Rheinfelden AG: Falsche Flasche angeschlossen – Grill-Unfall hat strafrechtliche Konsequenzen

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Rheinfelden AGFalsche Flasche angeschlossen – Grill-Unfall hat strafrechtliche Konsequenzen

In Rheinfelden kam es am Freitagabend zu einem Balkonbrand, nachdem ein Gasgrill Feuer gefangen hatte. Es war schon der zweite derartige Fall innert Tagen. Für die Verursacher wird das auch ein strafrechtliches Nachspiel haben.

von
Lukas Hausendorf
Gandalf Weidemann
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In Rheinfelden ging ein Gasgrill am Freitagabend in Flammen auf. Das Feuer griff auf den Nachbarbalkon über, die Feuerwehr musste mit einem Grossaufgebot anrücken.

In Rheinfelden ging ein Gasgrill am Freitagabend in Flammen auf. Das Feuer griff auf den Nachbarbalkon über, die Feuerwehr musste mit einem Grossaufgebot anrücken.

Kapo AG
Wie schon bei einem Grill-Brand in Seengen (AG) am Donnerstag war auch in Rheinfelden ein deutscher Gasgrill an eine Schweizer Gasflasche angeschlossen worden. 

Wie schon bei einem Grill-Brand in Seengen (AG) am Donnerstag war auch in Rheinfelden ein deutscher Gasgrill an eine Schweizer Gasflasche angeschlossen worden. 

Kapo AG
Dichtungssysteme aus der Schweiz sind mit jenen deutscher Gasgrills nicht kompatibel. So können die beiden Komponenten nicht dicht verbunden werden. In der Folge strömt Gas unkontrolliert aus.

Dichtungssysteme aus der Schweiz sind mit jenen deutscher Gasgrills nicht kompatibel. So können die beiden Komponenten nicht dicht verbunden werden. In der Folge strömt Gas unkontrolliert aus.

Kapo AG

Ein Gasgrill, der Feuer gefangen hatte, löste am Freitagabend in Rheinfelden im Kanton Aargau einen Grosseinsatz der Feuerwehr aus. Der Grill geriet auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses am Haldenweg in Brand. Der Brand hatte sich, als die Feuerwehr eintraf, schon auf einen benachbarten Balkon ausgeweitet. Diese konnte eine weitere Ausbreitung verhindern und das Feuer schliesslich löschen. Eine Person sei mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Spital überführt worden.

Die Ursache des Brandes war rasch geklärt. Beim Grill handelte es sich um ein Produkt aus Deutschland, das an eine Gasflasche aus der Schweiz angeschlossen wurde. Die beiden Komponenten sind aber nicht miteinander kompatibel. Deshalb sei das Gas unkontrolliert aus der Flasche geströmt und habe sich schlussendlich entzündet. In der Folge geriet das Mobiliar auf dem Balkon in Brand und das Feuer griff auf einen weiteren Balkon über.

Schon am Donnerstagabend kam es im aargauischen Seengen zu einem vergleichbaren Fall. Hier geriet ein Gasgrill in einem Garten auf die gleiche Weise in Brand – auch hier musste die Feuerwehr kommen.

Strafbefehl wahrscheinlich

Für die Verursacher werden die Grill-Unfälle auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Die fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst oder Explosion von Gas kann mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe sanktioniert werden. So wurde im Januar 2020 im Kanton Schwyz ein Rentner per Strafbefehl verurteilt und musste über 4000 Franken bezahlen, weil er mit seinem Gasgrill fahrlässig einen Balkonbrand verursachte. Eine vergleichbare Strafe dürfte auch in den Fällen Rheinfelden und Seengen zu erwarten sein.

Zumal die Fahrlässigkeit in diesen Fällen offensichtlich ist. Die aargauer Kantonspolizei rät dringend davon ab, Gasgrills, die im Ausland gekauft worden sind, an Schweizer Gasflaschen anzuschliessen. Diese verfügten über unterschiedliche Dichtungssysteme, weshalb keine dichte Verbindung hergestellt werden könne. Auch die Hersteller von Gasgrills weisen explizit auf diesen Umstand hin. Auch die Schweizerische Unfallversicherung (Suva) warnt in einem Merkblatt vor der «akuten Explosionsgefahr», wenn deutsche Druckregler mit Schweizer Gasflaschen kombiniert werden.

Laut der Suva kommt es jährlich zu 360 Unfällen rund um den Grill, wobei drei Viertel der Verletzten Männer seien.

Sorgfaltspflicht verletzt

Die Sorgfaltspflicht im Umgang mit Wärme, Licht und anderen Energiearten ist auch im kantonalen Brandschutzgesetz verankert. Demnach habe man die notwendige Vorsicht walten zu lassen, um Brände und Explosionen zu vermeiden. Das gelte insbesondere bei Feuer und offenen Flammen.

Immerhin: Nachdem der Balkonbrand in Rheinfelden gelöscht war, konnten die Bewohnerinnen und Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Polizei geht davon aus, dass ein mittlerer Sachschaden entstanden ist. Diesen deckt, bis auf den Selbstbehalt, die Privathaftpflichtversicherung - sofern der Besitzer des Gasgrills eine solche abgeschlossen hat

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