Aktualisiert 16.06.2011 14:01

Wertvolle Ruhe

Darum freut sich manch Anwohner über Krach

Über weniger Lärm von der Strasse oder aus der Umgebung freuen sich die Mieter. Meist allerdings nicht lange. Denn ist der Lärm weg, wird in die Liegenschaft investiert und die Mieten steigen kräftig.

Ein Geschäftshaus an der lärm- und verkehrsberuhigten Zürcher Weststrasse wird in Lofts mit Kaufpreisen zwischen 1 bis 3 Millionen Franken umgebaut.

Ein Geschäftshaus an der lärm- und verkehrsberuhigten Zürcher Weststrasse wird in Lofts mit Kaufpreisen zwischen 1 bis 3 Millionen Franken umgebaut.

Lärmschutzmassnahmen verbessern nicht nur die Wohnqualität. Sie lösen auch Folgeinvestitionen aus und lassen die Mieten ansteigen, wie aus einer Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) hervorgeht.

Sie bestätigt, dass Lärmbelastungen die Mietpreise stark beeinflussen. Die höchsten Mietpreisreduktionen pro Dezibel über dem Grenzwert resultieren demnach durch Lärmemmissionen der Bahn (-0,26 Prozent), gefolgt von Strassen- und Fluglärm mit einem Minus von 0,19 beziehungsweise 0,11 Prozent.

40 Prozent Mietzinssteigerung

Erstmals wurde mit Hilfe eines einheitlichen Bewertungssystems und des geografischen Informationssystems (GIS) gesamtschweizerisch der Einfluss der wichtigsten mietpreisbestimmenden Lage- und Umweltfaktoren ermittelt, wie es in einer Mitteilung der ZKB heisst. Erarbeitet wurde die Studie «Ruhe bitte!» in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU).

Am Beispiel der Weststrasse in Zürich zeigt die Studie zudem auf, dass Lärmschutzmassnahmen auch Folgeeffekte haben können. Seit der Verkehr mit der neuen Verkehrsführung um 90 Prozent abgenommen habe, sei die Investitionsblockade gelöst und ein «Prozess der Aufwertung» in Gang gesetzt worden.

Die umfassenden Sanierungen der Liegenschaften haben allerdings auch eine Kehrseite: Die Mieten sind über 40 Prozent angestiegen. Die Lärmminderung alleine habe einen Preiseffekt von knapp sechs Prozent, schreibt die ZKB.

Gute Aussicht will bezahlt sein

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, bestimmen neben dem Lärm auch Lage und Steuerbelastung den Mietpreis. Grundsätzlich gilt: Je zentraler das Mietobjekt und je tiefer die Steuern, desto höher sind die Mieten.

So führt eine um 10 Minuten längere Reisezeit zum nächsten Grosszentrum zu einem Mietpreisabschlag von 5 Prozent. Andererseits ist bei einer Senkung der Steuerbelastung der Haushalte um 2 Prozentpunkte ein Anstieg der Mieten um 6 Prozent zu erwarten.

Direkter Seeanstoss und Seesicht erhöhen die Mietpreise gar um 12 Prozent. Die Aussicht auf ein schönes Bergpanorama lässt die Mieten zusätzlich um 10,4 Prozent steigen. Laut der ZKB-Studie «Ruhe bitte!» können beliebte Standorte zu einer Mietpreisdifferenz von über 30 Prozent führen. (sda)

Fehler gefunden?Jetzt melden.