Sinkende Reichweiten: Darum geht E-Fahrzeugen jetzt der Saft aus
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Sinkende ReichweitenDarum geht E-Fahrzeugen jetzt der Saft aus

Schlappe Akkus, sinkende Reichweiten – die kalte Jahreszeit halt fur E-Autos besondere Herausforderungen bereit. Doch man kann seine Batterien unterstützen.

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srt
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Elektrischer Schwede im Schnee: Selbst ein Volvo verliert bei tiefen Temperaturen an Reichweite.

Elektrischer Schwede im Schnee: Selbst ein Volvo verliert bei tiefen Temperaturen an Reichweite.

Volvo
Der Winter ist für alle Autofahrer mühsam. Doch Besitzer eines E-Autos werden besonders hart geprüft,  denn die Temperaturen schlagen direkt auf die Leistung ihrer Fahrzeuge.

Der Winter ist für alle Autofahrer mühsam. Doch Besitzer eines E-Autos werden besonders hart geprüft, denn die Temperaturen schlagen direkt auf die Leistung ihrer Fahrzeuge.

Keystone
Zwischen 40 und 70 Prozent Reichweite verlieren Stromer wie Tesla bei tiefen Temperaturen. Im Schnitt muss man mit einem Reichweitenverlust von 50 Prozent rechnen.

Zwischen 40 und 70 Prozent Reichweite verlieren Stromer wie Tesla bei tiefen Temperaturen. Im Schnitt muss man mit einem Reichweitenverlust von 50 Prozent rechnen.

Tesla

Fallen die Temperaturen, haben nicht nur Mensch und Tier weniger Lust auf Outdoor-Aktivität, auch Batterien in E-Fahrzeugen überkommt der Winterblues. In den kalten Monaten liegt der Reichweitenverlust je nach Modell bei bis zu 70 Prozent. Im Durchschnitt muss man mit einem Rückgang von 50 Prozent rechnen.

Damit nicht genug: Auch das Laden von Elektroautos dauert bei tiefen Temperaturen deutlich länger. Bereits bei unter 10 Grad sinkt die Leistung einer Batterie, ab Werten im Minusbereich wird der Ladevorgang verlangsamt. Lange Ladezeiten und nicht genügend Reichweite – das sind zwei der meistgenannten Absteller in Sachen E-Mobilität. Der Winter bedeutet deshalb für Besitzer eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs einen echten Stresstest.

Clever heizen

Doch warum braucht man überhaupt mehr Energie im Winter? Die Sachlage ist simpel: Durch die Kälte ist die Reibung im Antrieb deutlich höher, so dass mehr Energie benötigt wird. Heizung für Innenraum und Heckscheibe sowie das Gebläse ziehen ebenfalls Strom, werden aber im Sommer nicht benötigt. Zudem sind kalte Batterien bei eisigen Temperaturen nicht sonderlich effizient.

E-Fahrer sind der Spassbremse Winter jedoch nicht wehrlos ausgeliefert. So kann die Abfahrtszeit bei vielen Elektroautos während des Ladens eingestellt und so die Batterie aufgewärmt werden. Das sollte man nutzen, denn eine kalte Batterie ist nicht annähernd so effizient wie eine warme. Allein mit dieser Methode kann man die Reichweite um bis zu 20 Prozent erhöhen. Hilfreich ist auch, das E-Auto bereits vor der Fahrt zu heizen, und zwar am besten während des Ladevorgangs. So kommt die Heizenergie über das Ladekabel und nicht aus der Antriebsbatterie. Auch das verringert den Reichweitenverlust.

Eine weitere effektive Form der Reichweitenerhöhung ist, sich warm anzuziehen. Vor allem bei kurzen Strecken macht das durchaus Sinn. Natürlich ist eine warme Fahrerkabine besser. Und obwohl es merkwürdig aussehen mag, dick eingepackt im Auto zu sitzen, ist das immer noch besser, als mit leerer Batterie stehen zu bleiben. Wer das Auto trotzdem lieber aufheizt, kann zuerst nur Sitz- und Lenkradheizung einsetzen, denn die brauchen weniger Energie als die Klimaanlage, vermitteln dem Körper aber auch ein warmes Gefühl. Wer auf die Heizung partout nicht verzichten will, sollte sie schrittweise erhöhen. Das ist effizienter als ein voller Schub auf Maximaltemperatur.

Wertvolle Wärmepumpen

Auch die Sonne hilft E-Autos, und dafür brauchen sie nicht mal Solarzellen, denn die Wintersonne wärmt die Batterie und den Fahrerraum auch so auf. Das E-Auto tagsüber an der Sonne und über Nacht in einer Garage zu parkieren, ist deshalb eine gute Idee. Auch das Fahren im Eco-Modus, das Meiden von hohen Tempi über 110 km/h sowie das Nutzen der Bremsenergie helfen der Batterie, wobei das alles bei E-Autos generell gilt. Doch in der kalten Jahreszeit brauchen Innenraum-, Heck- und Frontscheiben-, Sitz- und Lenkradheizung, Lüftung und Fahrzeugbeleuchtung mehr Energie als im Sommer.

Das Energieproblem im Winter ist den Autoherstellern nicht verborgen geblieben. Einig davon haben darauf mit integrierten Wärmpepumpen reagiert: Im neuen Renault Zoe etwa ist eine drin. Beim Hyundai Kona gibt es sie serienmässig, allerdings erst ab einer gewissen Ausstattungsstufe. VW und BMW hingegen verlangen beim eGolf sowie bei den Stromern BMW i3 und BMW i3s aktuell noch einen Aufpreis. Laut BMW soll sich die Reichweite durch die Wärmepumpe um mehr als 30 Prozent erhöhen.

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