Kotverzehr im Tierreich: Darum fressen Tiere so gern ihren eigenen Kot

Aktualisiert

Kotverzehr im TierreichDarum fressen Tiere so gern ihren eigenen Kot

Der Verzehr von Fäkalien ist aus menschlicher Sicht eine widerwärtige Angelegenheit. Im Tierreich macht das jedoch absolut Sinn.

von
Fee Riebeling
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Im Tierreich lässt sich manchmal ein Verhalten beobachten, das auf den ersten Blick fies anmutet. Dazu gehört auch das Verspeisen von Exkrementen. (Im Bild: ein Pavian beim Kot-Verzehr)

Im Tierreich lässt sich manchmal ein Verhalten beobachten, das auf den ersten Blick fies anmutet. Dazu gehört auch das Verspeisen von Exkrementen. (Im Bild: ein Pavian beim Kot-Verzehr)

Wikimedia Commons/Markrosenrosen/CC BY-SA 3.0
Dieses Vorgehen bezeichnen Wissenschaftler als Koprophagie. (Im Bild: zwei Himmelblaue Bläulinge machen sich über fremden Kot her)

Dieses Vorgehen bezeichnen Wissenschaftler als Koprophagie. (Im Bild: zwei Himmelblaue Bläulinge machen sich über fremden Kot her)

Wikimedia Commons/William M. Connolley/CC BY-SA 3.0
Die Forschung unterscheidet zwischen zwei Arten von tierischen Kotfressern. Die erste Gruppe bilden die sogenannten Autokoprophagen, zu denen unter anderem Hamster gehören.

Die Forschung unterscheidet zwischen zwei Arten von tierischen Kotfressern. Die erste Gruppe bilden die sogenannten Autokoprophagen, zu denen unter anderem Hamster gehören.

Screenshot Youtube/baykal karasüleymanolu

Normalerweise gilt: Was hinten rauskommt, sollte vorne nicht wieder rein. Doch einige Tiere halten sich nicht daran: Sie fressen Kot – einige ihren eigenen, andere den ihrer Artgenossen, und wieder andere den von anderen Tieren. Experten nennen das Koprophagie.

Was für die meisten Menschen eine ekelhafte Vorstellung ist (siehe Box), ist im Tierreich ganz natürlich – und sinnvoll.

Eigener Kot sichert Überleben

Kaninchen, Hasen, Nagetiere und auch einige Affenarten zählen zu den sogenannten Autokoprophagen. Sie machen sich über ihre eigenen Ausscheidungen und die ihrer Artgenossen her, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen.

Denn bei Pflanzenfressern geschieht die Nährstoffaufnahme bereits im Dünndarm. Allerdings werden einige Proteine, die für die Tiere lebenswichtig sind, erst im nachfolgenden Blinddarm gebildet und dann ausgeschieden.

Damit diese nicht ungenutzt verloren gehen, machen sich die Autokoprophagen nach dem Verdauen noch einmal über ihren Kot her. So kommen sie doch noch in den Genuss der essentiellen Proteine.

Die Ausscheidungen anderer

Mistkäfer, Fadenwürmer und zahlreiche Milbenarten zählen zur Gruppe der Allokoprophagen. Sie ernähren sich von den Exkrementen anderer Tierarten.

Dabei haben sie es auf die organischen Stoffe abgesehen, die in dem Dung noch enthalten sind. Damit stellen sie ein wichtiges Element im ökologischen Stoffkreislauf dar.

Kot futtern für die grosse Liebe

Eine andere Gruppe von Tieren, zu denen auch die Schmutzgeier gehören, verfolgen mit dem Verspeisen von Exkrementen ein weiteres und völlig anderes Ziel: Sie versuchen, einen Partner zu finden.

Weibliche Schmutzgeier bevorzugen nämlich Männchen mit leuchtend gelbem Gesicht, möglicherweise weil das auf eine starke Immunabwehr hindeutet. Für die Gelbfärbung verantwortlich ist der Farbstoff Lutein.

Da dieser im Aas, der eigentlichen Futterquelle der Tiere, nur bedingt vorhanden ist, bedienen sich die Männchen auch am stark luteinhaltigen Kot von Huftieren wie Rindern, Schafen und Ziegen.

Auch Menschen konsumieren Kot

Nicht nur Tiere fressen Fäkalien, sondern auch einige Menschen. Bei diesen ist es jedoch anders als bei Tieren kein natürliches Verhalten. Vielmehr ist es auf eine Störung im Gehirn zurückzuführen – konkret auf eine beschädigte Amygdala, die bei gesunden Menschen für die emotionale Bewertung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren wichtig ist.

Ist dieser zentrale Teil des Gehirns defekt, ist unter anderem das Ekelgefühl ausgeschaltet. Und die Betroffenen schrecken nicht davor zurück, ihren eigenen Kot zu essen, wie Forscher der Mayo Clinic im amerikanischen Rochester 2016 im «Journal of Neurology» berichteten. Als Auslöser von Koprophagie beim Menschen gelten demnach Demenz und Hirntumoren.

Begleitet wurde die Koprophagie bei den für die Studie untersuchten Betroffenen häufig von einem Verschmieren des Stuhls, aggressivem Verhalten, sexueller Hyperaktivität oder dem Verlangen, jegliche Art von Gegenständen zu verschlingen.

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