Aktualisiert 29.11.2011 09:11

«Time-Out»

Darum erreichen die SCL Tigers die Playoffs nicht

Eine weitere Entscheidung ist gefallen. Neben den Rapperswil-Jona Lakers werden im Frühjahr auch die SCL Tigers die Playouts bestreiten.

von
Klaus Zaugg
Den SCL Tigers läuft es gar nicht nach Wunsch. (Bild: Keystone)

Den SCL Tigers läuft es gar nicht nach Wunsch. (Bild: Keystone)

Der Rückstand der SCL Tigers auf den 8. Platz beträgt zwar nur sieben Punkte. Trotzdem ist klar: Der Christmonat (Dezember), der Jänner (Januar) und der Horner (Februar) werden im Emmental lang, kalt und dunkel. Das wärmende Feuer der Playoff-Hoffnung ist mit der schlimmen 0:5-Niederlage in Bern erloschen. Ein Problem muss das nicht sein: Der zu erwartende leichte Zuschauerrückgang unter die Marke von 5000 pro Spiel kann gut verkraftet werden. Weil keine Playoffprämien bezahlt werden müssen.

Natürlich gibt Manager Ruedi Zesiger nicht auf und Trainer John Fust sagt trotzig: «Ich glaube an unsere Playoffchance.» Schliesslich sind in 23 Runden noch 69 Punkte zu holen. Aber das ist nur statistischer Trost. Die Frage ist bloss noch, auf welcher Position (9., 10. oder 11.) die Playouts in Angriff genommen werden. Die Emmentaler sind im Kampf um die Playoffs aus vier Gründen gescheitert, die sich zuletzt beim demütigenden 0:5 in Bern gezeigt haben.

Das Goalie-Problem

Erstens: Torhüter Robert Esche ist nicht gut genug. Wenn die Langnauer in die Playoffs wollen, brauchen sie einen Goalie, der einzelne Spiele gewinnt und nie eine Niederlage verschuldet. In Bern war Esches miserable Leistung der Ausgangspunkt für die Niederlage. Beim Stande von 0:4 (mit zwei haltbaren Treffern) wurde er durch Urban Leimbacher ersetzt. Die wichtigste Aufgabe für Ruedi Zesiger ist nun die Suche nach einem Schweizer Torhüter als Nummer 1 für nächste Saison. Es gibt durchaus Kandidaten, die Langnau in die Playoffs hexen könnten: Martin Gerber, Thomas Bäumle und Benjamin Conz. Zesiger bestätigt: «Das sind tatsächlich unsere Kandidaten.» Am wahrscheinlichsten ist zurzeit ein Transfer von Thomas Bäumle.

Zweitens: Das Experiment der offensiveren Spielweise ist gescheitert. Es ist richtig, dass John Fust versucht, die Mannschaft einen Schritt weiterzubringen. Doch nun zeigt sich: Talent und Tempofestigkeit reichen noch nicht für eine offensivere Spielweise. Die Emmentaler müssen wieder zurück auf Feld eins, zurück zu den Ursprüngen des rustikalischen Rumpelhockeys.

Die unterschiedlichen Saisons

Drittens: Die Langnauer können die Playoffs nur erreichen, wenn alles stimmt. So wie in der letzten Saison. Die Substanz reicht nicht aus, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Beim SC Bern spielt es keine Rolle, ob die vier Ausländerpositionen gut, mittelmässig oder schwach besetzt sind. Die Schweizer Spieler sind so gut, dass es trotzdem für die Spitzengruppe der Tabelle reicht. Langnau kann sich hingegen nicht eine falsch besetzte Ausländerposition leisten, wenn es für die Playoffs reichen soll. Diesmal haben sich zwei Ausländer als Nieten erwiesen (Esche, Perrault). Zudem zeigt sich jetzt klar: Eine Mannschaft wie Langnau braucht vier ausländische Feldspieler.

Viertens: Kein Glück bei den Transfers. Es ist billige Polemik, die Transfers von Joël Perrault, Robert Esche, Robin Leblanc, Martin Stettler, Claudio Neff und Philipp Rytz zu kritisieren. Niemand konnte im letzten Sommer wissen, dass keiner dieser Neuzuzüge dazu in der Lage ist, in Langnau sein bestes Hockey zu spielen.

Keine Trainerfrage in Langnau

Nicht zur Debatte steht Trainer John Fust (Vertrag bis 2015). Das diesjährige Scheitern ist die Summe mehrerer Faktoren für die der Trainer nicht oder nur bedingt zur Verantwortung gezogen werden kann. Ein Trainerproblem werden die SCL Tigers nur dann bekommen, wenn sich John Fust durch das Scheitern in dieser Saison verunsichern lässt, zum Zweifler wird und von seinen Methoden und Grundsätzen abrückt. Diese Gefahr ist gering. Die Aussichten für die nächste Saison sind trotz des aktuellen Scheiterns gut: Wichtige Spieler wie Simon Moser oder Lukas Haas haben ihre Verträge verlängert und mit Etienne Froidevaux (vom SC Bern) ist bereits ein guter Transfer unter Dach und Fach. Zudem dürfte die Stadionrenovierung (Start nach der Saison) eine stimulierende Wirkung auf die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung haben.

Um den letzten Playoff-Platz spielen nun Biel (8.), Ambri (9.) und Servette (10.). Die ZSC Lions (7.) werden uns zwar noch dieses oder jenes Krisenspektakel bescheren – aber tiefer als auf Platz 8 werden sie nicht fallen.

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