Darum fasziniert uns der Netflix-Thriller «You»

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«Sie spielt mit einer Angst»Darum fasziniert uns die Stalker-Serie «You» so sehr

Die dritte Staffel der Thriller-Serie hat «Squid Game» in den Schweizer Netflix-Charts überholt. Eine Expertin erklärt, was die Reihe rund um Stalker Joe Goldberg so erfolgreich macht.

von
Saskia Sutter
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In «You» stalkt Penn Badgley (34) als Joe Goldberg seine Opfer, um sich in das Leben anderer einzuschleusen.

In «You» stalkt Penn Badgley (34) als Joe Goldberg seine Opfer, um sich in das Leben anderer einzuschleusen.

JOHN P. FLEENOR/NETFLIX
Dabei schreckt die eigentlich charmante Hauptfigur vor fast nichts zurück. (ACHTUNG: Weiterklicken auf eigene Spoiler-Gefahr!)

Dabei schreckt die eigentlich charmante Hauptfigur vor fast nichts zurück. (ACHTUNG: Weiterklicken auf eigene Spoiler-Gefahr!)

JOHN P. FLEENOR/NETFLIX
Joe wuchs als einziges Kind eines gewalttätigen Vaters und einer untreuen Mutter auf. Später arbeitete er in einer Bibliothek, bevor er dann zum Manager einer Buchhandlung wurde. 

Joe wuchs als einziges Kind eines gewalttätigen Vaters und einer untreuen Mutter auf. Später arbeitete er in einer Bibliothek, bevor er dann zum Manager einer Buchhandlung wurde.

JOHN P. FLEENOR/NETFLIX

Darum gehts

  • Ein neuer Titel führt die Schweizer Netflix-Charts an: Die Thriller-Serie «You».

  • Darin geht es um den Buchhändler Joe Goldberg (Penn Badgley, 34), der aus Obsession mit einer seiner Kundinnen zum Stalker wird.

  • Durch die sozialen Medien erfährt der junge New Yorker alles über seine Opfer – und nutzt diese Informationen zu seinem eigenen Vorteil.

  • Wir haben bei zwei Expertinnen nachgefragt, worin die Faszination mit «You» besteht und wie man sich selbst vor Cyber-Stalking schützen kann.

Wochenlang führte die südkoreanische Produktion «Squid Game» die Top Ten des Streaming-Giganten Netflix an. Jetzt aber weht ein anderer Wind: «You» stösst die tödlichen Spiele vom Thron – zumindest in der Schweiz. In der ersten Staffel der Thriller-Reihe schlüpft «Gossip Girl»-Darsteller Penn Badgley (34) in die Rolle des Buchhändlers Joe Goldberg, der sich in die Studentin Guinevere Beck verliebt. Bald jedoch wird die eigentlich charmante Hauptfigur zum obsessiven Stalker, um seiner Angebeteten näherzukommen.

Über längere Zeit hinweg durchforstet Joe ihre sozialen Netzwerke wie Instagram und Facebook, dank Smartphones und Cloud ist es ihm ein Leichtes, seiner Flamme in jeder Situation heimlich hinterher zu spionieren. Dabei geht er bis zum Äussersten, was bedauerlicherweise für seine Mitmenschen schlimme Folgen hat. Von Entführungen bis hin zu Mord – der introvertierte New Yorker schreckt vor nichts zurück. Später schafft er es sogar, mit einem seiner Opfer eine Familie zu gründen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Stalking betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Die Monster im inneren Kreis

Wie «Squid Game» ist auch «You» im Genre Thriller angesiedelt. Beide Netflix-Serien setzen auf Blut, Gewalt und einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Psyche. Bei «You» geht es vor allem um fatale Beziehungen, in denen einer mehr liebt als der andere. Und dabei hält der Streaming-Hit den Zuschauerinnen und Zuschauern zugleich den Spiegel vor, wie Informationen, die man im Netz teilt, ganz einfach gegen einen verwendet werden können. Doch warum fasziniert das Thema Stalking so?

«Bei Serien und Filmen kommt es immer darauf an, wie etwas inszeniert ist. Im Fall von ‹You› scheint es mir recht klar zu sein, was die Faszination ausmacht. Die Serie spielt mit einer Angst, die wir Menschen immer haben: Leute, die wir lieben und auf die wir uns verlassen, entpuppen sich plötzlich als bedrohlich und wenden sich gegen uns», stellt Frau Prof. Dr. Christine Lötscher, Professorin für populäre Literaturen und Medien im Gespräch mit 20 Minuten klar. «Die Monster kommen nicht von aussen und wollen rein, sondern sie kommen aus dem inneren Kreis. Thriller wie ‹You› verwandeln diese Befürchtungen in einen lustvollen Nervenkitzel.»

Wie realistisch ist die Gefahr von Stalking?

Und die Hitserie behandelt damit Verbrechen, die durchaus der Realität entsprechen. Auch in der Schweiz ist das Phänomen Stalking ein ernstzunehmendes Problem. So zeigt ein Bericht vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau aus dem Jahr 2020, dass 15-18 Prozent der Frauen in ihrem Leben schon einmal gestalkt worden sind. Bei den befragten Männern waren es rund sechs Prozent.

Doch was kann man tun, wenn man selbst von jemandem verfolgt oder heimlich beobachtet wird? Und wie beugt man einer solchen Situation vor? «Wenn sich jemand online oder in der Realität bedrängt oder sogar belästigt fühlt, soll sich diese Person bei der Polizei melden, um eine Anzeige zu erstatten», so Carmen Surber, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich gegenüber 20 Minuten.

Um solchen Delikten vorzubeugen sei es ratsam, keine vertraulichen Daten zu veröffentlichen und sich gut zu überlegen, welche Fotos man ins Internet stellt. «Ausserdem ist es wichtig zu wissen, dass die sozialen Medien kein geschützter Raum sind – deshalb haben vertrauliche Daten dort nichts zu suchen».

Aufruf

Wirst du online belästigt? Erhältst du täglich unerwünschte Nachrichten? Bist du von Stalking betroffen? Dann melde dich bei uns und erzähl uns im Formular von deine Erfahrungen mit diesem Thema.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Cybercrime betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Meldestellen:

Polizei nach Kanton

Aufklärung:

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