Verbreitete Verschwörungstheorie - Darum gehts bei der Satanisten-Dok des SRF
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Verbreitete VerschwörungstheorieDarum gehts bei der Satanisten-Dok des SRF

Eine SRF-Dok über eine Verschwörungstheorie zu ritueller Kindsmisshandlung schlägt hohe Wellen. Das musst du darüber wissen.

von
Noah Knüsel

Das sind die wichtigsten Aussagen aus der SRF-Dok.

SRF

Darum gehts

  • Personen aus Polizei, Kinderschutz und Psychiatrie glauben daran, dass es organisierte, rituelle Kindsmisshandlung in der Schweiz gibt.

  • Das zeigt eine SRF-Dok, die derzeit zu reden gibt.

  • Für Sekten-Experte Georg Otto Schmid ist das «eine typische Verschwörungstheorie».

Am Dienstag publizierte das SRF eine Dok über eine Verschwörungstheorie zu rituellem Missbrauch. Dabei sollen organisierte satanistische Zirkel Kinder rituell misshandeln. Dabei würden auch Menschen geopfert, Blut getrunken und es komme zu Kannibalismus. Es zeigt sich: Personen aus Opferhilfe, Psychiatrie, Lehrerschaft und der Polizei glauben an diese Erzählung.

So etwa Oberarzt Matthias Kollmann, Leiter der Traumastation der Clienia Littenheid im Kanton Thurgau. Er zeigt sich überzeugt, dass es rituellen satanistischen Missbrauch in der Schweiz gibt: «Da gibt es alle Grausamkeiten, die Menschen ersinnen können.» Auch Traumatherapeutin Regula Schwager von der Opferhilfeorganisation Castagna glaubt daran. Sie spricht von Tier- und Menschenopfern und von einer reichen Oberschicht, die für die Teilnahme bei den Kindesmisshandlungen viel Geld zahlen würde. Castagna ist vom Kanton Zürich offiziell anerkannt und erhält jährlich über eine halbe Million Franken an Steuergeldern.

Ein hochrangiger Polizist glaubt ebenfalls, dass rituelle, satanistische Kindsmisshandlung in der Schweiz stattfindet. Darauf angesprochen, sagt Thomas Werner, Leiter Ermittlungen Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich und Zuger SVP-Kantonsrat: «Ich persönlich gehe davon aus, dass es das tatsächlich gibt.»

Keine Beweise für Erzählung

Epizentrum dieser Erzählung soll laut der Dok der Verein «Care About Ritual Abuse» (Cara) sein, der in der Schweiz etwa Seminare zum Thema anbietet. «Es wird gequält bis zum Tod. Oft wird das Blut getrunken und das Fleisch gegessen», sagt Cara-Präsident Fritz Bamert in der Sendung. Gegenüber 20 Minuten äusserte sich der Verein bisher nicht.

Beweise für die angebliche satanistische Unterwanderung der Schweiz konnten aber nie erbracht werden. Das geht aus der Dok hervor und das bestätigen aber auch verschiedene Polizeikorps gegenüber 20 Minuten. Sekten-Experte Georg Otto Schmid sagt klar: «Diese Erzählung ist eine typische Verschwörungstheorie.» Für einige der Protagonisten haben ihre Aussagen denn auch bereits Konsequenzen.

Castagna greift SRF an

Auf Anfrage heisst es bei der Opferhilfestelle Castagna, man sei vom SRF «hinters Licht geführt» worden. Regula Schwagers Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden: «Wir wehren uns vehement gegen das unlautere Vorgehen des SRF.»

Der Sender wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Robin Rehmann und Ilona Stämpfli sind von Anfang an transparent als SRF-Journalisten aufgetreten, die zum Thema satanistische, rituelle Gewalt eine Reportage machen.» Es sei zudem während des gesamten Gesprächs klar gewesen, dass es sich um dieses Thema drehe.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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