05.02.2019 20:56

GroundingsDarum gehen Airlines wie Germania pleite

Veraltete Geschäftsmodelle und zu starke Konkurrenz: Das sind die Gründe für das Grounding von Airlines wie Germania.

von
Vanessa Sadecky
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Hebt nicht mehr ab: Die Ferienfluggesellschaft Germania hat Insolvenz angemeldet.

Hebt nicht mehr ab: Die Ferienfluggesellschaft Germania hat Insolvenz angemeldet.

Keystone/Steffen Schmidt
Der Flugbetrieb wurde per sofort eingestellt.

Der Flugbetrieb wurde per sofort eingestellt.

Keystone/Steffen Schmidt
«Leider ist es uns nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen», erklärte der Germania-Geschäftsführer.

«Leider ist es uns nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen», erklärte der Germania-Geschäftsführer.

Keystone/AP/Christoph Schmidt

Die Serie der Airline-Pleiten geht weiter. Die Ferienfluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und in der Nacht zum Dienstag den Flugbetrieb eingestellt. Ein Liquiditätsengpass wurde der Airline zum Verhängnis.

Damit ist Germania das jüngste Branchenopfer. In den letzten Monaten sind bereits kleinere Anbieter wie Skywork, aber auch grössere wie Air Berlin verschwunden (siehe Box). Was ist los in der Airline-Branche? 20 Minuten hat mit zwei Aviatikexperten über die Gründe der Pleitewelle gesprochen.

Billig-Airlines haben sich etabliert

Die Dominanz der Billig-Airlines wie Easyjet und Ryanair hat in Europa in den letzten Jahren zugenommen. Die Low-Cost-Fluglinien expandieren und erhalten sich die Treue der Kunden trotz Verspätungen und Flugannullierungen. Das setzt die gesamte Branche unter Druck. «Easyjet und Ryanair sind zu festen Grössen geworden. Die Passagiere setzen auf sie, weil ihnen der Preis wichtiger ist als ein kostenloses Menü oder Swissness. Dafür sind sie auch gewillt, den längeren Weg zum Flughafen in Basel oder in Genf auf sich zu nehmen», so Agius.

Langstreckenflug-Markt wird aufgemischt

Nicht nur kleine Airlines haben mit den neuen Gegebenheiten des Markts zu kämpfen. Laut dem Aviatikexperten Agius ist der Langstreckenflug-Markt im Wandel. Alteingesessene Fluglinien haben das Nachsehen: «Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Langstreckenflüge für die Airlines weniger lukrativ werden, denn Airlines wie Katar oder Emirates bieten diese Flüge so günstig wie nie an, und die Konkurrenz muss irgendwann nachziehen.»

Schwammige Strategie

Bei vielen Airlines mangelt es an einer klaren Linie. Auch bei der Schweizer Skywork sei die schwammige Unternehmensstrategie ein Problem gewesen, so Agius. «Statt sich ganz auf Bern zu konzentrieren, hat man versucht, überall mitzumischen und zuletzt auch ab Basel Flüge anzubieten, wo die Konkurrenz gross ist.» Die fehlende Fokussierung sei auch Air Berlin zum Verhängnis geworden. «Air Berlin hat es versäumt, eine klare Unternehmensstrategie zu formulieren, und wollte überall dabei sein», so der Experte.

Zu kleine Flugzeuge

Lokale Fluggesellschaften verfügen über eine kleine Flotte und Flugzeuge mit wenig Plätzen. So sind die Kosten pro Passagier deutlich höher als bei Fluglinien mit grossen Maschinen. «Das Überleben solcher Airlines ist heutzutage nur mit staatlichen Subventionen möglich – wie zum Beispiel in Schottland», erklärt Hansjörg Bürgi, Chefredaktor von Sky News.

Veraltetes Geschäftsmodell

«Das Geschäftsmodell von Skywork war schon veraltet, als die Airline 2009 mit Linienflügen startete», sagt William Agius, Aviatik-Experte von der ZHAW. Man habe an den Erfolg der Crossair anknüpfen wollen und sei gescheitert, weil sich der Markt schon in Richtung Low-Cost-Modelle gewandelt habe.

Europas jüngste Airline-Pleiten – eine Chronik:

Skywork (CH)

Die Berner Skywork Airline stellte ihren Betrieb im letzten Jahr am 29. August ein. Grund für das Grounding waren gescheiterte Verhandlungen mit einem möglichen Partner. Die Airline musste letztlich wegen Überschuldung Konkurs anmelden.

Belair (CH)

Geplant war zunächst, den Flugbetrieb der Airline ab Sommer 2018 als Anbieter von Flügen für andere Fluggesellschaften und von Charterflügen wieder aufzunehmen. Daraus wurde aus finanziellen Schwierigkeiten dann aber nichts.

Niki (AT/DE)

Die österreichische Ferienfluggesellschaft Niki, ein Tochterunternehmen der insolventen Air Berlin, musste ebenfalls Insolvenz beantragen und in der Nacht zum 14. Dezember den Flugbetrieb einstellen.

Air Berlin (DE)

Am 1. November wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet. Teile der Gesellschaft, darunter das Geschäft am Flughafen Tegel und die Tochtergesellschaft LGW, wurden an die Lufthansa und Easyjet verkauft.

Darwin Airline (CH)

Die Fluggesellschaft mit Sitz in Lugano nutzte zuletzt die Bezeichnungen Etihad Regional. Der Gesellschaft wurden am 28. November die nötigen Lizenzen entzogen. Sie erhielt ein Flugverbot.

Monarch (GB)

Am 2. Oktober sassen 110.000 Feriengäste im Ausland fest und 300.000 Tickets verloren ihre Gültigkeit.

Fly Kiss (FR)

In Frankreich musste sich die neu gegründete Regionalairline Fly Kiss im Mai 2017 wieder aufgeben. Zu schlecht soll die Auslastung gewesen sein.

Dieser Text erschien zum ersten Mal in leicht geänderter Version am 31. August 2018 auf 20minuten.ch.

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