18.05.2016 19:38

Rekordzahlen

Darum gibt es dieses Jahr so viele Zeckenstiche

4000 Menschen in der Schweiz haben in diesem Jahr schon wegen eines Zeckenstichs den Arzt konsultiert – ein Rekord. Experten erklären die Gründe dafür.

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Was muss ich bei einem Zeckenstich machen?- Die Zecke möglichst rasch entfernen, am besten mit einer feinen Pinzette. - Wichtig ist, dass der Kopf der Zecke entfernt wird, daher sollte man mit der Pinzette direkt über der Haut ansetzen und kontinuierlich ziehen.- Treten nach einem Stich Symptome auf, sofort einen Arzt aufsuchen.

Was muss ich bei einem Zeckenstich machen?- Die Zecke möglichst rasch entfernen, am besten mit einer feinen Pinzette. - Wichtig ist, dass der Kopf der Zecke entfernt wird, daher sollte man mit der Pinzette direkt über der Haut ansetzen und kontinuierlich ziehen.- Treten nach einem Stich Symptome auf, sofort einen Arzt aufsuchen.

AP/Claudia Ostrop
Wann muss ich mich impfen lassen?- Wer in Gegenden mit Naturherden wohnt oder sich regelmässig dort aufhält, sollte sich gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (auch Zeckenenzephalitis) impfen lassen. - Dazu sind drei Dosen notwendig. - Danach sollte man alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung vornehmen.

Wann muss ich mich impfen lassen?- Wer in Gegenden mit Naturherden wohnt oder sich regelmässig dort aufhält, sollte sich gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (auch Zeckenenzephalitis) impfen lassen. - Dazu sind drei Dosen notwendig. - Danach sollte man alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung vornehmen.

Keystone/Lukas Lehmann
Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?- Wer in den Wald geht, sollte gut abschliessende Kleidung tragen und das Unterholz meiden. - Schutzmittel auftragen.- Nach ausgedehnten Wanderungen den ganzen Körper und die Kleidung sorgfältig auf Zecken absuchen.

Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?- Wer in den Wald geht, sollte gut abschliessende Kleidung tragen und das Unterholz meiden. - Schutzmittel auftragen.- Nach ausgedehnten Wanderungen den ganzen Körper und die Kleidung sorgfältig auf Zecken absuchen.

Immuno

Noch nie haben in der Schweiz so viele Menschen wegen Zeckenstichen den Arzt aufgesucht wie in diesem Jahr. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) registrierte bis Ende April 4000 Fälle – doppelt so viele wie im langjährigen Schnitt. Das bestätigt auch Werner Tischhauser, Zeckenexperte des Instituts Umwelt und Nachhaltige Ressourcen an der ZHAW. «Die Daten aus der Zecken-Präventionsapp zeigen mir dasselbe», sagt er. Extrem viele Nutzer hätten bereits einen Stich eingetragen.

Das BAG gibt als Hauptgrund für die hohe Zahl von Stichen den warmen Winter an: Die Zecken, die bei etwa sieben Grad aktiv werden, stachen schon im Januar zu.

Winter zehrte an den Kräften

Zeckenexperte Norbert Satz ist da anderer Meinung: «Der warme Winter war für die Zecken schlecht.» Sie seien auf die Winterstarre angewiesen, um Energie zu sparen. «Sie saugen im Herbst das letzte Mal, dann müssen sie bis im März von diesem Tropfen Blut leben.» Ohne Winterstarre konnten sich die Zecken jedoch nie erholen.

Im Winter seien die Mäuse – die Hauptwirte der Tiere – im Boden und die Menschen nicht im Wald. «Die Zecken krabbelten und torkelten also ohne Energie umher und viele von ihnen verhungerten.» Demnach seien in diesem Jahr verhältnismässig weniger Zecken unterwegs.

«Kombination führt zu mehr Stichen»

Woher kommt also der Rekord an Arztkonsultationen? «Ganz einfach», sagt Satz. «Weil viele Menschen aufgrund der warmen Temperaturen bereits im Januar und Februar leicht bekleidet in den Wald gingen. Viele waren unvorsichtig.» Jene Blutsauger, die überlebt hatten, lagen schon auf der Lauer und stachen zu.

Laut Tischhauser spielen bei diesem Rekord noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle: «Die Wintertemperaturen haben vor allem die Entwicklung jener Zecken begünstigt, die gerade ihre Umwandlung von der Larve zur Nymphe hinter sich hatten.» Ohne Winterstarre hätten die Zecken gleich weiter Blut saugen können. Zum einen lauerten jetzt viele Zecken auf Gräsern und in Büschen, zum anderen seien aber vor allem mehr Menschen an milden Frühlingstagen in den Wäldern unterwegs. «Diese Kombination führt natürlich zu mehr Stichen.»

Zecken verbreiten sich auch in der Höhe

Einen Einfluss haben laut Tischhauser aber auch Wildtiere. «Diese sind für Zecken wichtige Wirte.» Da sich Füchse, Dachse und Rehe immer weiter ins Stadtgebiet vorwagten, verbreiteten sie auch die Blutsauger auf einer grösseren geographischen Fläche – und zwar nicht nur in die Breite. In den letzten Jahren wurden infolge der Klimaveränderung auch in sehr hoch gelegenen Regionen immer mehr Zecken entdeckt.

Die Milbentiere übertragen vor allem die Krankheitserreger der Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Tischhauser ist gespannt, wie die Bilanz Ende Jahr aussehen wird. «Die Zahlen blieben in den letzten Jahren mit rund 10'000 Neuerkrankungen pro Jahr stabil.» Ihn nimmt es wunder, ob es aufgrund der Verdoppelung von Arztkonsultationen im Frühling auch zu einer Zunahme bei den tatsächlichen Erkrankungen kommen werde. «Das wissen wir allerdings erst im Dezember mit Sicherheit.» Klar sei momentan vor allem eines: «Für Zecken zeigen gerade alle Faktoren auf positiv.»

Für Norbert Satz hingegen ist völlig klar, dass es dieses Jahr nicht nur viel mehr Stiche geben, sondern auch zu viel mehr Ansteckungen kommen wird.

Wie Sie sich vor einem Zeckenstich schützen, lesen Sie in der Bildstrecke.

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