Expertinnen und Experten Rauchenden sogar, mit dem Rauchen aufzuhören.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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